Am 18. August 2026 fand auf dem Nationalen Militärfriedhof in der Oblast Kiew eine feierliche Ueberbestattung der Asche des Führers der Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN), Jewhen Konowalz, statt. 88 Jahre nach seinem Tod in Rotterdam wurden die sterblichen Überreste des Obersts der Ukrainischen Volksrepublik in die Heimat zurückgebracht. Das Ereignis sei ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit und des nationalen Gedächtnisses, betonte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Rede.
Die Rückkehr des Helden: Symbolik und politischer Kontext
Der Staatsoberhaupt bezeichnete die Rückkehr der Asche Konowalzes als Akt der Wiederherstellung des nationalen Gedächtnisses und der Erfahrung des Befreiungskampfes. „Er kämpfte mit Taten, überzeugte durch Mut und dachte realistisch, als es vielen bequemer war, in der Gefangenschaft bestimmter Chimären zu bleiben', erklärte Selenskyj. Er betonte, dass Konowalz ein Symbol eines souveränen Staates und einer der Organisatoren der ukrainischen Armee war.
Der Präsident hob auch hervor, dass Konowalz genau in jene Ukraine zurückgekehrt ist, von der er geträumt hat: eine starke, unabhängige Nation mit einer der stärksten Armeen der Welt. „Seit fünf Jahren versucht Russland, unseren Staat mit seinem Vollkrieg zu brechen... Doch welches Übel die Russen auch immer verüben, wir wissen: Wir werden all ihr Übel mit unserer Reichweite zurückgeben und uns selbst den für uns so notwendigen Frieden schaffen', fügte Selenskyj hinzu.
Hintergrund: Wer war Jewhen Konowalz?
Jewhen Konowalz (1891–1938) war ein ukrainischer Militärführer und Politiker, Oberst der Armee der Ukrainischen Volksrepublik, Kommandant der Sitschowy Schtschokowyz (Sitscher Schützen), Gründer der Ukrainischen Militärorganisation (UWO) und erster Vorsitzender der OUN. Er wurde am 14. Juni 1891 im Dorf Sjaschkiv bei Lwiw geboren. Während des Ersten Weltkriegs diente er in der österreichisch-ungarischen Armee und geriet 1915 in russische Gefangenschaft.
1917 floh er aus dem Lager und kam nach Kiew, wo er einer der Organisatoren des Galizisch-Bukowinischen Sitscher Schützen-Lagers wurde. Unter seinem Kommando entwickelte sich die Einheit zu einer der kampfstärksten Einheiten der Armee der UWR. Nach der Niederlage der Ukrainischen Revolution 1917–1921 setzte Konowalz den Kampf für die Unabhängigkeit der Ukraine im Exil fort. In den 1920er Jahren leitete er die UWO und wurde 1929 auf dem Kongress in Wien zum Vorsitzenden der OUN gewählt.
Umstände des Todes und der Ueberbestattung
Am 23. Mai 1938 starb Jewhen Konowalz in Rotterdam infolge einer Spezialoperation sowjetischer Geheimdienste. Eine Sprengvorrichtung war in einer Schachtel versteckt, die ihm vom NKWD-Agenten Pawel Sudoplatow übergeben wurde. Konowalz wurde auf dem Friedhof Crooswijk in Rotterdam bestattet.
Im Juli 2026 beschloss die ukrainische Regierung die Ueberbestattung der sterblichen Überreste Konowalzes. Am 11. August wurde in Rotterdam auf dem Friedhof Crooswijk die Exhumierung des Obersts durchgeführt. Am 13. August wurde die Asche nach Ukraine gebracht und am 18. August feierlich auf dem Nationalen Militärfriedhof beigesetzt.
Dank und Zukunftspläne
Selenskyj dankte der Ukrainischen Schützen-Gemeinschaft in Kanada und dem Ukrainischen Nationalen Komitee, die jahrzehntelang die Erinnerung an Konowalz bewahrt haben. Der Staatsoberhaupt kündigte an, die Arbeit an der Rückführung der Asche anderer prominenter ukrainischer Persönlichkeiten fortzusetzen. „Heute gibt es noch viele Namen von Menschen, die für die Ukraine gekämpft haben... und leider nicht in der Ukraine ruhen. Wir werden alles tun, um Schritt für Schritt jeden und jede der wahren ukrainischen Helden auf die Heimat zu bringen', fasste der Präsident zusammen.