Der russische Messenger-Markt durchläuft eine Phase aktiver Transformation. Während Nutzer früher massenhaft zu Telegram migrierten, ist derzeit ein explosionsartiges Interesse an alternativen Plattformen zu beobachten. Laut Analysten bleibt die Nachfrage nach ausländischen Messengern hoch, obwohl das Wachstum im Vergleich zum ersten Quartal etwas verlangsamt hat. Doch gerade im Segment der alternativen Lösungen verzeichnen wir die beeindruckendsten Kennzahlen.
Türkischer BiP: Phänomenales Wachstum
Der türkische Messenger BiP ist zum Marktführer in puncto Nutzerwachstum in Russland geworden. Im Zeitraum von April bis Juli stieg die Zahl der monatlich aktiven Nutzer des Apps aus Russland im Vergleich zum vorherigen Quartal um 120 %. Die absoluten Zahlen sind noch beeindruckender: Die Nutzerbasis erreichte 4,3 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag dieser Wert bei lediglich 6.600 Nutzern.
Der Erfolg von BiP wird auch durch Daten der Mobilfunkbetreiber bestätigt. Bei „MegaFon“ wurde ein Anstieg der Nutzerzahl des Dienstes um 32 % verzeichnet, während das Unternehmen T2 mitteilte, dass die BiP-Nutzerbasis um das Fünffache gewachsen ist. Experten stellen fest, dass die App aktiv für die Kommunikation mit Verwandten im Ausland sowie für diejenigen genutzt wird, die eine Alternative zu den Hauptkommunikationskanälen suchen.
Entwicklung anderer Dienste
Der Markt beschränkt sich nicht auf einen einzigen Marktführer. Der südkoreanische Messenger KakaoTalk zeigte ebenfalls eine beeindruckende Dynamik und vergrößerte seine Nutzerbasis um 80 % auf 1,26 Millionen Nutzer. Daten von T2 belegen ein Wachstum von KakaoTalk um das 3,5-Fache. Der chinesische WeChat wuchs um 10–17 %, und Gem Space um 11 %.
Der amerikanische Messenger Imo bleibt mit 12,2 Millionen Nutzern in absoluten Zahlen am gefragtesten. Allerdings hat sich seine Dynamik praktisch zum Stillstand bewegt und verzeichnete im Quartal nur ein Wachstum von 1 %. Gleichzeitig verlieren in Russland blockierte Apps wie SimpleX und Discord an Nutzern – um 41 % bzw. 8 %.
Nutzerverhalten und Zukunft des Marktes
Die Analyse der Altersstruktur zeigt, dass Russen im Alter von 35 bis 44 Jahren (30 % des Marktes) sowie Nutzer zwischen 25 und 34 Jahren (21 %) ausländische Messenger am aktivsten nutzen. Experten merken an, dass diese Apps für die meisten Russen eher als ergänzende Instrumente zur Kommunikation mit Angehörigen im Ausland oder zum Testen neuer Technologien dienen, nicht jedoch als primäres Kommunikationsmittel.
Auch die Situation mit dem alternativen Telegram-Client ist interessant: Im ersten Quartal wuchs dessen Nutzerbasis um 160 % auf 7,5 Millionen Menschen, doch nach der Entfernung der App aus dem App Store und dem Ende des Betriebs der Plattform im Juli wurde dieser Trend unterbrochen.
Langfristig wird sich der Markt fragmentieren. Nutzer werden zunehmend mehrere Messenger für unterschiedliche Aufgaben parallel nutzen. Das Schicksal alternativer Lösungen wird von ihrer Bereitschaft abhängen, im Rahmen der russischen Gesetzgebung zu operieren; kurzfristig haben sie jedoch bereits ein stabiles Marktsegment etabliert.