Verflüssigtes Gas (LPG) ist heute eine der günstigsten Kraftstoffarten für Fahrzeuge in der Ukraine. Es ist praktisch an jeder Tankstelle erhältlich, doch die Statistiken zeigen ein erstaunliches Paradoxon: Nur ein Drittel des ukrainischen Fahrzeugparks ist mit Gasausrüstung ausgestattet. Warum zögern die Fahrer, auf den umweltfreundlichen und kostengünstigen Kraftstoff umzusteigen, und was hat sich an den Spielregeln geändert?
Schattenfahrzeugpark und bürokratische Hürden
Eine genaue Zahl der mit Gas ausgerüsteten Fahrzeuge im Land ist schwer zu nennen. Nach der Abschaffung der obligatorischen technischen Inspektion im Jahr 2011 verloren die Strafverfolgungsbehörden faktisch die Möglichkeit, das Vorhandensein von Gasflaschenanlagen (GBO) in Fahrzeugen zu kontrollieren. Infolgedessen registriert ein erheblicher Teil der Besitzer die Umrüstung ihres Fahrzeugs nicht.
Die Situation verschlimmerte sich durch eine Anordnung des Infrastrukturministeriums von Januar 2020. Anstelle des üblichen Gutachtens der technischen Prüfung vom Servicezentrum wurden die Besitzer verpflichtet, ein Konformitätszertifikat vorzulegen. Dieses Dokument wird nur von wenigen Organisationen im Land ausgestellt, was die Kosten für die Gasifizierung um mehrere Tausend Griwna erhöht. Die Folgen waren sofort spürbar: Die Anzahl der offiziellen GBO-Registrierungen sank Anfang 2020 um das Zehnfache, obwohl der tatsächliche Bestand an Gasfahrzeugen nicht abnahm.
Statistik: Von Rekorden zum Rückgang
Laut dem Institut für Automobilmarktforschung, das sich auf Informationen des Innenministeriums stützt, wurden 2023 – einem erfolgreichen Jahr für Gasanwender – 37.800 Benzinwagen mit der entsprechenden Ausrüstung versehen. Das bedeutete, dass zu den besten Zeiten jedes dritte neue Benzinfahrzeug auf Gas umgestellt wurde.
Im Jahr 2024 sank die Anzahl der registrierten Installationen jedoch auf 21.500, und dieser Trend hält an. Dennoch behaupten Experten, dass derzeit mindestens die Hälfte aller Benzinwagen in der Ukraine mit Gas fahren. Da Dieselfahrzeuge etwa 30 % der gesamten Pkw-Zahl ausmachen, ergibt sich, dass ungefähr ein Drittel des gesamten ukrainischen Fahrzeugparks Gaskraftstoff verwendet.
Ökonomie der Frage: Wo liegt der Vorteil?
Vor fünf Jahren stellte sich die Frage nach der Zweckmäßigkeit eines Umstiegs auf Gas gar nicht. Bis 2020–2021 sanken die Kraftstoffkosten bei der Nutzung von Gas um die Hälfte. LPG kostete auf dem Niveau von 40–50 % des Preises von Benzin A-95 und war in bestimmten Perioden fast dreimal günstiger. Obwohl der Gasverbrauch 10–15 % höher ist als der von Benzin, betrug die durchschnittliche jährliche Ersparnis 40–50 %. Die Installation eines GBO amortisierte sich innerhalb von anderthalb Jahren, bei gewerblicher Nutzung sogar innerhalb weniger Monate.
Heute, Stand Mitte 2026, ist das Fahren mit Propan-Butan immer noch vorteilhaft und sogar günstiger als bei anderen Kraftstoffarten. Der Vorteil ist jedoch nicht mehr so enorm wie zuvor. Die einzigen Konkurrenten für den Gaskraftverkehr sind derzeit Hybridfahrzeuge.
Technologische Schwierigkeiten und Mythen
Der Autoexperte Roman Matwejew, Leiter des Projekts Motor Gas, weist darauf hin, dass moderne Motoren mit Direkteinspritzung hochtechnologisch und schwer auf Gas umzustellen sind. Außerdem verbrauchen sie sowohl Gas als auch Benzin, was den wirtschaftlichen Unterschied angesichts der aktuellen Preise weniger spürbar macht.
Trotz der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit hegt ein Teil der Fahrer weiterhin Vorbehalte gegen LPG. Während früher die Argumente auf Mythen über Explosionsgefahr und Geruch basierten, sind die Hauptargumente der Gegner von GBO heute:
- Schwierigkeiten bei der Installation an modernen Motoren mit Direkteinspritzung.
- Die Notwendigkeit der gleichzeitigen Nutzung von Benzin.
- Die Verringerung des Preisunterschieds zwischen Gas und Benzin.
Zu beachten ist, dass der Staat den Umstieg auf Gas einst aktiv förderte. Bis 2011, solange eine separate Fahrzeugsteuer galt, zahlten Besitzer von Fahrzeugen mit GBO nur 50 % des festgesetzten Satzes. Heute bleibt Gas trotz fehlender direkter Vergünstigungen der günstigste Kraftstoff für ukrainische Fahrer.