Die amerikanische Währung stellt seit mehreren Tagen in Folge lokale Höchststände auf und nähert sich der Marke von 44,40 Hrywnja. Gleichzeitig ist der Euro nach dem gestrigen Rückgang erneut in den Aufwärtstrend übergegangen. Was steht hinter dieser Dynamik und deutet sie auf eine Schwächung der Landeswährung hin? Wir haben Experten befragt.

Offizielle Kurse: Dollar und Euro wieder im Plus

Die Nationalbank der Ukraine hat für Freitag, den 5. Juni, den offiziellen Dollar-Kurs auf 44,37 UAH festgelegt – das sind 3 Kopeken mehr als am Vortag. Auch der Euro verteuerte sich: Sein Kurs betrug 51,66 UAH, was 14 Kopeken mehr entspricht als am 4. Juni.

Der Dollar setzte somit seine Serie lokaler Höchststände fort, während der Euro auf die Niveaus von Anfang der Woche zurückkehrte.

Warum steigt der Dollar: Die Sicht eines Experten

Der Finanzanalyst Andrej Schewtschyschyn erklärte in einem Kommentar für RBC-Ukraine, dass die aktuelle Kursdynamik nicht nur mit internen Prozessen, sondern auch mit Veränderungen am weltweiten Devisenmarkt zusammenhängt.

Laut ihm orientiert sich die Nationalbank zunehmend an einem bivaluten Ansatz, bei dem das Verhältnis zwischen Euro und Dollar eine immer größere Rolle spielt.

„Wenn der Euro gegenüber dem Dollar auf dem Weltmarkt schwächer wird, muss die NBU den Dollar-Kurs zur Hrywnja anpassen, um die entsprechenden Proportionen zu wahren', betont der Experte.

Deshalb beeinflusst die Stärkung der amerikanischen Währung an den internationalen Märkten automatisch auch den ukrainischen Devisenmarkt.

Der Euro ist für die ukrainische Wirtschaft wichtiger als der Dollar

Nach Ansicht von Schewtschyschyn deutet der aktuelle Anstieg des Dollars noch nicht auf eine vollständige Schwächung der Hrywnja hin. Der Analyst betont, dass es derzeit wichtig ist, nicht nur den Dollar, sondern auch den Euro im Auge zu behalten – denn gerade die europäische Währung gewinnt für die ukrainische Wirtschaft an Bedeutung.

Ein erheblicher Teil der internationalen Hilfe fließt in Euro, der Großteil der Staatsverschuldung ist in dieser Währung denominiert, und auch ein signifikanter Teil der Export- und Importgeschäfte wird in Euro abgewickelt.

„Eine echte Abwertung sehen wir erst dann, wenn die Hrywnja gleichzeitig gegenüber Dollar und Euro schwächer wird. Derzeit gibt es keine solchen Anzeichen', erklärt der Experte.

Der sommerliche Stillstand und externe Faktoren

Laut Schewtschyschyn bleiben die aktuellen Schwankungen geringfügig und bilden vorerst keinen neuen langfristigen Trend am Devisenmarkt. Zudem gilt die Sommerzeit traditionell als eine der ruhigsten Perioden für den ukrainischen Devisenmarkt.

Daher verbindet der Analyst das aktuelle Erreichen neuer lokaler Höchststände des Dollars eher mit externen Währungsfaktoren als mit einer fundamentalen Verschlechterung der Situation für die Hrywnja.