Am Sonntag, dem 14. Juni, hat die Schweiz einen wichtigen Schritt getan und ihre Zukunft für die kommenden Jahrzehnte definiert. Bei einem nationalen Referendum lehnten die Bürgerinnen und Bürger einen Vorschlag ab, die Bevölkerungszahl auf 10 Millionen Menschen zu begrenzen. Diese Entscheidung war ein Triumph für die Befürworter wirtschaftlicher Stabilität und der Aufrechterhaltung enger Beziehungen zur Europäischen Union angesichts wachsender Bedenken hinsichtlich der Immigration.
Wahlergebnisse und Reaktion der Experten
Laut vorläufigen Prognosen des nationalen Rundfunks SRF, der traditionell die Stimmenzählung durchführt, fiel das Ergebnis zwar knapp, aber eindeutig aus: Rund 45 % der Wähler stimmten «für» die Initiative, während 55 % sich «dagegen» aussprachen.
Experten stellen fest, dass die Abstimmung in den Wirtschaftskreisen ernste Bedenken ausgelöst hat. Der Vorschlag, der aktiv von der rechten Schweizerischen Volkspartei (SVP) vorangetrieben wurde, wurde mit dem britischen Brexit-Referendum von 2016 verglichen. Die Wirtschaft befürchtete, dass die Annahme der Initiative den Modus des freien Personenverkehrs zerstören könnte – ein Schlüsselelement der Beziehungen zum wichtigsten Handelspartner des Landes, der EU.
Der Kern der gescheiterten Initiative
Der von den Wählern abgelehnte Vorschlag enthielt harte Parameter: Die Bevölkerung des Landes sollte bis zum Jahr 2050 10 Millionen Menschen nicht überschreiten. Darüber hinaus sah der Plan einen automatischen Mechanismus vor: Sollte diese Schwelle innerhalb von zwei Jahren überschritten werden, müsste sich die Schweiz verpflichten, den freien Personenverkehr in der EU einzustellen.
Urs Bieri von der soziologischen Firma GFS Bern erklärte das Scheitern der Initiative damit, dass die Menschen trotz der weit verbreiteten Besorgnis über das Bevölkerungswachstum in dem Plan keine praktische Zweckmäßigkeit sahen.
«Die Wähler waren besorgt über die negativen Folgen für die Beziehungen zur EU und den Arbeitsmarkt. Die Menschen machten sich auch Sorgen über den Mangel an medizinischem Personal. Außerdem besteht die Meinung, dass Isolation in der aktuellen internationalen Lage für ein kleines Land ein unvernünftiger Schritt wäre», erläuterte der Experte.
Demografischer Kontext und Strategie der Regierung
Heute beträgt die Bevölkerung der Schweiz 9,1 Millionen Menschen. Das Land verzeichnet ein höheres Wachstum als die Nachbarstaaten der EU, wo Ausländer fast 28 % der Gesamtbevölkerung ausmachen. Offizielle Prognosen deuten darauf hin, dass die Marke von 10 Millionen Menschen bereits Anfang der 2040er Jahre überschritten werden wird.
Schon im März hatte die Schweizer Regierung stabile Beziehungen zur EU als «strategische Notwendigkeit» bezeichnet. Vor dem Referendum wurde die Öffentlichkeit aufgefordert, ein neues Abkommen mit Brüssel zu unterstützen, das Anfang März unterzeichnet wurde. Das Dokument sieht eine teilweise Umsetzung des EU-Rechts in das Schweizer Recht vor. Nun, da die Idee der Bevölkerungsbeschränkung gescheitert ist, wird sich der Fokus auf die Ratifizierung dieses Abkommens verlagern, was ebenfalls ein separates Referendum erfordern wird, wahrscheinlich nicht vor dem nächsten Jahr.