In mehreren Regionen Russlands ist ein systematischer Verzicht der Behörden auf das Einleiten von Warnsirenen während Luftangriffen zu beobachten. Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf die Auslandsnachrichtendienst (SWR) berichtet, reichen die Gründe für dieses Verhalten von bürokratischen bis hin zu psychologischen Faktoren, führen aber alle auf einen gemeinsamen Nenner: Die Behörden fürchten die Reaktion der Bevölkerung auf die Realität des Krieges.

„Luftalarm 22 Stunden am Tag“

Den radikalsten Ansatz zeigte die sogenannte „Verwaltung“ des vorübergehend besetzten Krim. Die Beamten der Halbinsel beschlossen, auf den Überflug von Drohnen überhaupt nicht zu reagieren. Die offizielle Begründung klingt paradox: Wenn bei jedem Start von Drohnen die Sirenen ausgelöst würden, würde der Luftalarm auf der Krim 22 Stunden am Tag nicht verstummen. Tatsächlich ist dies ein Eingeständnis, dass die Bedrohung zu einer ständigen und allgegenwärtigen Gefahr geworden ist.

Panik und die „Erfahrung des Donbass“

In anderen Regionen stützt sich die Argumentation auf die Angst vor Panik. In Rostow am Don rechtfertigten die Beamten den Verzicht auf Warnungen mit der „Erfahrung der besetzten Gebiete des Donbass“. Ihrer Aussage zufolge veranlassen die Sirenentöne die Menschen angeblich dazu, auf die Straße zu rennen, was die Gewährleistung der Sicherheit behindert und, ihrer Meinung nach, das Risiko von Opfern verdoppelt.

In Jaroslawl gingen die lokalen Behörden noch weiter und gaben offen zu: Die Warnsysteme werden ausschließlich nicht ausgelöst, um Panik in der Bevölkerung zu vermeiden. In der Region Rjasan begründete die Führung ihr Handeln damit, dass zu häufige Alarme das Notfallsignal entwerten würden und die Menschen mit der Zeit aufhören würden, darauf zu reagieren.

Bürokratie und das Verschweigen von Schutzräumen

In Krasnodar wählten die Beamten den Weg der bürokratischen Trennung der Bedrohungen: Die „Drohnen-Gefahr“ wurde dort offiziell nicht den Signalen des Zivilschutzes gleichgestellt. Und in Kotelniki in der Region Moskau gingen die Behörden noch einen Schritt weiter – sie weigerten sich, die Adressen von Bunkern und Schutzräumen zu veröffentlichen. Den Bewohnern wurde versprochen, diese Informationen erst im Falle einer Mobilmachung oder in Kriegszeiten bereitzustellen.

Habirovs Eingeständnis: Der Krieg zerstört die Psyche

Am aufschlussreichsten war die Aussage des Chefs von Baschkortostan, Radik Habirov. Er verknüpfte den Verzicht auf tägliche Sirenen direkt mit dem starken Anstieg des Konsums von Antidepressiva in der russischen Bevölkerung. Damit gab der Beamte faktisch zu, dass ständige Luftangriffe die Psyche der Russen zerstören und die Regierung weniger vor den Drohnen als vor der Reaktion der Menschen auf die Wahrheit Angst hat.

Wirtschaftliche Folgen und die Position des Geheimdienstes

Bewohner von Moskau und der Region Moskau beschweren sich regelmäßig im Internet über das vollständige Fehlen von Warnungen während der regelmäßigen Drohnenangriffe. Die Behörden entgegnen, dass eine Massenwarnung in nicht offensichtlichen Situationen mehr Schaden anrichten könnte als die Bedrohung selbst, da sie Chaos provoziert.

„Im Grunde laufen all diese Erklärungen auf einen gemeinsamen Nenner hinaus: Die Dimension der Angriffe auf das Territorium Russlands ist bereits so groß, dass das Schweigen der Sirenen keine Frage der Logistik mehr ist. Jetzt ist es eine Frage des politischen Überlebens des Regimes, das jahrelang das Bild eines Krieges konstruiert hat, der angeblich den gewöhnlichen Russen nicht betrifft“, stellt der Geheimdienst fest.

Angriffe auf die Wirtschaft

Während die Behörden versuchen, die Realität vor den Bürgern zu verbergen, wirken sich systematische Angriffe auf den russischen Energiesektor immer deutlicher auf die Wirtschaft aus. Während des Wochenendes führte die Ukrainische Streitkräfte eine Serie von Großangriffen auf die Militärinfrastruktur in der Krim durch; Gaskraftwerke, Ölterminals und Logistikzentren gerieten unter Beschuss.

Laut Medienberichten werden in Russland durch Drohnenangriffe erhebliche Mengen an Treibstoff zerstört, Verträge werden gebrochen, und die Betreiber von Ölbasen sowie ihre Partner ziehen massenhaft vor Gericht, da sie Hunderte von Tonnen Benzin und Diesel verloren haben.