Die russische ballistische Mittelstreckenrakete „Orechnik“, die im Kreml als bahnbrechende Waffe dargestellt wird, leidet unter kritischen Problemen mit der Genauigkeit. Laut einer von RBC-Ukraine veröffentlichten Untersuchung, die sich auf die Analysefirma Dallas Analytics bezieht, liegt die Ursache für die Fehlschüsse in der Verwendung veralteter sowjetischer Ausrüstung, die nicht ordnungsgemäß kalibriert werden kann.

Technischer Zusammenbruch: Sowjetischer Gyroskop gegen Hyperschall

Analysten erhielten Zugang zu internen Korrespondenzen russischer Rüstungsbetriebe. Die Dokumente belegen, dass die Schlüsselkomponente für die Lenkung der Gyroskopblock GU-503 ist. Dies ist ein Fluggerät sowjetischer Entwicklung, das hastig für die neue Rakete angepasst wurde.

Die Funktionsweise von „Orechnik“ bei Hyperschallgeschwindigkeiten macht sie extrem empfindlich gegenüber geringsten Abweichungen. Selbst ein Fehler von einem halben Grad beim Betrieb des Blocks GU-503 führt dazu, dass die Rakete das Ziel um Dutzende von Kilometern verfehlt.

Produktionsstau und fehlende Qualitätskontrolle

In einem Schreiben vom 18. März 2025 informierte das Unternehmen OAO „MZP“ den Auftraggeber offiziell über die Unmöglichkeit, die erforderliche Genauigkeit zu gewährleisten. Die Serienproduktion der Blöcke GU-503 wurde eingestellt, und die Ausrüstung für deren Einstellung wurde bereits Anfang der 1970er Jahre entwickelt. Ein Großteil dieses Technikparks ist bereits defekt und kann nicht ersetzt werden.

Infolgedessen sind die Fabriken gezwungen, Raketen ohne Überprüfung der Genauigkeit der Gyroskope zu montieren. Der Druck der Staatsführung, knappe Fristen einzuhalten, führte dazu, dass die Hersteller die Standardverfahren der Qualitätskontrolle vollständig aufgegeben haben.

Markierung 2025 und Eingeständnis bei Tests

Die forensische Untersuchung von Trümmern abgeschossener Raketen bestätigte, dass auf den Blöcken GU-503 eine Markierung des Jahres 2025 steht. Dies beweist, dass Russland eine moderne Ersatzlösung für das sowjetische Gerät nicht entwickeln konnte und es unter den aktuellen Bedingungen weiterhin einsetzt.

Die Situation verschärfte sich durch einen Vorfall im Mai 2026, als eine „Orechnik“-Rakete eine Garagenkooperative in Bila Zerkwa traf. Als Reaktion auf die Kritik erklärte Wladimir Putin auf einer Pressekonferenz, dass die Zerstörung eines zivilen Objekts angeblich vorsätzlich erfolgte – „zur besseren Beobachtung der Genauigkeit“.

Experten stellen fest, dass diese Aussage faktisch ein Eingeständnis dafür ist, dass die Rakete sich trotz lautstarker Ankündigungen zur Serienproduktion immer noch im Teststadium befindet. Gleichzeitig warnten die Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine am 12. Juni vor der Bedrohung durch den Einsatz von „Orechnik“ für neue Angriffe auf ukrainischem Territorium.