Die Grenze zwischen Leben und Tod, die wir für unerschütterlich hielten, beginnt zu verschwimmen. Der amerikanische Start-up Bexorg hat der Welt die Plattform BrainEx vorgestellt, die in der Lage ist, die biologische Aktivität eines menschlichen Gehirns mehrere Stunden nach dem klinischen Tod des Besitzers aufrechtzuerhalten. Dies ist kein Versuch, einen Menschen wiederzubeleben, sondern ein revolutionäres Instrument im Kampf gegen unheilbare Krankheiten.

Ein lebendes Labor im Reagenzglas

Die Idee hinter BrainEx entstand vor zehn Jahren an der Yale-Universität. Das Prinzip der Methode ist einfach und gleichzeitig schockierend: Chirurgen schließen ein Spendergehirn an ein System künstlicher Durchblutung an. Spezielle Anschlüsse ersetzen die natürlichen Gefäße und pumpen Liter Nährlösung durch den Organismus. Eingebaute künstliche Lungen und Nieren versorgen das Gewebe mit Sauerstoff und leiten Giftstoffe ab.

In diesem Zustand bleibt das Gehirn am Leben und funktioniert weiter. Es metabolisiert experimentelle Medikamente, reagiert auf Reize und ermöglicht Wissenschaftlern, Prozesse in Echtzeit zu beobachten. Sensoren erfassen Hunderte von Parametern, und nach Ablauf von 24 Stunden wird das Organ in Hunderte von Proben zerlegt, um die Struktur von Zellen und Proteinen tiefgehend zu analysieren.

Warum ist das besser als Mäuse?

Die traditionelle Pharmakologie stützte sich jahrzehntelang auf Tests an Nagetieren. Aber das Gehirn einer Maus ist nicht das Gehirn eines Menschen. Hier kommt der Hauptvorteil von BrainEx ins Spiel: Spenderorgane tragen eine einzigartige Genetik, Krankengeschichte und den Abdruck von 60 bis 80 Jahren Leben in einer realen Umgebung in sich.

Schon jetzt sind die Ergebnisse der Plattform beeindruckend. Das Pharmaunternehmen Biohaven testete an Gehirnen von Bexorg ein Medikament gegen die Parkinson-Krankheit. An Mäusen zeigte das Medikament keine Wirksamkeit, aber am menschlichen Organ funktionierte es perfekt, und zwar in einer Dosierung, die 20-mal niedriger war als berechnet. Diese Entdeckung sparte dem Unternehmen ein ganzes Jahr Entwicklungszeit und ermöglichte der FDA den Start der klinischen Studien für die neue Verbindung BHV-8100.

Ethik und Zukunft

Die Experimente von 2019 an Schweinehirnen lösten eine Flut ethischer Debatten aus: Würden sie Schmerz empfinden? Würde das Bewusstsein zurückkehren? Die Antwort von Bexorg ist eindeutig: Die Technologie unterdrückt die elektrische Aktivität, die für das Bewusstsein notwendig ist, erhält aber die zelluläre Lebensfähigkeit aufrecht. Da Krankheiten wie Alzheimer oder ALS keine elektrischen Störungen, sondern biochemische Prozesse sind, beeinträchtigt die Unterdrückung der Impulse die Forschung nicht.

Derzeit skaliert das Unternehmen die Produktion. In einem neuen Labor wird ein Roboterarm installiert, der bis zu 1600 Gehirne pro Jahr verarbeiten kann. Geplant ist eine Verlängerung der Lebenserhaltung auf zwei Wochen, um langfristige Prozesse zu untersuchen, sowie die Entwicklung eines KI-Modells namens NeuroLens. Dieses „virtuelle Gehirn“ wird mit echten Daten trainiert, um die Testung von Wirkstoffmolekülen in einer Simulation noch vor der Arbeit mit physischen Organen zu ermöglichen.