China hat erstmals einen detaillierten mehrjährigen Zeitplan für die Vorbereitungen einer bemannten Mondlandung veröffentlicht. Wang Xiang, der Chefkonstrukteur des nationalen Mondprogramms, stellte diesen auf dem Siebten Symposium für bemannte Raumfahrt in Peking vor. Den offengelegten Unterlagen zufolge wird Peking vor der Entsendung von Taikonauten auf die Mondoberfläche eine vollständige unbemannte „Generalprobe“ durchführen. Dabei soll das gesamte Fluggeschehen durchgespielt werden – von der Kopplung des Raumschiffs mit dem Landemodul in einer Mondumlaufbahn bis hin zur Landung auf dem Boden und der Rückkehr in den Orbit. Erst nach erfolgreichem Abschluss aller Tests plant China die bemannte Landung bis spätestens 2030.

Drei Schritte der „Generalprobe“

Die unbemannte Erprobung ist in mehrere eigenständige Missionen unterteilt. In der ersten Phase wird China das bemannte Raumschiff „Mengzhou“ im Erdorbit testen und dessen Lebenserhaltung-, Navigations- und Steuerungssysteme unter realitätsnahen Flugbedingungen überprüfen. In der zweiten Phase soll das Landemodul „Lanyue“ ins All geschickt werden, welches auf dem Mond landet und anschließend wieder von dessen Oberfläche startet. Die abschließende dritte Phase im Jahr 2029 sieht einen gemeinsamen unbesserten Flug beider Appakate sowie deren Kopplung in einer Mondumlaufbahn vor – eine exakte Simulation des Szenarios, das später mit Besatzung an Bord durchgeführt wird.

Zwei Raketen und kein „Vorbeiflug ohne Landung“

Für die bemannte Expedition selbst werden zwei Langer-Marsch-10-Raketen zum Einsatz kommen: Die eine bringt das „Mengzhou“-Raumschiff mit den Taikonauten in die Mondumlaufbahn, die andere das „Lanyue“-Landemodul. Bemerkenswert ist, dass im chinesischen Plan keine separate Mission analog zu den US-amerikanischen Apollo-8- oder Artemis-II-Flügen vorgesehen ist, bei denen die Besatzung den Mond zunächst ohne Landung umkreist. Die chinesischen Ingenieure beabsichtigen, die „Mengzhou“ bei erdnahmen bemannten Flügen zu validieren, unter anderem beim Transport von Taikonauten zur Raumstation „Tiangong“, und betrachten diese Tests als ausreichend für die Qualifizierung des Raumschiffs vor dem Mondflug.

Tests bereits angelaufen: Lanyue-Modell und Raumschiff am Weltraumbahnhof

Die Programmvorbereitungen sind in eine praktische Phase übergegangen. Im August 2025 haben Fachleute ein in Originalgröße gebautes, 26 Tonnen schweres Modell des Landemoduls „Lanyue“ erfolgreich getestet: Mithilfe spezieller Seile wurde die Mondschwerkraft simuliert, während Triebwerke und Steuerungssysteme Landungs- und Startmanöver erprobten. Darüber hinaus wurde das für die Tests im Jahr 2027 vorgesehene Raumschiff „Mengzhou“ bereits zum Weltraumbahnhof Wenchang auf der Insel Hainan gebracht, was die Einhaltung der angekündigten Vorbereitungsfristen bestätigt.

Das Rennen mit Artemis: Wer wird der Erste sein

Der veröffentlichte Zeitplan ermöglicht einen direkten Vergleich zwischen den chinesischen Plänen und dem US-amerikanischen Artemis-Programm. Die NASA peilt eine Mondlandung von Astronauten im Jahr 2028 an, jedoch bleibt die Entwicklung des Landemoduls durch SpaceX und Blue Origin eine der größten Unsicherheiten: Verzögerungen könnten die US-Mission bis 2030 oder sogar noch weiter nach hinten verschieben. Bei Einhaltung der genannten Fristen hat China somit eine reale Chance, vor den USA einen Menschen auf den Mond zurückzubringen. Gleichzeitig verfolgt Peking das Ziel, sich nicht auf eine einmalige Landung zu beschränken, sondern langfristig eine technische Grundlage für eine dauerhaftere Präsenz des Menschen auf dem Mond zu schaffen.