In offiziellen deutschen Kreisen wächst die Besorgnis über die weiteren geopolitischen Pläne des Kremls. Nach Ansicht des deutschen Außenministers Johann Wadephul beabsichtigt die russische Führung keineswegs, beim Krieg gegen die Ukraine stehen zu bleiben, sondern schmiedet weitreichendere Pläne zur Wiederherstellung des Einflusses im post sowjetischen Raum. Der deutsche Minister erklärt offen, dass die baltischen Staaten sowie Moldau und Georgien von potenzieller Aggression bedroht sein könnten.

Historischer Revisionismus und Kreml-Pläne

Zur Erläuterung der Logik möglicher künftiger Angriffe erinnerte der deutsche Außenminister an die bekannte These der russischen Führung, der Zusammenbruch der Sowjetunion sei angeblich die größte geopolitische Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen. Nach Einschätzung Wadephuls bilden konsequente Versuche, diese historische "Ungerechtigkeit" zu korrigieren, den Kern der modernen Außenpolitik Moskaus. Dies betrifft nicht nur die aktuellen Kampfhandlungen in der Ukraine, sondern auch die Erzeugung von systemischem Druck auf Estland, Lettland, Litauen sowie auf Tiflis und Chișinău, die eine europäische Integration anstreben.

Sicherheitsverpflichtungen und hybride Kriegführung

Auf die Frage von Journalisten nach der Bereitschaft Berlins, seine Bündnispartner im Nordatlantischen Pakt zu verteidigen, betonte Johann Wadephul die bedingungslose Erfüllung von Artikel 5 des Washingtoner Vertrags. Jedes Überschreiten der Staatsgrenzen Polens, Estlands, Lettlands oder Litauens durch einen fremden Aggressor wird automatisch als Angriff auf Deutschland selbst gewertet. Darüber hinaus betonte der deutsche Diplomat, dass sich die Bundesrepublik bereits heute an vorderster Front der hybriden Konfrontation befinde und ständigen Cyberangriffen sowie Drohnenvorfällen im Landesinneren ausgesetzt sei, die Vorboten einer massiven Eskalation sein könnten.