Die Entscheidung Deutschlands, das russische Generalkonsulat in Bonn zu schließen, ist laut dem Blatt Bild nicht nur mit dem Versuch einer Sabotage im Flughafen Leipzig verbunden. Wie die deutsche Zeitung unter Berufung auf interne Informationen aus brüsseler diplomatischen Kreisen berichtet, könnte das Konsulat von russischen Nachrichtendiensten für Spionagetätigkeiten in Europa genutzt worden sein. Demnach sollen in der Vertretung rund 15–20 russische Agenten gearbeitet haben, die sich als diplomatisches Personal ausgaben und faktisch im Interesse des Auslandsgeheimdienstes (SWR), des Federaler Sicherheitsdienstes (FSB) und des Hauptgeheimdienstes (GRU) handelten.
Das Konsulat als Standort für Spionage
Laut der Bild-Publikation betrachten europäische Diplomaten das russische Konsulat in Bonn als Stützpunkt für sogenannte hybride Operationen. Das Blatt betont, dass die Angaben zur Zahl der Agenten und zur Art ihrer Tätigkeit ausschließlich aus Quellen der Zeitung stammen und von den deutschen Behörden nicht als offiziell bekanntgegebene Tatsache dargestellt werden. Dennoch, so die Einschätzung dieser Quellen, könnte das Konsulat als Plattform für die Spionagetätigkeit russischer Nachrichtendienste auf dem europäischen Kontinent gedient haben, was weit über die übliche diplomatische Funktion hinausgeht.
Hybride Operationen gegen Europa
Laut Bild richteten sich die Kampagnen, die angeblich aus Bonn koordiniert wurden, nicht nur gegen Deutschland. Als mögliche Ziele werden die Benelux-Staaten, die Institutionen der Europäischen Union und das NATO-Hauptquartier in Belgien genannt. Genau deshalb, so die Einschätzung der Quellen des Blattes, sei die Entscheidung Berlins, das Generalkonsulat zu schließen, nicht ausschließlich als symbolische Reaktion auf den Vorfall mit dem Drohnenangriff in Leipzig zu betrachten. Dieser Fall wiederum wurde zum Anlass für neue Warnungen europäischer Führungspersönlichkeiten vor einer verstärkten russischen hybriden Aktivität in der Region.
Gegenmaßnahmen Berlins
Wie zuvor berichtet, hat die Bundesregierung Deutschlands bereits eine Reihe von Gegenmaßnahmen gegen den Sabotageversuch in Leipzig ergriffen. Neben der Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn hat Berlin beschlossen, die Vereinbarung über den Bau eines Kulturzentrums in der Hauptstadt zu kündigen, die Einschränkungen für russische Staatsbürger zu verschärfen, Druck auf die sogenannte Schattenflotte auszuüben und europaweite Sanktionen einzuleiten. Damit fügt sich die Schließung des Konsulats in ein breiteres Maßnahmenpaket ein und ist keine einmalige Reaktion auf einen Einzelfall.
Widersprüchliche Angaben
Wichtig ist der erhebliche Vorbehalt in der Publikation selbst: Die Zahlen von 15–20 Agenten und die Behauptungen über die Tätigkeit des SWR, des FSB und des GRU im Konsulat stützen sich auf Quellen von Bild und brüsseler diplomatische Kreise, nicht aber auf offizielle Erklärungen der deutschen Behörden. Berlin hat weder die genaue Zahl der Mitarbeiter noch ihre Zugehörigkeit zu bestimmten Nachrichtendiensten öffentlich bestätigt. Somit bleibt die Version vom Spionagecharakter der Konsulatsarbeit und vom Umfang des Agentennetzes auf der Ebene journalistischer Recherchen unter Berufung auf anonyme Quellen, während die Tatsache die Entscheidung Deutschlands zur Schließung der Vertretung und die damit verbundenen Gegenmaßnahmen ist. Bis zu einer offiziellen Bestätigung durch die Behörden der Bundesrepublik sind die Angaben zur Zahl und zu den Funktionen der mutmaßlichen Agenten als nicht durch unabhängige Faktenchecks bestätigte Informationen zu betrachten.