Nutzer der sozialen Netzwerke Facebook und Instagram sind auf eine neue Welle der Kritik an Meta gestoßen. Der Tech-Riese sperrt zunehmend Konten, ohne klare Erklärungen zu liefern, und entzieht Profilinhabern den Zugang zu ihren Ressourcen, selbst nachdem sie Berufung eingelegt haben. Die Situation wird dadurch verschärft, dass das Unternehmen sich weigert, den spezifischen Beitrag oder die Handlung zu nennen, die zur Sperrung geführt haben.

Massensperren und Scheitern der Moderation

Journalisten haben eine Reihe von Fällen dokumentiert, in denen große kommerzielle und Bildungsprojekte betroffen waren. Insbesondere wurde eine Seite für Englischunterricht mit fast einer Million Follower gesperrt. Als Grund wurden angebliche Verstöße gegen die Betrugsrichtlinien angegeben, jedoch wurden keine konkreten Beweise vorgelegt. Ein ähnliches Schicksal ereilte das Konto des Projekts JuneteenthNY, das mehr als 500.000 Anhänger vereint.

In beiden Fällen wurden die Berufungen automatisch abgelehnt, ohne Möglichkeit einer weiteren Prüfung des Falls. Dies wirft die offizielle Position von Meta, die im März geäußert wurde, in Frage. Damals kündigte das Unternehmen den Übergang zu leistungsfähigeren KI-Systemen für die Moderation an und versicherte, dass endgültige Entscheidungen bei umstrittenen Fragen von einem Menschen getroffen würden.

Systemische Probleme und Kritik am Oversight Board

Die Realität weicht von den Aussagen des Konzerns ab. In einem Abschlussbericht vom 4. Juni wies das Meta Oversight Board auf systemische Probleme mit Transparenz und Konsistenz der Plattform hin. Der Rat kritisierte auch das bezahlte Programm Meta Verified. Trotz der Versprechen rund um die Uhr Unterstützung zu bieten, bietet es Nutzern keine wirksamen Instrumente zur Wiederherstellung des Zugangs bei einer Sperrung.

Wichtig ist zu beachten, dass die Empfehlungen des Oversight Board nicht bindend sind, was dem Unternehmen von Mark Zuckerberg das Recht gibt, sie zu ignorieren.

Rechtlicher Schutz in der Europäischen Union

Das Problem der willkürlichen Einschränkung des Zugangs ist besonders für den europäischen Markt relevant. Der Jahresbericht des Koordinators für digitale Dienste der Bundesnetzagentur Deutschlands für das Jahr 2025 zeigte, dass von mehr als 2.000 eingegangenen Beschwerden die meisten Sperren ohne angemessene Begründung betrafen. Als Reaktion darauf hat die Behörde bereits 26 nationale Verwaltungsverfahren eingeleitet.

Für Nutzer in der EU bietet die Gesetzgebung einen klaren Algorithmus zum Schutz ihrer Rechte, der in Artikel 21 des Digital Services Act (DSA) verankert ist:

  • Außergeschichtliche Einigung: Wenn die interne Berufung bei Meta keine Ergebnisse liefert, hat der Nutzer das Recht, sich an eine zertifizierte Stelle zur auflösenden Streitbeilegung zu wenden.
  • Wo Hilfe zu finden ist: In Deutschland sind dies die Institute User Rights GmbH in Berlin und Platform Control. Ähnliche Stellen gibt es auch in anderen EU-Mitgliedstaaten.
  • Finanzielle Bedingungen: Die Kosten für die Streitbeilegung werden in der Regel von der Plattform getragen, während der Nutzer nur eine geringe Gebühr zahlt.

Obwohl die Plattform verpflichtet ist, mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten, sind deren Entscheidungen für das Unternehmen nicht zwingend. Das Recht, vor Gericht zu ziehen, bleibt jedoch dem Nutzer vorbehalten.

Empfehlungen von Experten

Angesichts der Unsicherheit raten Experten für digitales Recht davon ab, sich auf eine einzige Plattform zu verlassen. Zur Minimierung von Risiken wird empfohlen, regelmäßig Archive der eigenen Daten herunterzuladen und kritisch wichtige geschäftliche Kontakte außerhalb des sozialen Netzwerks zu speichern.