Der Fernsehsender CNN hat die Ergebnisse einer umfassenden journalistischen Untersuchung veröffentlicht, die ein weitreichendes System zur Rekrutierung ausländischer Staatsbürger für den russisch-ukrainischen Konflikt aufdeckt. Im Mittelpunkt stehen Hunderte von Bewohnern Perus und anderer lateinamerikanischer Länder, die unter dem Vorwand einer Arbeitsstelle nach Russland gelockt wurden, sich aber tatsächlich in Kampfhandlungen verwickelt sahen.
Der Mechanismus der Täuschung: Von TikTok-Jobs bis zu Militärdienstverträgen
Laut den auf Interviews mit Angehörigen der Betroffenen und der Analyse digitaler Spuren in sozialen Medien basierenden Erkenntnissen der Untersuchung richten sich die Organisatoren dieses Systems gezielt auf sozial vulnerable Schichten der Bevölkerung in Ländern des Globalen Südens. Die Online-Werbung bietet attraktive Bedingungen, die angesichts der wirtschaftlichen Instabilität schwer zu ignorieren sind.
Die angebotenen Stellen klingen friedlich und verlockend: Koch, Fahrer, Mitarbeiter im Sicherheitsdienst. Die in den Anzeigen beschriebenen Arbeitsbedingungen wirken verlockend:
- Gehalt: ab 2000 $ pro Monat – eine Summe, die das durchschnittliche Einkommen in der Wohnregion der Bewerber deutlich übersteigt.
- Sozialpaket: Übernahme der Transferkosten, Krankenversicherung und Erstattung der Kosten für die Visumsbeschaffung.
- Rechtliche Vorteile: Das Versprechen, die Staatsbürgerschaft der Russischen Föderation in einem vereinfachten Verfahren zu gewähren.
Die Realität erweist sich jedoch als hart. Der prozessuale Betrug findet während der Verifizierung der Dokumente in spezialisierten Auswahlzentren statt, die sich beispielsweise in den Gebieten Moskau und Tula befinden. Aufgrund fehlender beglaubigter Übersetzungen der Dokumente ins Spanische und der Unkenntnis der Bewerber über die russischen Rechtsnormen unterschreiben sie anstelle von Arbeitsverträgen Standardverträge für den Militärdienst mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr.
Reaktion der Staaten und rechtliche Konsequenzen
Fälle der Einbindung ausländischer Staatsbürger in den bewaffneten Konflikt auf der Seite Russlands wurden zuvor von diplomatischen Missionen Nepals, Indiens, Kubas und Somalias registriert. Die Regierungen mehrerer lateinamerikanischer und asiatischer Länder haben bereits gegenseitige legislative Maßnahmen ergriffen, die darauf abzielen, Söldnertum zu kriminalisieren und die Kontrolle über die Ausreise von Bürgern mit spezifischen Arbeitsvisa zu verschärfen.
Die Behörden Perus, deren Bürger Gegenstand der CNN-Untersuchung wurden, haben bereits eine Prüfung der Rekrutierungskanäle eingeleitet und konsularische Warnungen herausgegeben. Die Generalstaatsanwaltschaft des Landes ermittelt gegen private Arbeitsvermittlungsagenturen in Lima. In Nepal wurde die Ausstellung von Arbeitserlaubnissen für Russland verboten, und auf Kuba wurden Teilnehmer an Menschenhandelsnetzwerken und Werber festgenommen.
Rechtliche Sackgasse und Status der Söldner
Die russische Seite betont traditionell, dass alle ausländischen Staatsbürger ausschließlich auf freiwilliger Basis in die Reihen der Streitkräfte der Russischen Föderation eintreten. Jedoch ist es gemäß dem Bundesgesetz während der Geltungsdauer des Dekrets über die Teilmobilmachung rechtlich unmöglich, einen bereits unterzeichneten Militärdienstvertrag einseitig zu kündigen. Ein Versuch der Flucht zieht strafrechtliche Verantwortung wegen Desertion oder unbefugten Verlassens der Einheit nach sich.
Aus Sicht des Völkerrechts ist die Situation für solche Kämpfer kritisch. Gemäß Artikel 47 des Zusatzprotokolls I zu den Genfer Konventionen können Personen, die keine Staatsangehörigen eines Konfliktparteistaates sind und mit dem Ziel persönlicher Bereicherung direkt an Kampfhandlungen teilnehmen, als Söldner eingestuft werden. Dies beraubt sie des Rechts auf den Status eines Kriegsgefangenen bei Festnahme und lässt sie ohne internationalen rechtlichen Schutz zurück.