Dänland steht vor einer Energiekrise, ausgelöst durch die beispiellose Nachfrage nach Strom seitens von Rechenzentren. Als Reaktion auf die Gefahr, dass die nationalen Klimaziele verfehlt werden, bereitet die Regierung radikale Beschränkungen vor, die sich vor allem gegen ausländische Tech-Giganten, hauptsächlich aus den USA, richten. Die Ministerin für Klima und Energie, Samira Nava, erklärte offen, dass die Verteilung der Ressourcen nun dem Verkehr, der Industrie und der Heizversorgung von Haushalten Vorrang einräumt und nicht den «stromfressenden» Servern.

Politische Wucht gegen US-IT-Giganten

Die Situation im dänischen Energiesystem hat einen kritischen Punkt erreicht. Der nationale Rechnungshof hat bereits den staatlichen Netzbetreiber Energinet sowie Beamte für das Versagen bei der Erweiterung der Kapazitäten kritisiert. Um die Lage zu korrigieren, hat das dänische Parlament mit einer überwältigenden Mehrheit (80 % der Abgeordneten) eine parteiübergreifende Vereinbarung zur Einführung einer politischen Kontrolle über den Netzzugang unterstützt.

Der Kern des neuen «Notfallsplans» ist einfach und hart: US-IT-Giganten werden an das Ende der Warteschlange für den Netzanschluss gesetzt. Vorrang erhalten normale Bürger, Krankenhäuser und Produktionsbetriebe. Eine Ausnahme gilt nur für Rechenzentren, die für das Funktionieren des Gesundheitswesens, der Verteidigung und der Notdienste von kritischer Bedeutung sind.

Krise bei Energinet: 60 GW Anfragen gegen 7 GW Kapazität

Der Hintergrund für diese politischen Entscheidungen ist eine tiefe Krise im staatlichen Energieunternehmen Energinet. Das Tempo der Infrastrukturentwicklung hinkt dem Zeitplan so weit hinterher, dass der gesamte «Energiewandel» des Landes gefährdet ist. Die Statistiken zeigen das Ausmaß des Problems:

  • Die Anzahl der Anschlussanträge stieg von 16 im Jahr 2020 auf 154 im Jahr 2025.
  • Die insgesamt angeforderte Leistung beträgt 60 GW, während die Spitzenleistung des gesamten dänischen Energiesystems nur 7 GW beträgt.
  • Etwa ein Drittel aller Anträge entfällt auf den Bau von Rechenzentren.

Energinet weist darauf hin, dass die Situation durch die Bauherren und Spekulanten selbst verschärft wird. Sie reservieren Kapazitäten an mehreren Orten gleichzeitig und lehnen dann alle Optionen ab, bis auf die günstigste. Im Zeitraum von 2023 bis 2025 verdoppelte sich die Anzahl solcher Stornierungen und machte 10 % aller Anträge aus. Dies führte dazu, dass seriöse Kunden, einschließlich Projekte der «grünen» Energie, in einer Sackgasse landeten.

Abschaffung der «lebenden» Warteschlange und neue Spielregeln

Bereits im Februar war Energinet gezwungen, das Prinzip «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst» aufzugeben. Der Betreiber wechselte zu einer Priorisierung von Projekten mit hohem Fertigstellungsgrad und solchen, die in Zonen mit Energieüberproduktion liegen. Im Frühjahr wurden die Regeln noch weiter verschärft: Nun haben Projekte mit fertigen Baugenehmigungen und garantiertem Finanzierungsstatus Vorrang, insbesondere solche, die bereit sind, den Verbrauch in Spitzenlastzeiten zu begrenzen.

Der neue Gesetzentwurf legalisiert diese Maßnahmen faktisch und verankert das Recht des Betreibers auf eine «subjektive» Auswahl zwischen Projekten verschiedener Arten. Laut Samira Nava sind US-Tech-Giganten in Dänland nicht mehr willkommen. Experten stellen fest, dass Dänland bestrebt ist, das Schicksal Irlands zu vermeiden, das zum «Serverraum» Europas wurde, und seine digitale Infrastruktur kompakt zu halten.

Realität versus Prognosen

Trotz der harten Rhetorik könnte das tatsächliche Bild des Verbrauchs weniger dramatisch sein. Im Dezember 2025 hat die dänische Energieagentur ihre Prognosen erheblich angepasst. Der tatsächliche Stromverbrauch der Rechenzentren im vergangenen Jahr lag 70 % unter den Erwartungen. Im Fünfjahreszeitraum wird die prognostizierte Nachfrage etwa 60 % niedriger sein als die vorherigen Schätzungen.

Laut Schätzungen der Dänischen Rechenzentrumsvereinigung (DDCA) werden von den 15–20 GW, die in der Warteschlange angemeldet wurden, zwei Drittel der Projekte wahrscheinlich nie realisiert werden. Die installierte Leistung der Rechenzentren im Land wird voraussichtlich nur 1,2 GW betragen. Dennoch bestehen Branchenexperten darauf: Um Ordnung zu schaffen, müssen die Auswahlkriterien für alle Wirtschaftssektoren verschärft werden, nicht nur für die Rechenzentrumsindustrie.