Das chinesische Handelsministerium wies am Mittwoch die Aussagen der US-Sicherheitsbehörden offiziell zurück, wonach führende chinesische Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz vertrauliche Informationen aus amerikanischen Laboren „in industriellem Maßstab' extrahiert hätten. In Peking wurden diese Vorwürfe als unbegründet bezeichnet, und es wurde betont, dass China zu „konstruktiven und professionellen Gesprächen mit den USA im Rahmen eines Dialogs auf der Grundlage der Prinzipien der Gleichheit und des gegenseitigen Nutzens, der Zusammenarbeit und gewinnbringender Ergebnisse' bereit sei. Dabei fügte ein Sprecher des Ministeriums hinzu, dass China „entschlossene Gegenmaßnahmen' ergreifen werde, falls Washington Maßnahmen zur Eindämmung oder Unterdrückung chinesischer KI-Unternehmen ergreife.

Gemeinsame Erklärung der US-Sicherheitsbehörden: Liste der beschuldigten Unternehmen

Am Dienstag veröffentlichten die National Security Agency (NSA), das Federal Bureau of Investigation (FBI) und das US-amerikanische Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) eine gemeinsame Erklärung, in der sie detailliert darlegten, welche amerikanischen Systeme ihrer Auffassung nach von chinesischen Unternehmen kopiert wurden und aus welchen Gründen. Im Dokument werden sechs Strukturen namentlich genannt: DeepSeek, Moonshot, Alibaba Group Holding Ltd., MiniMax, StepFun und Z.AI Co. Zuvor hatten amerikanische KI-Unternehmen, darunter OpenAI und Anthropic PBC, sowie Vertreter der Administration von Donald Trump chinesische Konzerne wiederholt des Diebstahls von Modellen mit Hilfe einer als Destillation bekannten Methode beschuldigt.

Peking charakterisiert Destillation als „übliche Praxis'

Als Reaktion auf die Vorwürfe charakterisierte das chinesische Handelsministerium den Destillationsprozess als „übliche Praxis', die KI-Entwickler weltweit nutzen, um voneinander zu lernen. Darüber hinaus vermutete die Pekinger Behörde, dass gerade amerikanische KI-Unternehmen chinesische Modelle als Grundlage für ihre eigenen Entwicklungen verwenden könnten. Auf diese Weise weist China die Vorwürfe nicht nur zurück, sondern lenkt sie auch in Richtung Washington, indem es auf die Symmetrie der technologischen Prozesse hinweist.

Widersprüchliche Daten

Zwischen den Positionen der beiden Seiten besteht ein grundlegender Unterschied bei der Einordnung desselben Prozesses. Die US-Sicherheitsbehörden charakterisieren die Handlungen der chinesischen Unternehmen als Diebstahl vertraulicher Informationen „in industriellem Maßstab', also als gezielten und großflächigen Verstoß. Die chinesische Behörde bezeichnet Destillation hingegen als „übliche Praxis', die KI-Entwickler weltweit anwenden, und entzieht dem Prozess damit den kriminellen Charakter. Außerdem vermutet Peking, dass amerikanische Unternehmen ebenfalls chinesische Modelle als Grundlage für ihre Entwicklungen nutzen, was der einseitigen Logik der Vorwürfe Washingtons widerspricht. Die Unterschiede in der Auslegung machen eine eindeutige Verifizierung der Fakten ohne einen unabhängigen technischen Audit unmöglich, der bislang nicht durchgeführt wurde.

Kontext: Besuch von Xi Jinping und Verschärfung des technologischen Wettbewerbs

Laut Bloomberg hat der Konflikt um den Diebstahl von KI-Modellen die Spannung zwischen den beiden Hauptstädten wenige Wochen vor dem erwarteten Besuch des chinesischen Staatschefs Xi Jinping im Weißen Haus zu einem Treffen mit dem US-Präsidenten Donald Trump verschärft. Das Thema künstliche Intelligenz ist zu einem Schlüsselsegment des technologischen Wettbewerbs zwischen den beiden Ländern geworden, da die besten chinesischen Modelle den Leistungsabstand zu den führenden amerikanischen Entwicklungen aktiv schließen. In diesem Zusammenhang berichteten die Medien am 28. Juli, dass die Trump-Administration plant, ein Verbot des Imports neuer chinesischer Roboter und Wechselrichter anzukündigen, was laut Washington der Entwicklung des amerikanischen KI-Sektors vor Bedrohungen der nationalen Sicherheit schützen soll. Wenige Tage zuvor hatte der Milliardär Elon Musk öffentlich dazu aufgerufen, die Verwendung chinesischer KI-Modelle in den USA nicht zu verbieten, und erklärt, dass solche Maßnahmen den technologischen Fortschritt des Ostens nicht aufhalten würden.