Fast jeder, der schon einmal einen kommerziellen Flug angetreten hat, hat vor dem Start die vertraute Ansage der Besatzung gehört: „Bitte schalten Sie alle elektronischen Geräte in den Flugmodus'. Diese Regel ist Teil des Reise-Rituals geworden, und die meisten Passagiere befolgen sie automatisch, ohne über die Gründe nachzudenken. Doch nur wenige wissen, dass der wahre Zweck dieser Anforderung weit entfernt ist von dem, was allgemein angenommen wird.

Das Sicherheitsrätsel: Die wahren Gründe für das Verbot

Jahrzehntelang glaubten Passagiere und sogar einige Fachleute, dass der Flugmodus notwendig sei, um Störungen der Navigationssysteme des Flugzeugs zu verhindern. Man ging davon aus, dass Funksignale von Mobilgeräten die Funktion der Bordgeräte beeinträchtigen könnten, was potenziell die Flugsicherheit gefährdet. Eine sorgfältige Analyse von Vorschriften und wissenschaftlichen Daten zeigt jedoch, dass kein einziger Flugunfall durch die Nutzung von Mobiltelefonen durch Passagiere verursacht wurde.

Das Problem der Bodennetze, nicht der Luftfahrtsysteme

Der Hauptgrund für das Verbot der Nutzung von Mobiltelefonen in Flugzeugen liegt nicht in der Luftfahrtsicherheit, sondern in der Funktionsweise der terrestrischen Telekommunikationsnetze. Gemäß den Regeln der US-Federal Communications Commission (FCC), die seit 1991 gelten, ist die Nutzung mobiler Geräte im Flug verboten, da dies die Bodennetze überlasten könnte. Wenn sich ein Telefon in einer Höhe von etwa 10.000 Metern befindet, kann es gleichzeitig Hunderte von Basisstationen sehen, was zu lokalen Ausfällen im Netz führt.

Widersprüchliche Daten

Einerseits äußert die FAA (Federal Aviation Administration) seit 1961, als Störungen durch FM-Radios entdeckt wurden, tatsächlich Bedenken hinsichtlich tragbarer elektronischer Geräte. In den aktuellen Empfehlungen des Agenturs wird jedoch präzisiert, dass die Anforderung des Flugmodus primär der Einhaltung der FCC-Regeln dient und nicht der Verhinderung von Flugunfällen. Andererseits behaupten einige Experten, dass selbst wenn ein Telefon nicht in den Flugmodus versetzt wird, die Folgen minimal sein werden: Das Gerät verliert schnell das Signal, und Piloten könnten nur geringfügige Störgeräusche in ihren Kopfhörern wahrnehmen.

Was passiert, wenn der Flugmodus nicht aktiviert wird?

Wenn ein Passagier vergisst, sein Telefon in den Flugmodus zu versetzen, sind die Folgen unbedeutend. Das Gerät verliert normalerweise das Signal bereits wenige Minuten nach dem Start und entlädt den Akku schneller aufgrund der ständigen Suche nach einer Basisstation. In seltenen Fällen kann das Telefon während des Sinkflugs des Flugzeugs sporadische Nachrichten empfangen, was jedoch die Flugsicherheit nicht beeinträchtigt. Das einzige tatsächliche Problem, das von Besatzungsmitgliedern gemeldet wurde, waren geringfügige Störgeräusche im intercom-System der Pilotenkabine, ähnlich dem Summen von Mücken.

Fazit: Mythen und Realität

Zusammenfassend basiert die Anforderung, den Flugmodus an Handys in Flugzeugen zu aktivieren, nicht auf der Verhinderung von Flugunfällen, sondern auf dem Schutz der terrestrischen Telekommunikationsnetze vor Überlastung. Passagiere sollten diese Regel weiterhin befolgen, können aber nun sicher sein, dass ihre Handlungen nicht mit einer direkten Gefahr für die Flugsicherheit verbunden sind, sondern eher mit der Aufrechterhaltung der Stabilität der Mobilfunknetze am Boden.