In den Reihen der russischen Armee, die in der Ukraine kämpft, finden sich zunehmend Bürger aus Lateinamerika. Besondere Aufmerksamkeit erregt die Situation mit Hunderten von Peruanern, die unter dem Vorwand gut bezahlter Arbeit im Hinterland angeworben wurden, aber tatsächlich an die Front geschickt wurden. Nach Schätzungen von Anwälten, die die Interessen der Familien vertreten, könnten sich mindestens 800 peruanische Staatsbürger im Konfliktgebiet befinden.
Der Mythos von den goldenen Bergen
Russische Werber suchen gezielt Söldner unter den ärmsten Bevölkerungsschichten Perus und nutzen soziale Medien, um Opfer zu finden. Das Betrugsmodell wirkt verlockend: Männern werden Stellen als Wachmänner oder Köche in sicheren Hinterlandzonen angeboten. Als Anreiz werden konkrete Zahlen genannt – ein Bonus von 20.000 Dollar bei Vertragsunterzeichnung, ein monatliches Gehalt von bis zu 4.000 Dollar und sogar die Aussicht auf die russische Staatsbürgerschaft.
Die Realität vor Ort erweist sich jedoch als völlig anders. Nach Aussagen von Angehörigen und den angeworbenen Personen werden den Ausländern unmittelbar nach der Ankunft in Russland die Telefone abgenommen, wodurch sie von der Außenwelt abgeschnitten werden. Unter Druck werden sie gezwungen, russischsprachige Militärverträge zu unterschreiben, oft ohne Recht auf Übersetzung und ohne die Möglichkeit, die tatsächlichen Dienstbedingungen zu prüfen.
„Kanonenfutter“ statt Gehalt
Nach einer minimalen Ausbildung werden die Männer in die Kampfzone in der Ukraine verlegt. Statt des versprochenen Geldes und der Sicherheit sehen sich die Peruaner einer harten Realität gegenüber: Nahrungsmittelknappheit, fehlende Medikamente und brutale Bestrafungen durch das Kommando. Angehörige beschreiben ihre Lage als Nutzung als „Kanonenfutter“.
Eine besondere Gefahr stellen die ständigen Angriffe ukrainischer Drohnen dar, vor denen die Rekruten oft keinen angemessenen Schutz haben. Die Situation wird dadurch verschärft, dass viele von ihnen die Sprache nicht beherrschen und nicht verstehen, was passiert, während sie sich im Epizentrum des Konflikts befinden.
Ohnmacht der Diplomatie
Die Staatsanwaltschaft Perus hat bereits Ermittlungen wegen Menschenhandels eingeleitet. Derzeit sind offiziell mehr als 30 Beschwerden von Familien registriert, deren Angehörige betrügerisch aus dem Land geschleust wurden. Das peruanische Außenministerium hat fast 250 offizielle Anfragen an Moskau gerichtet, mit der Forderung nach Informationen über die Bürger und deren unverzügliche Rückführung.
Das Ministerium gibt jedoch zu, dass seine Möglichkeiten begrenzt sind. Da die Peruaner die Verträge mit dem russischen Verteidigungsministerium freiwillig unterzeichnet haben, ist es rechtlich äußerst schwierig, manchmal sogar unmöglich, sie aus der Kampfzone zu holen.
Krise der Personalbeschaffung der russischen Armee
Die großangelegte Kampagne zur Anwerbung von Ausländern steht in direktem Zusammenhang mit einer akuten Krise bei der Personalbeschaffung der russischen Armee. Laut dem Institute for the Study of War (ISW) ist die Anzahl der Russen, die bereit sind, Verträge zu unterschreiben, im letzten Jahr um 20 % gesunken. Der Trend zum Rückgang der Rekrutierung im Inland hält seit mehreren Jahren an.
Da es an innerstaatlichen menschlichen Ressourcen mangelt, hat Russland auf die Massenanwerbung von Ausländern zurückgegriffen. Bereits mehr als 42.000 Personen aus dem Ausland wurden angeworben, unter Einsatz von Täuschung, finanziellen Manipulationen und Fallen mit gefälschter Beschäftigung. Nach Informationen des ukrainischen Außenministeriums befinden sich Bürger von fast 50 Ländern der Welt in den Reihen der Besatzungstruppen. Hunderte von ihnen sind bereits in Gefangenschaft geraten, und jeder fünfte der ausländischen Söldner wurde an der Front getötet.