Die chinesische Aufsichtsbehörde NMPA (Nationales Arzneimittelverwaltungsamt) hat den Implantat-Neurochip NEO offiziell zertifiziert und die Massenproduktion freigegeben. Dieses Gerät wurde entwickelt, um die Beweglichkeit von Menschen mit Rückenmarksverletzungen wiederherzustellen und bietet einen grundlegend anderen Ansatz für Neurointerfaces im Vergleich zu westlichen Äquivalenten.
Das Problem der Invasivität: Warum Neuralink zurückfällt
Die größte Herausforderung, der der beworbene Neurochip Neuralink des Biotech-Startups von Elon Musk gegenübersteht, liegt in der extremen Invasivität der Methode. Für die Installation des Geräts muss dem Patienten ein Loch in den Schädel gebohrt werden, und mikroskopisch feine Elektrodenfäden müssen direkt in die graue Substanz des Gehirns eingeführt werden.
Dieser Eingriff birgt erhebliche Risiken: Gewebewiderstand, Blutungen und Infektionen. Diese Faktoren verlangsamen den Prozess der Zulassung der Technologie für den breiten Einsatz erheblich.
NEO-Technologie: Sicherheit durch Nicht-Invasivität
Das chinesische Unternehmen Neuracle hat einen anderen Weg gewählt. Ihr Chip NEO wird auf der Dura mater (harten Hirnhaut) – der äußeren Schutzmembran, die Gehirn und Rückenmark umgibt – installiert. Das Gerät dringt nicht in das Gewebe ein, sondern wird sorgfältig darüber befestigt.
Das System funktioniert wie folgt:
- Acht hochempfindliche Sensoren lesen neuronale Signale der Großhirnrinde ab, ohne direkten Kontakt mit den Zellen.
- Der Implantat sendet Befehle drahtlos an eine spezielle robotische Handschuh oder Exoskelett.
- Der Patient erhält die Möglichkeit, gelähmte Gliedmaßen durch Gedanken über externe Robotik-Software zu steuern.
Zugänglichkeit für alle: Sieg der staatlichen Medizin
Eine wichtige Errungenschaft Chinas ist es, dass die NMPA den Chip NEO nicht nur zugelassen hat, sondern ihn sofort in das staatliche Programm der allgemeinen Krankenversicherung mit Selbstbeteiligung aufgenommen hat. Das bedeutet, dass diese fortschrittliche Technologie zur Behandlung von Lähmungen direkt in das Gesundheitssystem integriert wird und für alle Interessierten verfügbar sein wird, nicht nur für wohlhabende Menschen.
Wettbewerbsrennen in den USA
Gleichzeitig werden in den USA die Positionen von Musk von anderen starken Akteuren mit Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI) aktiv angegriffen:
- Paradomics: testet erfolgreich eine hochauflösende Sprachschnittstelle, die dazu bestimmt ist, Menschen mit schweren neurologischen Störungen die Sprache zurückzugeben.
- Synchron: hat das Gerät Stentrode entwickelt, das über ein Blutgefäß eingeführt wird und überhaupt keine chirurgische Eröffnung des Schädels erfordert. Dies garantiert einen schnellen Durchlauf regulatorischer Tests.
- Blackrock Neurotech: arbeitet seit 2008 auf Basis der Entwicklungen der Universität von Utah und hat Patienten bereits erfolgreich darin geschult, Computerzeiger und Gliedmaßenprothesen auf Distanz sicher zu steuern.
Aufgrund der Erfolge der Konkurrenten bleibt Neuralink in den harten bürokratischen Labyrinths der USA zurück. Um den Prozess der Zulassung klinischer Studien am Menschen irgendwie zu beschleunigen, musste Elon Musk sogar offiziell ein Team von Bundeslobbyisten einstellen.
Fazit des technologischen Rennens
Der Markt zeigt deutlich, dass im technologischen Rennen um BCI nicht derjenige gewinnt, der ein fantastisches Verschmelzen von Mensch und künstlicher Intelligenz verspricht, sondern derjenige, der ein sicheres, zertifiziertes und für Krankenhäuser zugängliches Produkt schafft.