Was jahrzehntelang strengste Militärgeheimnisse waren und Milliarden kostete, ist heute zu einem Massenprodukt geworden. Die Ära, in der die Herstellung von „Geisterflugzeugen' geschlossene Fabriken und geheime Produktionslinien erforderte, neigt sich dem Ende zu. Die Fähigkeit, sich vor Radaren zu verstecken, kann jetzt in Form von Farbdosen erworben werden.
In Shenzhen hat das Unternehmen Star-Navi die Kommerzialisierung einer Technologie begonnen, die früher den Supermächten vorbehalten war. Ihre Entwicklung – die Serie der radarabsorbierenden Beschichtungen XRAM-C – ist für Drohnen konzipiert. Das Funktionsprinzip des Materials ist einfach und effektiv: Es absorbiert die Energie der Radarwellen und wandelt sie in Wärme um. Infolgedessen schwächt sich das reflektierte Signal ab, und das Ziel auf dem Radarschirm des Gegners wird entweder kleiner oder verschwindet ganz.
Ingenieurtechnischer Ansatz zur Tarnung
Die Entwickler haben sich nicht auf eine universelle Lösung beschränkt. Die XRAM-C-Linie umfasst drei Arten von Beschichtungen, von denen jede auf eine spezifische Aufgabe zugeschnitten ist. Eine ist effektiv gegen Feuerleit- und Abfangradare, eine andere gegen Aufklärungssysteme, und die dritte bietet eine Kompromisslösung für ein breites Frequenzspektrum. Dies zeugt von einem tiefen Verständnis der Funktionsprinzipien moderner Luftabwehrsysteme.
Die Effizienz des Materials ist beeindruckend: Die Beschichtung sorgt in bestimmten Bereichen für eine Signalabschwächung von 3 bis 3,5 Dezibel. Auf den ersten Blick mag die Zahl bescheiden erscheinen, aber die Physik des Prozesses ist so, dass die zum Radar zurückkehrende Energie etwa halbiert wird. Für Luftabwehrsysteme ist ein solcher Signalverlust kritisch – er erschwert die Erkennung und Verfolgung von Luftzielen erheblich.
Verfügbarkeit der Technologie
Der Hauptvorteil von Star-Navi ist die einfache Anwendung. Die Beschichtung wird mit einem herkömmlichen Spritzpistole auf eine vorbereitete Oberfläche aufgetragen und auf Standardart ausgehärtet. Dies macht teure Fabrikgeräte überflüssig. Die Technologie kann sowohl von großen Drohnenherstellern als auch von Feldtruppen genutzt werden.
Das Unternehmen verkauft das Produkt in Verpackungen mit 1, 5 und 10 Kilogramm. Dies macht die Technologie für den direkten Erwerb durch Endnutzer zugänglich, ohne komplexe Lieferketten. Star-Navi ist nicht der einzige auf diesem Markt: In der Türkei entwickelt der Forscher Yunus Ince ein ähnliches Material namens Kürsat 3.0 mit noch besseren Werten. Der allgemeine Trend ist offensichtlich: Die Fähigkeit zur Reduzierung der Sichtbarkeit wird nicht mehr in die Konstruktion des Fluggeräts während der Planungsphase integriert, sondern kann jederzeit als „Upgrade' hinzugefügt werden.
Neue Herausforderungen für Luftabwehrsysteme
Die weit verbreitete Nutzung solcher Beschichtungen gefährdet die Effektivität bestehender Schutzsysteme. Die meisten modernen Radare, die sowohl für militärische als auch für zivile Zwecke installiert werden, sind auf die Erkennung von Drohnen mit einer hohen Radarquerschnittsfläche ausgelegt. Wenn „unsichtbare' Farbe zum Standard wird, müssen die Entwickler der Luftabwehr neue Lösungen finden.
Der offene Charakter dieser Technologie hat schwerwiegende geopolitische Folgen. Da das Produkt im freien Verkauf ist, steht es allen Akteuren auf dem Markt zur Verfügung. Das bedeutet, dass Russland, das die Drohnenproduktion stark ausgeweitet hat, diese Materialien nutzen kann, um die Sichtbarkeit seiner Kampfdrohnen zu verringern. Das Fehlen eines exklusiven Besitzers der Technologie eröffnet jedoch auch der Ukraine gleiche Möglichkeiten, die dieses Lösung offiziell kaufen und zum Schutz ihrer Drohnen einsetzen kann.