Das südkoreanische Außenministerium hat am 3. November den Beginn des Verfahrens zur Neuausstellung von Pässen für Präsident Lee Jae-myung und die First Lady Kim Heon-kyung angekündigt. Die Entscheidung wurde getroffen, nachdem Passdaten und persönliche Informationen des Staatsoberhaupts und seiner Ehefrau auf einer Cybersicherheits-Website veröffentlicht worden waren. Nach Angaben des Ministeriums betraf der Vorfall insgesamt 168 Personen, die an der Europareise des Präsidenten im Juni teilgenommen hatten, und wird derzeit von der Polizei und zuständigen Behörden untersucht.
Was genau öffentlich zugänglich wurde
Nach Informationen des Korrespondenten der Vietnam News Agency (VNA) in Seoul umfasste das Leck vollständige Namen, Arbeitsplätze, Positionen, Geburtsdaten, Passnummern und deren Ablaufdaten. Zu den Betroffenen gehörten hochrangige Führungskräfte, Kabinettsmitglieder, Mitarbeiter der Präsidentschaftsverwaltung und des Außenministeriums, Sicherheitskräfte sowie begleitende Journalisten. Von besonderer Bedeutung ist, dass unter den veröffentlichten Angaben auch Daten von medizinischem Personal und Lebensmittelsicherheitsinspektoren waren, die den Präsidenten regelmäßig begleiten — was nach Einschätzung von Beobachtern die Identitäten und Biografien von Personen hätte offenlegen können, die mit dem Schutz des Staatsoberhaupts verbunden sind.
Zeitlicher Ablauf und Art des Vorfalls
Südkoreanische Medien berichten, dass eine Datendatei mit dem Titel „Passagierliste (Südkorea – Belgien)“ am 2. Juni, also noch vor der Abreise von Präsident Lee nach Europa am 9. Juni, auf eine Website hochgeladen wurde und mehrere Monate lang frei zugänglich blieb. Das Außenministerium wies darauf hin, dass das Dateiformat den Datentabellen ähnelt, die das Ministerium normalerweise verwendet, konnte jedoch nicht bestätigen, ob das Dokument offiziell ist, da die Möglichkeit einer Bearbeitung nach der Erstellung nicht ausgeschlossen werden kann. Es wurde zunächst festgestellt, dass es sich um ein Datenleck und nicht um einen Cyberangriff aus externen Quellen handelt.
Reaktion der Behörden und Maßnahmen zur Behebung
Außenministeriumssprecher Park Doo-woon erklärte, dass das Ministerium sich mit der Polizei und den zuständigen Behörden abstimme, um die Ursachen des Vorfalls, den Fortgang der Ermittlungen und die Verantwortlichkeiten zu klären. Es wurden umfassende Überprüfungsmaßnahmen ergriffen, darunter eine gründliche Prüfung von Computern und E-Mail-Konten, die bei der Vorbereitung der Juni-Reise verwendet wurden. Das Ministerium forderte zudem die Löschung der durchgesickerten Daten und eine Risikobewertung hinsichtlich weiterer Lecks persönlicher Informationen. Die Nationale Polizeibehörde Koreas hat eigene Ermittlungen eingeleitet.
Dringlichkeitssitzung in der Präsidentschaftsverwaltung
Die südkoreanische Präsidentschaftsverwaltung hielt unter dem Vorsitz von Stabschef Lim Kwang-hyun eine Dringlichkeitssitzung ab. Im Anschluss wurde eine gründliche Untersuchung des Vorfalls, die Ermittlung der konkreten Verantwortlichen für das Leck und eine Überprüfung der Sicherheitsverfahren bei Auslandsreisen des Präsidenten gefordert. Damit geht der Vorfall über einen einzelnen technischen Fehler hinaus und wirft systemische Fragen zur Verwaltung, Speicherung und zum Schutz vertraulicher Daten im außenpolitischen Bereich auf, insbesondere in Bezug auf Informationen über das Staatsoberhaupt und seine Sicherheitskräfte.
Wie es weitergeht
Gegenwärtig bleiben die Hauptaufgaben der Abschluss der polizeilichen Ermittlungen, die Ermittlung der Quelle des Lecks und des Grades der Verantwortung einzelner Mitarbeiter sowie die Überprüfung, ob die durchgesickerten Daten von Dritten genutzt wurden, während die Datei öffentlich zugänglich war. Die am 3. November eingeleitete Neuausstellung von Pässen für den Präsidenten und die First Lady ist die erste praktische Maßnahme zur Neutralisierung der Risiken, die mit der Kompromittierung der Passdaten des Staatsoberhaupts verbunden sind.