Tief unter den oberen Schichten der Atmosphären von Neptun und Uran, auf Entfernungen, die selbst den modernsten Weltraumsonden unzugänglich sind, herrschen Bedingungen, die bis vor Kurzem ausschließlich Gegenstand theoretischer Spekulationen waren. Kolossale Drücke und Temperaturen, die Werte erreichen, die die Oberflächenwerte der Sonne übertreffen, verwandeln Kohlenstoff in Diamanten, die buchstäblich als Regen in die Tiefen der eisigen Riesen hineinfallen. Jahrelang gab es in der wissenschaftlichen Gemeinschaft nur Computermodelle dieser Prozesse, doch eine neue experimentelle Studie, durchgeführt von amerikanischen Physikern, ermöglichte es erstmals in Echtzeit in die tiefsten Regionen der Riesenplanete zu blicken und direkte Daten über das Verhalten der Materie unter extremsten Bedingungen zu gewinnen.

Supermächtiger Laserstoß: wie das Innere der eisigen Riesen nachgebildet wurde

Amerikanische Physiker nahmen mikroskopische Diamantproben und unterwarfen sie der Wirkung supermächtiger Laserstoßwellen. Dabei gelang es, einen Druck von mehreren Millionen Atmosphären – im Terapascal-Bereich – bei Temperaturen zu erreichen, die die Oberflächenwerte der Sonne (etwa 5 800 K) übertreffen. Genau unter solchen Bedingungen geht, so die Berechnungen, der Kohlenstoff im Inneren von Neptun und Uran in die kristalline Diamantphase über und bildet jenen „Diamantregen“, der nach Schätzungen einen erheblichen Teil der inneren Masse dieser Planeten ausmachen kann. Der entscheidende Vorteil des neuen Experiments bestand darin, die Parameter in Echtzeit zu messen, anstatt sie nachträglich auf der Grundlage indirekter Daten zu rekonstruieren.

Widersprüchliche Daten

Bisher dominierende Computermodelle gingen davon aus, dass das Kristallgitter des Diamanten vor dem vollständigen Schmelzen eine Zwischenphase durchläuft – einen Übergangszustand, in dem die Struktur bereits nicht mehr ideal kubisch ist, das Material aber noch nicht zu einer Flüssigkeit geworden ist. Die neue experimentelle Studie widerlegte diese Hypothese kategorisch: Die Kohlenstoffatome bleiben fest in der Diamantstruktur verankert, bis zum Moment des vollständigen Übergangs in den flüssigen Zustand. Die Wissenschaftler erklären dieses Ergebnis damit, dass das Material während eines einzigen ultraschnellen Stoßschlags schlicht nicht die Zeit hat, sein Kristallgitter umzubauen – die Einwirkzeit ist kürzer als die charakteristische Zeit der strukturellen Relaxation. Somit widersprechen sich theoretische Vorhersagen und experimentelle Daten in einem entscheidenden Detail des Phasenübergangs, was eine Überarbeitung der bestehenden Modelle des Kohlenstoffverhaltens unter Terapascal-Drücken erfordert.

Praktischer Durchbruch: der Weg zur Verdopplung der Energie in Fusionsreaktoren

Neben dem fundamentalen kosmologischen Wissen lieferte das Experiment ein konkretes und messbares praktisches Ergebnis für irdische Technologien. Die ermittelten Kompressionseigenschaften von Diamanten können die Systeme der trägegesteuerten Fusionsreaktion (ICF) erheblich verbessern, an denen die Livermore-Einrichtung National Ignition Facility (NIF) in Kalifornien arbeitet. In solchen Reaktoren beginnt der Prozess mit einer mikroskopischen Diamantkapsel, die mit Fusionsbrennstoff gefüllt ist und durch leistungstarke Laserstrahlen bis zum Erreichen der Zündbedingungen komprimiert wird. Die Studie zeigte, dass die Verwendung langsamerer Anfangsstoßwellen es ermöglicht, den Diamanten mit geringerem Energieaufwand vollständig zu schmelzen. Dies macht den Fusionsbrennstoff kompakter und erlaubt nach Schätzung der Forscher potenziell eine Verdopplung des endgültigen Energieausgangs bei gleicher Laserleistung – ein entscheidender Parameter für die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Fusionsenergie.

Orientierungspunkte für die Quantensimulation und die Zukunft der sauberen Energie

Die Wissenschaftler fassten zusammen, dass die gewonnenen Daten zu „atomaren Orientierungspunkten“ für die Quantensimulation des Materieverhaltens unter extremen Bedingungen werden. Das bedeutet, dass zukünftige Supercomputerberechnungen der Phasendiagramme von Kohlenstoff und anderer Elemente unter Terapascal-Drücken anhand direkter experimenteller Punkte kalibriert werden, nicht anhand approximativ theoretischer Schätzungen. Im weiteren Kontext beschleunigt dies die Entwicklung der sauberen Fusionsenergie, die laut Prognosen in der Lage ist, die Menschheit mit einer praktisch unbegrenzten Energiequelle ohne Treibhausgasemissionen und ohne Risiko einer nuklearen Katastrophe zu versorgen. Die Verbindung der Planetenphysik mit der angewandten Ingenieurwissenschaft der Fusionsanlagen zeigt, wie Grundlagenforschung an extremen Zuständen der Materie direkt in technologische Durchbrüche umgewandelt wird, die das energetische Gefüge des Planeten verändern können.