Die Generalbundesanwaltschaft Deutschlands hat einem ukrainischen Staatsbürger offiziell Anklage im Zusammenhang mit der Sabotage an den Gasleitungen „Nord Stream' erhoben. Die Anklage betrifft Angriffe auf die zivile Energieinfrastruktur, die zu Explosionen und der Zerstörung von Objekten auf dem Boden der Ostsee führten.
Die Informationen über die Erhebung der Anklage bestätigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem irischen Ministerpräsidenten Micheál Martin. Der Staatschef betonte, dass er derzeit nicht über alle Details des Verfahrens verfügt und das offizielle Kiew noch keine erschöpfenden Informationen von den deutschen Kollegen erhalten hat.
Reaktion Kiews und fehlende Kommentare Berlins
Wolodymyr Selenskyj forderte zur Zurückhaltung bei Bewertungen auf, bis offizielle Erläuterungen vorliegen. „Die zuständigen Behörden unserer beiden Länder werden sich, wie ich denke, in Verbindung setzen, und wenn wir mehr Details erhalten, können wir wahrscheinlich reagieren; es ist noch zu früh, um etwas zu sagen', erklärte der ukrainische Führer.
Die Generalbundesanwälte Deutschlands kommentieren das Verfahren der Anklageerhebung selbst nicht. Das Nachrichtenagentur Reuters, die sich mit Vertretern der Berliner Anwaltskanzlei in Verbindung setzte, die zuvor als Verteidiger des Angeklagten auftrat, konnte keine Antwort auf ihre Anfragen erhalten.
Schlüsselfiguren der Ermittlungen
Die Ermittlungen zum Vorfall im September 2022 sind in eine neue Phase eingetreten. Laut den Strafverfolgungsbehörden sind mehrere Verdächtige in dem Fall involviert. Insbesondere im November 2025 verhafteten deutsche Sicherheitsbehörden den Ukrainer Serhij Kuznezow. Er wurde aus Italien ausgeliefert und befindet sich derzeit in einer deutschen Untersuchungshaftanstalt. Ihm wird die direkte Beteiligung an der Organisation der Explosionen zur Last gelegt.
Ein weiterer Beteiligter des Falls ist der ukrainische Staatsbürger Wladimir Schurawlew. Im Oktober 2025 lehnte ein polnisches Gericht den Auslieferungsantrag Deutschlands ab, woraufhin der Mann freigelassen wurde.
Kontext und Folgen der Sabotage
Die Gasleitungen „Nord Stream 1' und „Nord Stream 2' waren strategisch wichtige Objekte der europäischen Energieversorgung. Die erste Pipeline belieferte Deutschland und andere Länder des Kontinents mit russischem Gas. Das zweite Projekt, das als alternative Exportroute dienen sollte, wurde nach Beginn des umfassenden Krieges Russlands gegen die Ukraine nie in Betrieb genommen.
Die im September 2022 auf dem Boden der Ostsee stattgefundenen Explosionen verursachten einen enormen Schaden an der Infrastruktur und veränderten die Logistik der Energieversorgung in Europa. Vor der Sabotage galten diese Pipelines als eine der wichtigsten Arterien der Gasversorgung der Region.