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title: "„In der Bundeswehr ist ein Gefühl der Dringlichkeit eingekehrt“: AHK-Chef Perau über die Transformation der deutschen Armee und skandinavische Führung bei der Kriegsbereitschaft"
description: "AHK-Chef Rainer Perau erklärte, dass in der Bundeswehr und der deutschen Politik angesichts der Transformation des ukrainischen Schlachtfelds ein wachsendes Gefühl der Dringlichkeit herrscht, und bezeichnete skandinavische Länder als Vorreiter bei der Kriegsbereitschaft."
date: 2026-10-17T16:26:14.874Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/deutsche-armee-gefuehl-dringlichkeit-perau
tags: [ukraine-germany, bundeswehr, defense-industry, ahk, military-readiness, kse-study, ukraine-war]
author: "Alexander Buran"
publisher: "XAB.info"
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# „In der Bundeswehr ist ein Gefühl der Dringlichkeit eingekehrt“: AHK-Chef Perau über die Transformation der deutschen Armee und skandinavische Führung bei der Kriegsbereitschaft

![Der Leiter der Deutsch-Ukrainischen Handelskammer Rainer Perau spricht mit einem Mikrofon vor dem Hintergrund der ukrainischen Flagge](https://xab.info/media/2026/10/17/nemetskaya-armiya-chuvstvo-srochnosti-perau/nemetskaya-armiya-chuvstvo-srochnosti-perau-1.webp)

## Kernpunkte

- AHK-Chef Rainer Perau stellte auf einer Rüstungskonferenz ein aufkommendes Dringlichkeitsgefühl in der deutschen Armee und Politik fest
- Deutsche Militärattachés in Kiew informieren die Bundeswehr systematisch über die Frontlage und beschleunigen so die Modernisierung
- Laut einer KSE-Studie sind Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland führend bei der Bereitschaft für eine mögliche russische Invasion
- Im Verteidigungsministerium arbeitet der „Sonderstab Ukraine“, der 11,5 Milliarden Euro Jahres-Militärhilfe sichert und Verträge in zwei Wochen abschließen kann

Auf der deutsch-ukrainischen Rüstungskonferenz „Ukraine – Deutschland: Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie“ hat der Leiter der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer (AHK), Rainer Perau, in einem Kommentar gegenüber RBC-Ukraine den aktuellen Zustand des deutschen militärischen und politischen Establishments charakterisiert. Seinen Worten zufolge ist in der deutschen Armee und Politik ein spürbares Gefühl der Dringlichkeit zu erkennen: Die Bundeswehr modernisiert sich aktiv, und ihre Führung zeige, den öffentlichen Aussagen führender Offiziere und Generäle nach zu urteilen, ein tiefes Verständnis für das Geschehen auf dem ukrainischen Schlachtfeld. Perau betonte, dass diese Transformation nicht spontan erfolge – sie werde durch die systematische Arbeit von Militärattachés an der deutschen Botschaft in Kiew genährt, deren direkte Aufgabe darin besteht, die operative Lage zu überwachen und Informationen an die Bundeswehrstäbe in Berlin zu übermitteln.

### Von langsamen Reformen 2014–2022 zum Modus des Vollkriegs

Als er auf die Dynamik der Veränderungen angesprochen wurde, zog Perau einen vergleichenden Parallelen zwischen zwei Perioden der ukrainischen Staatlichkeit. Er erinnerte daran, dass im Vorfeld der Konferenz die ukrainische Vize-Verteidigungsministerin Hanna Gwosdjar gesprochen und in ihrem Bericht den Zustand des Landes im Zeitraum 2014–2022 beschrieben hatte. Nach Peraus Einschätzung agierte die Ukraine in jener Zeit deutlich langsamer als heute, da sie sich einem umfassenden Angriff ausgesetzt sieht. Genau dieser Kontrast, so sagte er, sei für die deutsche Seite eine anschauliche Lektion gewesen: Der Unterschied zwischen Friedens- und Kriegszeiten zeige sich nicht nur in der Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung, sondern auch in der Architektur der Institutionen selbst, die unter ständigem Druck arbeiten müssen. Perau wies darauf hin, dass sich die Debatte in Deutschland in den letzten Jahren stark verändert habe und genau jetzt, vor dem Hintergrund der ukrainischen Erfahrung, in der deutschen Gesellschaft und den Eliten eine neue Qualität des Bedrohungsbewusstseins entstehe.

