Auf dem NATO-Gipfel in Ankara wurde eine historische Entscheidung getroffen, die den Status quo an der Ostflanke des Bündnisses verändert. Die Mission Baltic Air Policing, die seit mehr als zwei Jahrzehnten die Sicherheit des Luftraums der baltischen Staaten gewährleistet, wurde offiziell transformiert. Sie hat nun den Status einer vollwertigen Luftverteidigung erhalten.

Dies teilte der litauische Präsident Gitanas Nausėda mit. Nach seinen Worten ist die Änderung des Formats eine Reaktion auf eine neue Realität, in der Bedrohungen nicht mehr theoretisch sind.

Von der Begleitung zur Verteidigung

Die Mission Baltic Air Policing wurde 2004 gegründet, unmittelbar nach dem Beitritt Litauens, Lettlands und Estlands zur NATO. Da diese Staaten über keine eigene Jagdfliegerei verfügen, übernahmen die Verbündeten den Schutz ihrer Grenzen. Bis vor kurzem bestand die Hauptaufgabe der Piloten darin, russische Militärflugzeuge zu erkennen und zu begleiten, die in der Nähe der Grenzen der baltischen Staaten flogen.

Die Situation hat sich jedoch geändert. In diesem Jahr haben NATO-Flugzeuge im Rahmen dieser Mission erstmals Waffen eingesetzt. Über dem Gebiet Estlands und Lettlands wurden Drohnen abgeschossen, die nach vorläufigen Einschätzungen ukrainischen Ursprungs waren und versehentlich die Grenze überquert hatten.

Im Bündnis wurde anerkannt, dass zuvor keine Waffen eingesetzt wurden, da das Format ausschließlich für Friedenszeiten konzipiert war. Gitanas Nausėda betonte die Bedeutung dieses Schrittes:

„Auf diese Weise zeigen wir, dass wir auf Vorfälle achten. Dies ist eine Art Abschreckung. Aber das, was heute geschieht, ist bereits keine vollständig friedliche Lage mehr.“

Neue Reaktionsgeschwindigkeit

Der estnische Außenminister Margus Tsahkna stellte fest, dass das aktualisierte Format eine schnellere Reaktion auf Luftbedrohungen ermöglichen wird. Dies wird eine größere Flexibilität bei der Entscheidungsfindung in kritischen Momenten gewährleisten.

Gegenwärtig starten die Jagdflugzeuge der Baltic Air Policing jedes Mal, wenn die russische Militärfliegerei Flüge über internationalem Gewässer von der Oblast Kaliningrad bis zur Finnischen Bucht und weiter entlang der Grenzen des russischen Festlandes durchführt.

Ausweitung und Technologien

Die Mission wurde bereits mehrfach als Reaktion auf die geopolitische Lage angepasst. Nach der Besetzung der Krim durch Russland im Jahr 2014 wurde sie erheblich ausgeweitet. Derzeit sind mehr als zehn Jagdflugzeuge beteiligt, die von drei NATO-Mitgliedstaaten im Rotationsprinzip gestellt werden. Die Luftwaffe ist auf zwei Militärfeldern in der Region stationiert.

Parallel zur Änderung des Status der Mission führt die NATO neue Technologien zur Stärkung der Kontrolle ein. Das Bündnis startet das von Palantir Technologies entwickelte künstliche Intelligenz-System Maven Smart System (MSS NATO). Es dient der Analyse von Aufklärungsdaten und der Überwachung der Lage an der Ostflanke, einschließlich der Verfolgung potenzieller Bedrohungen und Truppenbewegungen.