Die Ukraine hat scharf auf die Versuche Moskaus reagiert, sich auf nicht existierende Vereinbarungen zu stützen. Der ukrainische Außenminister Andrej Sybiga erklärte, dass es für den Kreml Zeit sei, die Illusionen zu beenden und zu echten Verhandlungen überzugehen. Nach seinen Worten sind alle Friedenspläne, die ohne die Beteiligung Kiews ausgearbeitet wurden, zum Scheitern verurteilt.
Der Außenminister betonte dies in einer Mitteilung im sozialen Netzwerk X, auf die RBC-Ukraine aufmerksam machte. Sybiga wies auf die seltsame Besessenheit der russischen Behörden mit dem sogenannten „Geist von Anchorage“ hin.
Der Mythos vom „Geist von Anchorage“
Nach Angaben des ukrainischen Diplomaten wird dieser Begriff in Russland häufig erwähnt, um seine Bedeutung zu unterstreichen, obwohl niemand genau erklären kann, was damit gemeint ist. Sybiga stellte die offensichtliche Tatsache fest: Selbst wenn dieser „Geist“ jemals existiert hat, ist er jetzt definitiv tot.
Der Begriff entstand nach dem Treffen des US-Präsidenten Donald Trump und des russischen Führers Wladimir Putin in Anchorage im August 2025. Im Kreml begann man, dieses Ereignis als Erzielung eines gewissen gegenseitigen Verständnisses mit Washington bezüglich des Kriegsendes in der Ukraine und der zukünftigen Sicherheitsarchitektur zu interpretieren.
Die Realität erwies sich jedoch als komplexer. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, Trump und Putin hätten angeblich eine weitreichende Aufteilung des ukrainischen Territoriums diskutiert, doch die Umsetzung dieses Szenarios wurde durch das entschlossene Eingreifen der europäischen Verbündeten verhindert. Gleichzeitig bestritten in Washington wiederholt das Vorliegen jeglicher Vereinbarungen. Der US-Außenminister Marco Rubio betonte, dass die Seiten lediglich Vorschläge diskutierten, aber keine Vereinbarungen zur Ukraine unterzeichnet wurden.
Das Ende der Hoffnungen auf externe Vermittlung
Trotz der Widerlegungen beriefen sich die russischen Behörden weiterhin auf den „Geist von Anchorage“. Kürzlich gab der Kreml jedoch zu, dass er nicht mehr die Umsetzung dieser Vereinbarungen erwartet und stattdessen auf die Erreichung eigener Ziele setzen wird. Selbst Donald Trump erklärte europäischen Führern während eines jüngsten G7-Gipfels, dass er von den sogenannten „Anchorage-Vereinbarungen“ Abstand nehmen könnte, die laut Axios die Kontrolle Russlands über den Donbass vorsahen.
In dieser Situation forderte Andrej Sybiga Moskau auf, nicht länger an Geister zu glauben, sondern auf die ernsthaften Angebote der Ukraine zu reagieren und an den Verhandlungstisch zu kommen. Er betonte, dass der Diktator Wladimir Putin seine Ziele nicht auf dem Schlachtfeld erreichen werde.
„Je länger Putin sich weigert, die Realität anzuerkennen – nämlich dass er niemals seine Ziele auf dem Schlachtfeld erreichen wird –, desto schlimmer wird es für Russland werden“, fasste der ukrainische Außenminister zusammen.