Geophysiker haben einen Durchbruch im Verständnis der Evolution unseres Planeten erzielt, indem sie erstmals in der Geschichte den Prozess der Geburt neuer ozeanischer Kruste direkt aufgezeichnet haben. Die Beobachtungen ermöglichten es zu sehen, wie Magma aus dem Erdinneren aufsteigt, unter dem Druck des Ozeanwassers erstarrt und einen neuen Meeresboden bildet.
Beobachtung des Erdinneren
Die wissenschaftliche Entdeckung wurde durch die Arbeit einer Gruppe französischer Forscher ermöglicht. Die Wissenschaftler nutzten eine autonome Observatorium, das in der Nähe der Insel Amsterdam im Indischen Ozean installiert wurde. Diese Region ist durch ihre Lage in der Nähe des Südost-Indischen Rückens bemerkenswert – einer Zone, in der die Australische und die Antarktische tektonische Platte aufeinandertreffen.
Zur Überwachung der Vorgänge auf dem Meeresboden wurden fünf Hydrophone eingesetzt. Die Ausrüstung zeichnete seismische und geophysikalische Schwankungen auf, was den Wissenschaftlern ermöglichte, ein genaues Bild der Ereignisse zu erstellen.
Beweis für tektonische Verschiebungen
Die Analyse der gewonnenen Daten ergab eine Serie von Unterwasser-Erdbeben. Unmittelbar nach diesen Ereignissen senkte sich der Meeresboden im Bereich des Rückens um 4,2 Meter. Der gesamte Prozess des Absinkens dauerte mehrere Tage.
Laut den Schlussfolgerungen der Forscher war die Ursache für diese erhebliche Verschiebung des Meeresbodens die Entleerung eines riesigen Magmaspeichers, der in einer Tiefe von 3,6 Kilometern unter der Erdkruste liegt. Das Magma verließ das Reservoir, stieg an die Oberfläche und kühlte ab, wodurch eine neue Gesteinsschicht entstand.
Bedeutung der Entdeckung für die Wissenschaft
Obwohl das Konzept des Spreizens (der Ausdehnung) des Meeresbodens der Wissenschaft seit langem bekannt ist, bestand der Nachweis bisher nur in Form indirekter Beweise: Altersschichten der Kruste und gestreifter magnetischer Anomalien. Den Prozess direkt im Moment seiner Entstehung aufzuzeichnen, gelang erstmals.
„Etwa zwei Drittel der Erdoberfläche entstanden genau an mittelozeanischen Rücken während solcher Eruptionen“, betonen die Wissenschaftler und weisen auf die globale Bedeutung des beobachteten Phänomens hin.
Einschränkungen und Perspektiven
Trotz der historischen Bedeutung der Entdeckung weisen unabhängige Geophysiker auf bestimmte Einschränkungen der durchgeführten Studie hin. Die seismischen Messungen ermöglichten die Bestimmung der Epizentren der Erdbeben, jedoch blieb die genaue Tiefe der Herde unbestimmt.
Zudem hatten die topografischen Messungen des Meeresbodens, die vor und nach dem Ereignis durchgeführt wurden, eine begrenzte Auflösung. Dies lässt eine gewisse Unsicherheit bezüglich der genauen Ausmaße der Verformung des Meeresbodens bestehen, hebt jedoch nicht die Tatsache der erfolgreichen Erfassung der Geburt neuer Kruste auf.