In Brüssel haben sich bei einer Sitzung des Rates der EU für Inneres intensive Diskussionen über den zukünftigen Status ukrainischer Flüchtlinge entwickelt. Ein zentrales Thema der Tagesordnung war die Überprüfung der Bedingungen für die Gewährung vorübergehenden Schutzes, insbesondere die Möglichkeit, wehrpflichtige Männer aus dieser Kategorie auszuschließen.
Zypriotischer Diplomat zum aktuellen Verhandlungsstand
Bei seiner Ankunft zur Sitzung gab der stellvertretende Innenminister Zyperns für Migrationsfragen, Nikolaos Ioannides, Kommentare an die Journalisten und klärte die Situation auf. Er bestätigte, dass derzeit mehrere Ideen existieren, wie die Regeln für Flüchtlinge aus Ukraine geändert werden könnten, jedoch ist die Verabschiedung endgültiger Entscheidungen vorerst nicht absehbar.
Auf die direkte Frage, ob wehrpflichtige Männer des Rechts auf vorübergehenden Schutz beraubt werden sollen, betonte Ioannides, dass der Prozess noch in der Diskussionsphase stecke. Nach seinen Worten sei das Ziel des aktuellen Treffens nicht die Ausarbeitung eines fertigen Dokuments, sondern der Meinungsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten.
„Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, und genau darum sind wir heute hier, um verschiedene Standpunkte zu diskutieren. Wiederum wird keine Entscheidung getroffen, aber zumindest werden die Mitgliedstaaten ihre Meinung äußern, und wir werden sehen, wie es weitergeht', so der Vertreter Zyperns.
Option der geografischen Abgrenzung
Neben dem Altersfaktor wurde ein weiterer umstrittener Punkt auf die Tagesordnung gesetzt: die Einführung von Kriterien für die Gewährung von Asyl auf Basis einer geografischen Abgrenzung. Eine solche Praxis wird bereits in der Schweiz angewendet, und nun erwägen europäische Beamte die Möglichkeit, diesen Mechanismus anzupassen.
Nikolaos Ioannides teilte mit, dass dieses Thema speziell auf die Tagesordnung gesetzt wurde, damit die teilnehmenden Länder einander zuhören und Ideen austauschen können. Ergebnis der Debatte sollen Empfehlungen für die Europäische Kommission zu einem Dokument sein, das sie veröffentlichen plant.
„Daher ist dies möglicherweise eine der Ideen, und wir möchten auch andere Länder anhören', fügte der stellvertretende Minister hinzu und wies darauf hin, dass der Prozess der Gestaltung einer neuen Politik noch in den Anfängen stecke.
Wer von den neuen Regeln betroffen sein wird
Die Europäische Union plant, den Mechanismus des vorübergehenden Schutzes für ukrainische Flüchtlinge nach März 2027 zu verlängern. Allerdings könnten gemäß den aktuellen Plänen für Männer im Wehrpflichtalter erhebliche Einschränkungen eingeführt werden.
Ein wichtiger Hinweis, der in der Europäischen Kommission geäußert wurde, ist, dass wahrscheinliche neue Regeln keine rückwirkende Kraft haben werden. Das bedeutet, dass Ukrainer, die bereits den Status des vorübergehenden Schutzes erhalten haben, diesen nicht verlieren. So werden laut Eurostat mehr als 1,5 Millionen ukrainische Männer-Flüchtlinge, die sich bereits in den EU-Ländern befinden, ihren aktuellen Status unabhängig vom Ergebnis zukünftiger Verhandlungen behalten.