In den ukrainischen Landstreitkräften hat eine stille Revolution stattgefunden. Anstatt Verordnungen auswendig zu lernen, werden Rekruten nun darin geschult, in der Realität moderner Kriegsführung zu überleben. Das Verteidigungsministerium hat offiziell den Übergang zu einem aktualisierten Programm der grundlegenden allgemeinen Truppenausbildung (BOVP) angekündigt, das den Ansatz zur Ausbildung von Rekruten grundlegend verändert.

Lektionen, die im Kampf erlernt wurden

Die Grundlage der neuen Methodik ist die harte Erfahrung des 151. Ausbildungszentrums. Genau dort, an der Front, wurde erkannt: Die alten Schemata funktionieren nicht mehr. Der Fokus verlagert sich nun von der individuellen Schießkunst des einzelnen Schützen auf die Koordination kleiner taktischer Gruppen. Der Hauptgegner, gegen den man von den ersten Tagen an kämpft, ist nicht nur die gegnerische Infanterie, sondern auch deren Drohnen. Der Kampf gegen UAVs (UAV = Unmanned Aerial Vehicle) ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil jedes Trainings geworden.

Obwohl die Dauer des Kurses gleich geblieben ist – 51 Tage –, wurde die Logik der Ausbildung auf den Kopf gestellt. Das Prinzip „vom Einfachen zum Komplexen“ funktioniert nun in Verbindung mit einem Mentoren-System. Jeder Zug wird von einem erfahrenen Kommandanten und einem Ausbilder betreut, die die Kursanten durch alle Phasen der Ausbildung führen und sie nicht allein mit den Schwierigkeiten lassen.

Freiwillige für Elite-Richtungen

Besonders interessant ist die Neuerung in Form einer fakultativen vertiefenden Fachausbildung. Dies ist so etwas wie ein „Elite-Club“ für diejenigen, die sich am besten bewährt haben. Wenn ein Rekrut die Auswahl besteht, ein hohes Maß an Motivation und gute Ergebnisse zeigt, wird ihm eine vertiefte Ausbildung in den am meisten gefragten Spezialitäten an der Front angeboten. Dies ist eine Chance, Fähigkeiten zu erlernen, die Leben – sowohl das eigene als auch das der Kameraden – retten können.

Die ersten Absolventen des neuen Programms haben bereits Feedback gegeben: Laut internen Umfragen bewerten die meisten ihr Ausbildungsniveau als ausreichend oder hoch. Dies zeigt, dass die Reform in die richtige Richtung geht.

Die Zukunft der Armee: Reform und Geld

Die Änderungen beschränken sich nicht nur auf die Ausbildungszentren. In der Ukraine wird eine umfassende Armee-Reform vorbereitet, deren Start für Juni 2026 geplant ist. Sie wird alles betreffen: von der Logistik bis zur Besetzung der Einheiten. Doch der am meisten diskutierte Punkt wird wahrscheinlich die finanzielle Frage sein. Die Behörden haben eine erhebliche Erhöhung der Zahlungen sowohl für Hinterland-Spezialisten als auch für Kämpfer an den Positionen angekündigt.

Um Personal für die Infanterie zu gewinnen, werden spezielle Verträge mit Boni von 250.000 bis 400.000 Hrywnja eingeführt. Darüber hinaus hat Präsident Wolodymyr Selenskyj Pläne für eine schrittweise Demobilisierung bereits im Jahr 2026 angekündigt, die von klaren zeitlichen Kriterien des Dienstes abhängen wird.

Ein neuer Weg für Offiziere

Gleichzeitig wird auch das System der Offiziersausbildung aktualisiert. Die Aufnahme an Militärhochschulen ist eröffnet, und die Bedingungen für Bewerber sind attraktiver geworden. Für Personen im Alter von 17 bis 30 Jahren ist eine vollständige staatliche Versorgung vorgesehen. Absolventen und Auszeichnungsträger können bis zu 22.854 Hrywnja pro Monat erhalten. Die Bewerbungsfrist läuft bis Juni 2026; Anträge können sowohl über die Territorialen Rekrutierungs- und Mobilisierungszentren (TRMZ) als auch direkt bei den Aufnahmeausschüssen der Hochschulen eingereicht werden.