Die Situation mit der russischen Flotte der strategischen Luftfahrt, die die Hauptbedrohung für ukrainische Städte darstellt, durchläuft dramatische Veränderungen. Nach Schätzungen der Experten verbleiben Russland potenziell nicht mehr als zwei Dutzend Tu-95-Bomber, die in der Lage sind, Marschflugkörper abzufeuern. Darüber hinaus nimmt die Lebensdauer dieser Maschinen, die unter extremen Bedingungen eingesetzt werden, rapide ab.

Eine weitere Bestätigung der Verwundbarkeit der russischen Luftfahrt war die Zerstörung eines weiteren strategischen Bombers Tu-95 auf dem Flugplatz in Engels. Die Sicherheitskräfte der Ukraine griffen das Objekt an, das für Raketenangriffe auf ukrainische Städte genutzt wurde. Bemerkenswert ist, dass die Entfernung von der Staatsgrenze zum Standort des Flugzeugs etwa 800 km betrug, was die Tiefe des Eindringens des ukrainischen Geheimdienst- und Sabotagepotenzials demonstriert.

'Buchhaltung' versus Realität

Der Luftfahrtexperte Konstantin Krivolap gab in einem Kommentar an RBK-Ukraine Aufschluss über die tatsächliche Anzahl der Maschinen, die der russischen Seite zur Verfügung stehen. Laut einem autoritativen Bericht des Military Balance des International Institute for Strategic Studies waren zu Beginn des Jahres 2022 etwa 60 Tu-95MS-Flugzeuge in Russland registriert. Allerdings nannten russische Quellen damals eine Zahl von 47 Maschinen.

Während der ersten massiven Raketenangriffe an der Schnittstelle zwischen 2022 und 2023 setzte Moskau maximal 20 Flugzeuge der strategischen Luftfahrt ein. Krivolap erklärt die Situation mit der Standardlogik des Betriebs: Normalerweise befinden sich 80 % des Bestands 'in der Luft', während der Rest in Reparatur ist. Daraus folgt, dass der tatsächliche Bestand an flugfähigen Tu-95 nicht mehr als 28 Einheiten beträgt.

Die Situation verschärfte sich nach der Durchführung der Operation 'Spinnennetz', bei der mindestens 6 bis 8 Flugzeuge getroffen wurden. Der Experte weist auf einen besorgniserregenden Trend hin: Nach dieser Operation hat Russland nie wieder mehr als 18 Flugzeuge gleichzeitig eingesetzt. Nach Ansicht von Krivolap befinden sich derzeit nicht mehr als 12 Tu-95 im ständigen Kampfeinsatz.

Überlastung und Verschleiß der Technik

Ein kritischer Faktor ist der physische Verschleiß der Technik. Ursprünglich war der Bomber Tu-95 für die Aufhängung von 8 Marschflugkörpern ausgelegt. Im Verlauf des Krieges nutzen russische Piloten jedoch seit langem nicht mehr als 4 Raketen pro Flugzeug. Der Grund liegt in der Überlastung der Tragflächen: Die Konstruktion ist unter den aktuellen Bedingungen nicht für solche Aktionen ausgelegt, was die Lebensdauer des Flugzeugs erheblich verkürzt.

Russland ist derzeit nicht in der Lage, die Verluste des Bestands auszugleichen. Der letzte Bomber des Modells Tu-95 wurde Anfang der 90er Jahre gebaut. Was Moskau als neue Tu-160 bezeichnet, ist in Wirklichkeit eine tiefgreifende Modernisierung alter Flugzeuge. Der Prozess der Wiederherstellung und Modernisierung eines solchen Flugzeugs dauert mindestens vier Jahre, was eine schnelle Aufstockung der Flottengröße unmöglich macht.

Neue Bedrohungen und Modernisierung

Trotz der Reduzierung der Luftflotte sucht Russland weiterhin nach Möglichkeiten, sein Schlagpotenzial zu verstärken. Zuvor wurde über die Vorbereitung einer bodengebundenen Modifikation der Marschflugkörper Kh-101 berichtet, mit denen die Flugzeuge Tu-95 und Tu-160 die Ukraine angreifen. Dies würde den Einsatz von Raketen ohne Risiko für die kostspieligen Träger ermöglichen.

Zudem hat das Hauptnachrichtendienstamt des ukrainischen Verteidigungsministeriums (HUR) kürzlich die Spezifikationen der neuesten Rakete 'Produkt-30' offengelegt und ein Bild davon veröffentlicht. Laut Geheimdienstinformationen könnte Russland mit dieser Waffe das gesamte Territorium der Ukraine angreifen, um den Mangel an Luftträgern auszugleichen.