Die deutsche Regierung hat eine beispiellose Entscheidung getroffen: Sie hat offiziell vom weiteren Ausbau des ehrgeizigen Projekts zum Bau von sechs Fregatten der Klasse F126 Abstand genommen. Dieser Plan, der das umfangreichste Flottenupdate Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg hätte darstellen sollen, wurde in der Umsetzungsphase gestoppt. Der Grund für den Verzicht ist ein Mangel an Finanzierung und ein unkontrollierter Kostenanstieg, der zu ständigen Verzögerungen bei der Ablieferung der Schiffe geführt hat.

Die Entscheidung Berlins war ein Schlag für den Rüstungssektor. Die Aktien von Rheinmetall, das als Hauptauftragnehmer für den 12,8 Milliarden Euro schweren Vertrag gehofft hatte, stürzten um 12%. Die Verteidigungsminister erklärten, dass der Verzicht auf das Projekt notwendig sei, um noch größere Verluste zu vermeiden und das Recht auf Ansprüche gegen frühere Auftragnehmer zu wahren, die es nicht geschafft hatten, sich im Budget zu halten.

Von „Riesen“ zum Pragmatismus

Die Fregatte F126 war als wahrer Seeriese konzipiert. Die Länge des Rumpfes sollte 166 Meter betragen und die Verdrängung 10.000 Tonnen erreichen. Das Schiff wurde als Mehrzweckplattform für lange autonome Missionen entworfen, die in der Lage sein sollte, U-Boote effektiv zu orten und zu zerstören. Die Komplexität des Projekts und seine Kosten machten es unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen jedoch nicht mehr tragfähig.

Anstatt der problematischen F126 hat Deutschland seine Strategie überdacht. Anstatt sechs Riesen-Schiffe werden acht Fregatten der Klasse Meko beschafft. Die Kosten für eine Einheit des neuen Schiffes werden etwa 1 Milliarde Euro betragen. Die Hauptaufgabe dieser Schiffe wird der Kampf gegen U-Boote sein, vor allem gegen russische. Angesichts der wachsenden Bedrohungen durch Russland fordert die NATO eine Stärkung der Präsenz in der Ostsee und im Nordatlantik. Die neuen Fregatten sollen schneller in Dienst gestellt werden als die gestrichenen Riesen.

Krise in der Armee-Reform

Dieser Vorfall ist ein deutliches Beispiel für Probleme bei Beschaffungen im Rahmen der umfassenden Reform der deutschen Streitkräfte. Bis Ende 2030 waren 780 Milliarden Euro für die Modernisierung der Armee bereitgestellt worden, und das Land hoffte, zum Führer der europäischen Verteidigung zu werden. Der Fall der Fregatten zeigte jedoch, dass ehrgeizige Pläne oft an der Realität von Bürokratie und Budgetüberschreitungen scheitern.

Trotzdem geht der Rüstungsboom in Deutschland in anderen Segmenten weiter. Gemeinsam mit Frankreich stellten deutsche Ingenieure das Konzept eines neuen „Superpanzers“ vor. Das Fahrzeug ist mit einem unbemannten Turm ausgestattet und in Drohnensysteme integriert, was es ermöglicht, es als Kommandozentrale für robotische Systeme direkt auf dem Schlachtfeld einzusetzen. Darüber hinaus hat die deutsche Armee bereits bei Rheinmetall mehr als zweitausend Allrad-Lkw im Wert von etwa einer Milliarde Euro bestellt, was die hohe Nachfrage nach Landfahrzeugen bestätigt.