Der Devisenmarkt der Ukraine befindet sich in einem Zustand erhöhter Empfindlichkeit, doch Experten prognostizieren keine katastrophalen Szenarien. Laut Sergei Mamedow, Vizepräsident der Vereinigung der ukrainischen Banken und Vorstandsvorsitzender der „Globus Bank“, könnte der Dollar periodisch die psychologische Marke von 45 Griwna erreichen oder sie sogar situativ überschreiten. Dies wäre jedoch kein Signal für den Beginn einer Währungskrise.
Modus der „gesteuerten Flexibilität“
Derzeit bewegt sich der Wechselkurs der Landeswährung in einem Modus, den der Experte als „gesteuerte Flexibilität“ bezeichnet. Dies ist eine Art Schutzmechanismus, der dem Kurs Bewegungsspielraum lässt, ihn aber nicht außer Kontrolle geraten lässt. Die Nationale Bank der Ukraine bleibt der Schlüsselspieler mit den Instrumenten, um übermäßige Schwankungen zu glätten.
„Ich würde nicht von ‚Sprüngen‘ als etwas Erwartetem sprechen. Dies ist eher ein atypischer Szenarioverlauf“, betonte Mamedow in einem Interview mit RBC-Ukraine. Ein langsamer Anstieg um einige wenige Kopeken ist unter den aktuellen Bedingungen normal und hat keine schockierende Wirkung auf die Wirtschaft.
Wovon hängt der Dollarpreis ab?
Die Stabilität oder Volatilität des Wechselkurses hängt direkt von einer Kombination externer und interner Faktoren ab. Zu den wichtigsten Treibern, die der Experte hervorhob, zählen:
- Der Verlauf der Kampfhandlungen und die Lage an der Front.
- Die Regelmäßigkeit und das Volumen der internationalen finanziellen Hilfe.
- Der Bedarf an Importen von Kraftstoffen und Energieausrüstung.
- Die allgemeine inflationäre Lage und die Geldpolitik der NBU.
Jede groß angelegte Attacke auf die kritische Infrastruktur oder Logistik kann die Stimmung von Unternehmen und Bevölkerung sofort verändern und kurzfristige Nachfragespitzen für Devisen auslösen. Gleichzeitig stellt der gleichmäßige Zustrom von Hilfe aus dem Ausland den Hauptfaktor für Stabilität dar.
Prognose bis Ende des Sommers
Die Analysten der „Globus Bank“ neigen dazu, dass der Markt bei Fehlen neuer großer Erschütterungen eine moderate Volatilität zeigen wird. „Bis Ende des Sommers sind moderate Schwankungen natürlich, jedoch ohne Anzeichen von ‚Achterbahnen‘. Wahrscheinlich werden die Wechselkursänderungen graduell sein und 45,5 Griwna pro Dollar nicht überschreiten“, prognostiziert Mamedow.
Ein zusätzlicher Stützungsfaktor für die Griwna bleibt der hohe Leitzins der Nationalen Bank. Dies macht Griwna-Einlagen für die Bevölkerung attraktiver und senkt die spekulative Nachfrage nach Fremdwährungen.
Derzeitige Phase ist daher richtigerweise nicht als „Devisenkarussell“ zu charakterisieren, sondern als Zeit der erhöhten Empfindlichkeit des Marktes gegenüber dem Nachrichtenfluss. Für die Wirtschaft ist nicht die Zahl an der Börse selbst entscheidend, sondern die Amplitude der Schwankungen. Solange der Regulator die Kontrolle behält und die Inflation nicht außer Kontrolle gerät, bleibt der Markt auch unter Kriegsbedingungen prognostizierbar.