Die Exportlogistik Kasachstans steht vor einem kritischen Ausfall. Am 30. Juli wurde die Arbeit des wichtigsten Ölladeterminals am Schwarzen Meer in Noworossijsk erneut eingestellt. Dies ist bereits die dritte Unterbrechung der Beladungen im vergangenen Monat, verursacht durch Angriffe mit unbemannten Fluggeräten (Drohnen) auf Schiffe im Hafen.

Laut Berichten von Quellen griffen ukrainische Drohnen in der Nacht zum 30. Juli zwei Tanker an, die sich im Hafenbecken und direkt am Terminal befanden. Ein Brand brach auf dem Schiff Nissos Sifnos unter der Flagge der Marshallinseln während des Beladevorgangs aus. Das zweite betroffene Schiff war der Tanker Marathi unter der Flagge der Isle of Man. Die Drohneneinheiten der ukrainischen Streitkräfte bestätigten Angriffe auf vier russische Tanker im Schwarzen und Asowschen Meer, gaben jedoch keine genauen Koordinaten der Angriffe bekannt.

Kaspischer Pipeline-Konsortium unter Beschuss

Das Terminal in Noworossijsk ist ein entscheidender Knotenpunkt für das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC). Über diese Infrastruktur fließen 80 % des gesamten kasachischen Ölexports. Die 1510 km lange Pipeline, deren Bau unter anderem von amerikanischen Riesen wie Chevron und Exxon finanziert wurde (fast die Hälfte der 2,6 Mrd. USD Investitionen), gehört zu den längsten der Welt.

Der Betreiber des Terminals, das CPC, bestätigte die Einstellung der Arbeiten offiziell erst zwei Tage nach der Wiederaufnahme der Beladung, die eine Woche zuvor unterbrochen worden war. Das kasachische Energieministerium erkannte die Angriffe ebenfalls an, hielt sich jedoch von direkten Vorwürfen gegen die Ukraine zurück.

Wirtschaftliche Folgen und fehlende Alternativen

Die Situation mit den Lieferungen wird für die Wirtschaft Zentralasiens immer kritischer. Kasachstan, das 2 % der weltweiten täglichen Öllieferungen bereitstellt, befindet sich in der Zange einer logistischen Krise. Vorherige Exportstopps zwangen das Land bereits dazu, die Förderung vorübergehend zu reduzieren, da keine alternativen Routen mit ausreichender Kapazität existieren.

Daten der Schifffahrtsanalyse von LSEG zeigen, dass mindestens fünf Tanker, die zuvor nach Noworossijsk unterwegs waren, ihren Kurs geändert haben. Sie wurden nach Türkei und Spanien umgeleitet oder änderten ihren Status auf „zur Bestellung“. Die bestehenden alternativen Routen – die westliche Route über das Kaspische Meer nach Aserbaidschan und weiter in die Türkei sowie die östliche Pipeline nach China – sind durch technische Kapazitäten begrenzt und können die Verluste der Schwarzmeer-Route nicht vollständig kompensieren.