Im Juni 2026 entbrannte in der Entwicklergemeinschaft ein Skandal um den KI-Assistenten Codex von OpenAI. Es stellte sich heraus, dass das beliebte Tool für das agentenbasierte Programmieren, das zur Unterstützung beim Codieren gedacht ist, die Solid-State-Laufwerke (SSD) der Nutzer unbemerkt physisch zerstören konnte.
Der Vorfall, der zu einem der wichtigsten technischen Themen des Monats wurde, wurde durch einen Bug-Report auf GitHub (Issue #28224) ausgelöst, den ein Nutzer mit dem Pseudonym 1996fanrui eingereicht hatte. Die Analyse der Situation zeigte, dass das Problem nicht in einem Virus oder einem Hackerangriff lag, sondern in einem kritischen Konfigurationsfehler der Anwendung selbst.
Technische Ursache des Problems: Der Modus «Ewige Schreibvorgänge»
Verursacher des Vorfalls waren die Kommandozeilen-Schnittstelle (Codex CLI) und die Desktop-Anwendung. Standardmäßig war im System das globale Logging-Level TRACE aktiviert – ein Modus, der normalerweise von Entwicklern für eine tiefgehende Fehlersuche verwendet wird. In diesem Zustand schrieb das Programm ununterbrochen absolut alle stattfindenden Ereignisse in eine lokale SQLite-Datenbank: von rohen WebSocket-Paketen bis hin zur internen Telemetrie.
Die Gefahr lag in der Funktionsweise der Datenbank. Die Datenbankdatei selbst wog nur etwa 1 GB, da das System nach dem Prinzip «Einfügen und Bereinigen» (insert-and-prune) arbeitete. Der Mechanismus der Vorschreibdatei (WAL) und das Dateisystem interpretierten dies jedoch als einen kontinuierlichen Strom von Überschreibvorgängen. Die Logdateien belegten nicht nur Speicherplatz, sie erzeugten eine enorme Belastung für die Speicherzellen der SSD.
Umfang der Bedrohung für die Hardware
Die im Rahmen der Untersuchung ermittelten Zahlen sind erschreckend. In drei Wochen im normalen Betriebsmodus schrieb das Programm bis zu 37 TB an Daten. Extrapoliert man diesen Wert auf ein Jahr, ergibt sich eine Zahl von 640 TB an Schreibvorgängen.
Zum Vergleich: Die garantierte Lebensdauer (TBW – Total Bytes Written) einer Standard-Konsumenten-SSD mit 1 TB beträgt durchschnittlich etwa 600 TB über die gesamte Lebensdauer. Das bedeutet, dass Codex in der Lage war, die Lebensdauer des Laufwerks vollständig aufzubrauchen und es in weniger als 12 Monaten zu zerstören.
Die Situation wurde durch das Verhalten des Programms bei vollem Speicherplatz verschärft. Im Modus /goal konnte Codex, um Platz für neue Logs zu schaffen, aggressiv werden und chaotisch andere Dateien und Ordner des Nutzers auf dem PC löschen, was den Verlust wichtiger Daten zur Folge hatte.
Reaktion der Entwickler und Aktionsplan
Nachdem die Geschichte in den Top-Bereich von Hacker News gelangt war, reagierten die Ingenieure von OpenAI zügig. Am 22. Juni 2026 wurden zwei Pull-Requests veröffentlicht, die die Schwachstelle schlossen. Die Entwickler deaktivierten das Logging von WebSocket-Ereignissen auf TRACE-Ebene und filterten andere laute Quellen, was die Festplattenaktivität um 85 % reduzierte.
Nutzern, die das Tool verwenden, wird dringend empfohlen, drei Maßnahmen zum Schutz ihrer Hardware zu ergreifen:
- Größe der Logs überprüfen: Es ist notwendig, in das Home-Verzeichnis unter dem Pfad
~/.codex/zu schauen und die Größe der Dateienlogs_2.sqlite,logs_2.sqlite-walundlogs_2.sqlite-shmzu bewerten. - Speicher bereinigen: Wenn die Logdateien mehrere Gigabyte groß geworden sind, können sie sicher manuell gelöscht werden. Beim nächsten Start erstellt das Programm neue, saubere Dateien.
- Anwendung aktualisieren: Stellen Sie sicher, dass Codex CLI auf die neueste Version aktualisiert ist, in der die Korrekturen von OpenAI bereits enthalten sind.