In der Ukraine wurde eine beunruhigende statistische Anomalie registriert: Die Anzahl der Straftaten, die mit legaler Waffe begangen wurden, hat sich faktisch mit der Anzahl der Vorfälle, bei denen illegale Waffen eingesetzt wurden, ausgeglichen. Dies erklärte Andrij Nebytow, stellvertretender Leiter der Nationalpolizei, in einem Interview mit der Ausgabe RBC-Ukraine.
Der Experte betonte, dass die Tendenz zur Zunahme der Kriminalität unter Einsatz von rechtmäßig gelagerten Waffen direkt mit der Zunahme ihres Umsatzes im Land korreliert. Nach Ansicht von Nebytow ist dies die Folge zweier Faktoren: der massenhaften Entnahme von Waffen durch die Zivilbevölkerung aus Lagern zur Abwehr bewaffneter Aggression und dem Aufkommen neuer militärischer Formationen.
Zahlen, die das Problem verdeutlichen
Die vom Vertreter der Strafverfolgungsbehörden genannten statistischen Daten für das Jahr 2021 zeigen ein komplexes Bild. Im Laufe des Jahres wurden insgesamt 288 Straftaten unter Einsatz von Schusswaffen, Sprengstoffen und Munition registriert. Die Aufschlüsselung dieser Daten sieht wie folgt aus:
- 44 Straftaten wurden unter Einsatz legaler Schusswaffen begangen (einschließlich 1 Fall mit Dienstwaffen).
- 145 Straftaten wurden unter Einsatz illegaler Schusswaffen begangen.
- In 50 Fällen blieb der Typ der Schusswaffe unbestimmt.
- 49 Vorfälle betrafen den Einsatz von Granaten und anderen Arten von Munition und Sprengstoffen.
Nebytow stellte fest, dass mit der Zunahme des Umlaufs auch legaler Waffen die Anzahl der Straftaten unter deren Einsatz gestiegen ist, was zu einer Parität mit dem illegalen Sektor führte.
Debatten über Selbstverteidigung und Risiken
Die Frage der bewaffneten Selbstverteidigung der Bürger bleibt Gegenstand heftiger Diskussionen in staatlichen Strukturen. Im April erklärte der Innenminister Ihor Klymenko die Notwendigkeit, das Recht der Bürger auf bewaffnete Selbstverteidigung, insbesondere unter Einsatz von Kurzwaffen, zu diskutieren.
Dennoch unterstützen nicht alle hochrangigen Beamten die Idee eines erweiterten Zugangs zu Waffen. Der Leiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU), Kyrylo Budanow, äußerte ernste Bedenken hinsichtlich der möglichen Folgen einer Legalisierung. Nach seiner Meinung wird ein freier Zugang zu Waffen keine Garantie für Sicherheit bieten, sondern zu einer Zunahme tragischer Vorfälle führen können.
Andererseits hatte die Führung der Nationalpolizei zuvor auf das massive Problem des illegalen Marktes hingewiesen. Schätzungen zufolge befinden sich Millionen nicht registrierter Waffeneinheiten im Umlauf, was ein erhebliches Risiko für die Sicherheit des Staates und seiner Bürger darstellt.