Der Krieg in der Ukraine befindet sich nach Einschätzung westlicher Führer in einer langwierigen Phase. Der finnische Präsident Alexander Stubb erklärte in einem Interview mit der Zeitung Hufvudstadsbladet, dass die Kampfhandlungen in naher Zukunft nicht enden werden und mindestens weitere drei bis vier Monate dauern dürften.
Der Mythos einer Konflikteskalation
Der finnische Staatschef widmete besondere Aufmerksamkeit den beunruhigenden Prognosen, die in einigen Ländern, einschließlich Schwedens, geäußert werden. Dabei geht es um Szenarien, in denen Russland nach der Herstellung von Frieden an der ukrainischen Front zu direkten Aktionen gegen NATO-Staaten übergehen könnte. Stubb bezeichnete derartige Befürchtungen als falsch und faktenlos.
Laut dem Präsidenten besteht das strategische Ziel Moskaus darin, Europa aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein Teil dieser hybriden Operation besteht darin, die Europäer selbst davon zu überzeugen, dass ein russischer Angriff unvermeidlich sei. Als Oberbefehlshaber betonte Stubb: „Ich sehe keine Beweise' für Pläne des Kremls, die Front zu erweitern.
Die Position der NATO und die Risikobewertung
Auch der NATO-General Alexus Grinkevich, Oberbefehlshaber der vereinten Streitkräfte des Bündnisses in Europa, unterstützte die These von der Unwilligkeit Russlands, in einen direkten Konflikt mit dem Bündnis zu geraten. Er stellte fest, dass Moskau die Unvermeidlichkeit einer militärischen Niederlage im Falle einer Konfrontation mit dem kollektiven Westen erkennt und daher nicht wagen wird, die baltischen Staaten anzugreifen.
Grinkevich wies darauf hin, dass der Kreml derzeit nicht bestrebt ist, einen direkten Konflikt mit den westlichen Großmächten zu führen. Gleichzeitig erinnerte Alexander Stubb daran, dass für Finnland ein stabiles und sicheres Russland von entscheidender Bedeutung ist, dies jedoch nicht Anlass für Panik oder fehlerhafte geopolitische Schlüsse sein sollte.
Die öffentliche Meinung in der Ukraine
Hintergrund der außenpolitischen Debatten ist in der Ukraine selbst weiterhin die Überwachung der öffentlichen Stimmung. Laut einer Umfrage des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie glauben 56 % der Ukrainer, dass die USA Kiew zu Zugeständnissen an Russland drängen. Dies zeugt von einem gewissen Skeptizismus gegenüber der Position des amerikanischen Partners.
Gleichzeitig zeigt das Vertrauen in die europäische Unterstützung einen Anstieg: 64 % der Befragten sind überzeugt, dass die Partner aus Europa der Ukraine weiterhin ernsthaften Beistand leisten. Die Diskrepanz in der Wahrnehmung der Rolle der USA und der EU könnte ein wichtiger Faktor für die Gestaltung der Außenpolitik Kiews in den kommenden Monaten werden.