### Was die KSE-Studie zur europäischen Bereitschaft zeigt

Auf die Frage, welche Länder am besten auf eine mögliche russische Invasion vorbereitet seien, verwies Perau auf eine Studie der Kiewer Wirtschaftshochschule (KSE), die das Vorbereitungsniveau der europäischen Staaten widerspiegelt. Seiner Interpretation der Daten zufolge schlägt sich Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Italien und Großbritannien recht gut. Dennoch, betonte Perau, seien die absoluten Spitzenreiter in puncto Bereitschaft die nordeuropäischen Länder: Dänemark, Schweden, Norwegen und insbesondere Finnland. Er hob hervor, dass angesichts der Größe dieser Staaten gerade die nordeuropäischen Länder führende Indikatoren aufweisen – ihre Erfahrungen bei Mobilisierung, Rüstungsinvestitionen und Integration in kollektive Sicherheitssysteme verdienten seiner Meinung nach die Aufmerksamkeit ganz Europas als Referenz für Länder mit größeren Volkswirtschaften und Territorien.

### „Sonderstab Ukraine“ und das Tempo der Entscheidungen in Berlin

Den Kontext für Peraus Äußerungen bildet eine zuvor von der „Financial Times“ veröffentlichte Information: Im deutschen Verteidigungsministerium arbeitet ein kleiner Stab namens „Sonderstab Ukraine“. Dem Bericht zufolge steht genau diese Struktur hinter der jährlichen Militärhilfe für Kiew in Höhe von 11,5 Milliarden Euro und ist in bestimmten Fällen in der Lage, Rüstungslieferungsverträge innerhalb von nur zwei Wochen abzuschließen. Ein solcher Mechanismus bricht im Wesentlichen die traditionelle bürokratische Trägheit der deutschen Rüstungsbeschaffung und ermöglicht es Berlin, auf Kiews Anfragen mit einer Geschwindigkeit zu reagieren, die den Anforderungen der Frontlogistik entspricht. Perau, der die Interessen der Wirtschaft vertreibt, sieht darin ein Signal, dass die deutsche Rüstungsindustrie und die politische Führung Interaktionskanäle aufbauen, die in dem für die Unterstützung eines Krieges notwendigen Ausmaß und Tempo früher undenkbar waren.

Somit markieren die Äußerungen des AHK-Chefs einen Wendepunkt: Die deutsche Kriegsmaschinerie, die noch vor wenigen Jahren im Friedensmodus lief, schaltet auf die Logistik der schnellen Reaktion um, und die ukrainische Kampferfahrung wird nicht mehr nur zum Gegenstand des Studiums, sondern zum praktischen Standard, an dem Entscheidungen in Berlin kalibriert werden. Für die ukrainische Rüstungsindustrie bedeutet dies, dass das Fenster für die Vertiefung der industriellen Zusammenarbeit mit Deutschland offen bleibt, von beiden Seiten jedoch die dem neuen Dringlichkeitsniveau entsprechende Geschwindigkeit fordert.

## Faktencheck und Quellen

- [В немецкой армии и политике появилось чувство срочности, - глава AHK Перау](https://www.rbc.ua/ukr/news/nimetskiy-armiyi-ta-polititsi-z-yavilosya-1792241205.html) - Primärquelle: Interview von Rainer Perau mit RBC-Ukraine auf der Konferenz „Ukraine – Deutschland: Rüstungskooperation“. Alle direkten Zitate, Peraus Einschätzungen, der Verweis auf Gwosdjars Rede, die KSE-Studie und Daten zum „Sonderstab Ukraine“ (unter Berufung auf die FT) stammen aus diesem Material.

## Häufige Fragen

### Wer ist Rainer Perau und in welcher Eigenschaft äußerte er sich?

Rainer Perau ist der Leiter der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer (AHK). Seine Kommentare gab er in einem Interview mit RBC-Ukraine auf der Konferenz „Ukraine – Deutschland: Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie“ ab.

### Was ist der „Sonderstab Ukraine“ und welche Rolle spielt er?

Laut der „Financial Times“ ist der „Sonderstab Ukraine“ ein kleiner Stab im deutschen Verteidigungsministerium, der die jährliche Militärhilfe für Kiew in Höhe von 11,5 Milliarden Euro koordiniert und in einigen Fällen Rüstungsverträge innerhalb von zwei Wochen abschließt.

### Welche Länder sind laut der KSE-Studie am besten auf eine russische Invasion vorbereitet?

Nach Peraus Interpretation der Kiewer Wirtschaftshochschulstudie sind die Spitzenreiter die nordeuropäischen Länder: Dänemark, Schweden, Norwegen und besonders Finnland. Deutschland schneide im Vergleich zu Frankreich, Italien und Großbritannien gut ab.

### Welche Parallele zog Perau zwischen der Ukraine 2014–2022 und der aktuellen Phase?

Unter Berufung auf die Vize-Ministerin Hanna Gwosdjar erklärte Perau, dass die Ukraine 2014–2022 viel langsamer handelte als heute im Abwehrkampf. Dieser Kontrast sei für die deutsche Seite eine anschauliche Lektion gewesen.