Am 18. Juni brachen auf dem Gelände der Moskauer Erdölraffinerie von Gazpromneft infolge eines Angriffs mit unbemannten Fluggeräten (Drohnen) großflächige Brände aus. Laut Quellen richteten die Treffer erhebliche Schäden an technischen Anlagen an, darunter den kritisch wichtigen Euro+-Verbund, sowie an Lagertanks für Erdölprodukte und Hilfsenergieblöcken.
In sozialen Medien veröffentlichte Videos zeigen Flammenzungen und dichten schwarzen Rauch, der über dem Industriegebiet im Stadtteil Kapotnja aufsteigt. Die Brände erfassten mehrere Objekte, darunter Rohrleitungen zwischen den Blöcken und Sekundäranlagen, die mit dem Betrieb von Euro+ in Verbindung stehen.
Treffer an der Schlüsselanlage Euro+
Besondere Aufmerksamkeit erregt die Beschädigung des Euro+-Blocks – einer modernen Produktionslinie, die 2020 im Rahmen des Modernisierungsprogramms der Raffinerie in Betrieb genommen wurde. Diese Anlage kombiniert die Primärdesintegration von Erdöl, die Reinigung von Produkten von Verunreinigungen und die Herstellung von hochoktanigen Benzinbestandteilen. Sie ersetzte veraltete Technologien und deckt einen erheblichen Teil der Kapazitäten des Unternehmens für die Produktion von Benzin, Dieselkraftstoff und anderen Erdölprodukten ab.
Die Beschädigung von Euro+ könnte die Produktionskapazitäten der Raffinerie erheblich beeinträchtigen, da genau diese Linie für die Herstellung hochwertiger Erdölprodukte verantwortlich ist, die modernen Umweltstandards entsprechen.
Produktionskennzahlen der Raffinerie
Laut Daten der Nachrichtenagentur Reuters verarbeitete die Moskauer Raffinerie im Jahr 2024 11,6 Millionen Tonnen Rohöl – das entspricht etwa 230.000 Barrel pro Tag. Im Laufe des Jahres produzierte das Unternehmen:
- 2,9 Millionen Tonnen Benzin;
- 3,2 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff;
- 1,3 Millionen Tonnen Bitumen.
Diese Zahlen unterstreichen die strategische Bedeutung der Raffinerie für die Energiebilanz des Landes und ihre Rolle bei der Kraftstoffversorgung der Regionen im Zentralrussland.
Bestätigung des Treffers durch die Ukraine
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte, dass die Verteidigungskräfte der Ukraine innerhalb einer Woche zum zweiten Mal die Moskauer Raffinerie angegriffen haben. Nach seinen Worten dient diese Maßnahme dazu, Russland die Notwendigkeit eines Kriegsendes zu demonstrieren. Der Angriff ist Teil einer Serie von Schlägen gegen die Infrastruktur, die die ukrainische Seite als Druckmittel auf die russische Wirtschaft betrachtet.
Der Angriff auf die Moskauer Raffinerie ist nicht der erste seiner Art. Bereits früher in diesem Jahr wurden ähnliche Schläge gegen andere Erdölraffinerie-Objekte in Russland geführt, was auf breite Resonanz stieß und zu einer Überprüfung der Schutzmaßnahmen für kritische Infrastrukturen führte.
Folgen und Perspektiven
Das Ausmaß des Feuers und die Beschädigung der Schlüsselanlagen können zu einer vorübergehenden Verringerung der Produktionskapazitäten der Raffinerie führen. Die genauen Schadenssummen und die Wiederherstellungsfristen sind derzeit noch unbekannt. Experten weisen darauf hin, dass selbst ein teilweiser Stillstand von Euro+ die Lieferungen von Benzin und Dieselkraftstoff nach Moskau und in die angrenzenden Regionen beeinträchtigen könnte.
Die Behörden Moskaus und Vertreter von Gazpromneft haben bisher keine offiziellen Kommentare zum Zustand der Raffinerie und zu den Wiederherstellungsplänen abgegeben. Augenzeugen berichten jedoch, dass am Ort des Geschehens Feuerwehr und Rettungsdienste arbeiten und der Zugang zum Gelände beschränkt ist.