Die ukrainische App „Diia“ hat einen neuen staatlichen Dienst eingeführt – die Online-Scheidung. Dies berichtete das Medium RBC-Ukraine unter Verweis auf die offizielle Telegram-Seite des Dienstes. Die Funktion ermöglicht es Ehepaaren, die Scheidung vollständig im digitalen Format abzuwickeln, ohne persönlich die Zivilstandsämter (DRACS) aufsuchen und Papierdokumente einreichen zu müssen. Der Dienst ist für Paare ohne gemeinsame minderjährige Kinder verfügbar und erfordert die Zustimmung beider Seiten.

Funktioniert das Verfahren der Online-Scheidung

Laut veröffentlichten Informationen ist es nicht möglich, ohne die Zustimmung beider Ehegatten einen Antrag auf Auflösung der Ehe zu stellen – dies ist die wesentliche Bedingung des neuen Dienstes. Nach Einreichung des Antrags wird die Ehe einen Monat später offiziell aufgelöst. In dieser Zeit kann jeder der Ehegatten seine Entscheidung rückgängig machen und den Antrag zurückziehen. Dafür muss dies spätestens vier Stunden vor der Videokonferenz erfolgen, die den abschließenden Schritt des Verfahrens darstellt. Das System ist somit mit einem „Abkühlungsmechanismus“ ausgestattet, der das Risiko impulsiver Entscheidungen verringert.

Was sich im Vergleich zur bisherigen Praxis geändert hat

Bisher mussten Ehegatten zur Auflösung der Ehe das Zivilstandsamt mindestens zweimal persönlich aufsuchen und Papierdokumente einreichen. Jetzt verläuft der gesamte Prozess online: von der Antragstellung bis zur abschließenden Videokonferenz. Dies reduziert die von Bürgern für bürokratische Verfahren aufgewendete Zeit und Mühe erheblich. Für diejenigen, die die App „Diia“ nicht nutzen, bleibt die Möglichkeit, den Antrag persönlich beim Zivilstandsamt einzureichen – der digitale Kanal ist nicht der einzige und hebt die traditionelle Ordnung nicht auf.

Einschränkungen: minderjährige Kinder und gerichtliches Verfahren

Eine wichtige Einschränkung des neuen Dienstes ist das Vorhandensein gemeinsamer minderjähriger Kinder. In solchen Fällen wird die Auflösung der Ehe weiterhin über das Gericht vorgenommen, da das Gesetz den Schutz der Interessen der Kinder bei der Scheidung der Eltern verlangt. Das Online-Verfahren in „Diia“ gilt ausschließlich für Paare, die keine minderjährigen Kinder haben. Dies entspricht dem geltenden ukrainischen Ehe- und Familienrecht.

Kybersicherheit und Schutz personenbezogener Daten

Der stellvertretende Minister für digitale Transformation für Cybersicherheit und Cloud-Technologien, Witali Balaschow, erklärte, dass die App „Diia“ keine zentrale Datenbank personenbezogener Daten speichert, sondern nach dem Prinzip der Null-Akkumulation arbeitet: Die Informationen werden jedes Mal neu aus den staatlichen Registern abgerufen. Der Datenaustausch erfolgt über das geschützte Gateway „Trembita“, das fast 200 Register vereint und täglich mehr als 32 Millionen Anfragen abwickelt. Laut Balaschow erweisen sich Gerüchte über sogenannte „Datenlecks der Diia-Datenbank“ in den meisten Fällen als Fakes oder veraltete kommerzielle Daten, die nichts mit der aktuellen Systemarchitektur zu tun haben.

Kontext der Digitalisierung staatlicher Dienste

Die Einführung der Online-Scheidung in „Diia“ setzt den Trend fort, staatliche Dienste in ein digitales Format zu verlagern. Die 2020 gestartete App erweitert schrittweise das Spektrum der verfügbaren Dienste – von der Ausstellung von Dokumenten bis zur Abwicklung von Verträgen. Die neue Funktion bestätigt erneut, dass die Digitalisierung in der Ukraine nicht nur routinemäßige Verwaltungsprozesse, sondern auch bedeutende Lebensereignisse der Bürger betrifft. Dabei betonen die Entwickler, dass digitale Kanale die traditionellen ergänzen, nicht ersetzen, und so den inklusiven Zugang zu staatlichen Diensten gewährleisten.