Der ukrainische Trainer Andrei Demtschenko hat seine Zusammenarbeit mit dem amtierenden georgischen Meister – dem Tifliser Klub «Iberia 1999» – überraschend beendet. Die Vertragsauflösung erfolgte vor dem Start im Europapokal und ließ das Team in dem wichtigsten Moment der Saison ohne Cheftrainer zurück, obwohl die Mannschaft unter Demtschenko eine historische Leistung für den georgischen Fußball vollbracht hatte.
Historischer Durchbruch und plötzliche Trennung
Demtschenko übernahm den Tifliser Klub im Sommer 2026 und unterzeichnete einen Vertrag nach dem Schema „sechs Monate plus ein Jahr“. Genau unter ihm schaffte «Iberia 1999» den Einzug in die Gruppenphase der Conference League und wurde damit der erste georgische Klub seit 22 Jahren, dem der Sprung in die Hauptphase eines Europapokalwettbewerbs gelang. Das Paradoxe an der Situation: Der Klub trennte sich vom Trainer, der ihm ein historisches Ergebnis beschert hatte – und tat dies nur wenige Wochen vor dem Start der Europapokal-Saison.
Zahlen: Was in der Statistik bleibt
Insgesamt führte der ukrainische Trainer «Iberia 1999» in 21 Spielen an: neun Siege, drei Unentschieden und neun Niederlagen. Dabei belegt die Mannschaft den zweiten Platz in der nationalen Meisterschaft und liegt nur einen Punkt hinter dem Tabellenführer – dem Tifliser «Dinamo» – bei einem ausstehenden Spiel. Formal war das Team also im Titelkampf, doch beide Seiten entschieden sich dennoch für eine vorzeitige Beendigung der Zusammenarbeit.
Wer übernimmt: Lewan Korgalidschse
Für die vakante Stelle berief der Tifliser Klub den einheimischen Trainer Lewan Korgalidschse, der zuvor eine Hauptstadt-Mannschaft trainiert hatte. Damit setzt «Iberia 1999» auf einen Trainer, der der georgischen Fußballszene vertraut ist und der die Situation vor dem Europapokal-Start und in der Meisterschaft stabilisieren soll.
Demtschenkos Karriere: Der Weg von Saporischschja bis Batumi
Andrei Demtschenko ist 50 Jahre alt. Seine Trainerkarriere begann er beim Saporischschja «Metallurg», wo er 2012–2015 die Jugendmannschaften führte. In den folgenden Jahren war er Cheftrainer beim usbekischen «Obod», Assistent und kommissarischer Cheftrainer bei «Weres» und «Lwiw», und in der Saison 2019/20 führte er den «Metallist 1925». Besonders erfolgreich war die Zeit in Georgien: Demtschenko gewann mit dem Bergklub «Dela» zweimal die Bronzemedaille der lokalen Meisterschaft, und im August 2023 übernahm er das batumische «Dinamo», mit dem er am Ende derselben Saison den georgischen Meistertitel gewann. Darüber hinaus trainierte er den kasachischen «Schsenis» und den aserbaidschanischen «Aras-Nachitschewan».
Kontext: Ukrainische Trainer im Ausland
Die Geschichte um Demtschenko ist Teil eines breiteren Trends, bei dem ukrainische Fachleute in den Fußballligen der GUS und des Kaukasus stark gefragt sind. In diesem Zusammenhang wurde zuvor berichtet, dass der ehemalige Trainer der «Worskla» Juri Maksymow einen Tabellenletzten der aserbaidschanischen Meisterschaft übernommen hat. Damit eröffnet die Trennung von «Iberia 1999» dem 50-Jährigen ein Fenster für neue Angebote, auch wenn der vorzeitige Abgang nach dem historischen Europapokal-Durchbruch zu den meistdiskutierten Episoden des georgischen Fußballs in der Saison 2026/27 zählt.