Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat offiziell bestätigt, dass Berlin 300 Millionen Euro zur Unterstützung der tschechischen Initiative für den Kauf von Artilleriemunition für die Ukraine bereitstellt. Die Ankündigung erfolgte nach einem Treffen in Berlin mit dem tschechischen Verteidigungsminister Jaromír Štětina.
Inhalt des Abkommens und Umfang der Hilfe
Laut Boris Pistorius ermöglicht der bereitgestellte Betrag den Kauf von etwa 50.000 Artilleriegranaten für die ukrainische Armee. Der deutsche Verteidigungsminister bezeichnete diese Initiative als wichtiges Instrument der Unterstützung und dankte Prag für ihre Fortsetzung. Das Treffen der Leiter der Verteidigungsbehörden beider Länder fand vor dem Hintergrund der verstärkten Rolle Deutschlands als wichtiger Lieferant von Militärtechnik und Munition in Europa statt.
Jaromír Štětina betonte bei der Kommentierung des Besuchs: „Deutschland spielt eine wichtige Rolle als Lieferant von Militärtechnik und Munition und leistet gemeinsam mit unserer Rüstungsindustrie einen bedeutenden Beitrag zur Sicherheit Europas“.
Deutschland – Hauptförderer der Initiative
Berlin ist der größte ausländische Sponsor des tschechischen Programms. Im vergangenen Jahr hat Deutschland bereits 1 Milliarde Euro für diese Zwecke bereitgestellt. Das neue Finanzierungsprogramm wird somit die langfristige Unterstützung fortsetzen, trotz Veränderungen im politischen Umfeld Mitteleuropas.
Politische Situation in Tschechien
Die tschechische Initiative zum Kauf von Munition wurde 2024 mit Unterstützung des damaligen Ministerpräsidenten Petr Fiala und des Präsidenten Petr Pavel ins Leben gerufen. Die Idee wurde auf einem Treffen europäischer Staats- und Regierungschefs im Februar 2024 vorgestellt. Das Ziel des Projekts besteht darin, verfügbare Großkalibergeschosse auf den Weltmärkten zu finden, sie mit Mitteln der Partnerländer zu kaufen und anschließend an die Ukraine zu liefern.
Allerdings entstanden nach der Machtübernahme durch die neue Koalition – ANO, SPD und die Partei „Autofahrer für sich selbst“ – Bedenken hinsichtlich einer möglichen Einstellung des Programms. Schließlich wurde beschlossen, die tschechische administrative und organisatorische Rolle beizubehalten, doch der Staat beteiligt sich nicht mehr direkt an den Einkäufen.
Reaktion der Politiker und Rückgang der Teilnehmerzahl
Der Abgeordnete und ehemalige tschechische Außenminister Jan Lipavský bezeichnete in einem Interview mit der Zeitung Novinky die Entscheidung Deutschlands als „ausgezeichnete Nachricht“. Er forderte Ministerpräsident Andrej Babiš auf, seine Position zu überdenken und ebenfalls Munition an die Ukraine gegen Russland zu liefern.
Der tschechische Präsident Petr Pavel hatte zuvor gewarnt, dass die Zahl der Länder, die die Initiative finanzieren, sich halbiert hat – von 18 auf 9. Dies geschah nach der Rückkehr von Andrej Babiš auf den Posten des Ministerpräsidenten. Dennoch zeigt die Entscheidung Deutschlands über neue Finanzierungen, dass wichtige europäische Partner die Ukraine weiterhin über Mechanismen unterstützen, die unter Beteiligung Tschechiens geschaffen wurden.