In den vergangenen drei Tagen hat Russland 78 massive Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur verübt. Dabei wurden sowohl Erzeugungskapazitäten wie Kraftwerke als auch Anlagen zur Stromübertragung ins Visier genommen. Dies berichtete RBC-Ukraine unter Berufung auf den offiziellen Kanal der Energieholding DTEK. Nach Einschätzung des Unternehmens arbeitet das ukrainische Energiesystem bereits im fünften Jahr unter ständigem Beschuss, und kein anderes Land der Welt habe mit einem derartigen Ausmaß und einer solchen Dauer an Zerstörungen zu kämpfen, wie sie derzeit verzeichnet werden.

Das fünfte Jahr unter Beschuss: Ein Vergleich mit 2022

Um die Dynamik zu verstehen, genügt ein Vergleich der aktuellen Daten mit den ersten Kriegsjahren. Im Jahr 2022 verübten die Russen nach den gleichen Berechnungen 11 massive Angriffe, die vorwiegend auf Kraftwerke abzielten. Heute jedoch hat die Intensität der Angriffe massiv zugenommen, und die Geografie sowie die Art der Ziele haben sich ausgeweitet: Nicht nur die Erzeugung, sondern auch die Übertragungsnetze stehen unter Beschuss, was die Wiederherstellung schwieriger und langwieriger macht.

Taktik ändert sich, Intensität steigt

Die begleitenden Daten von DTEK deuten auf eine ständige Änderung der gegnerischen Taktik und eine deutliche Zunahme der Intensität des Beschusses hin. Schwere Schäden an der Infrastruktur erfordern erhebliche Anstrengungen und Zeit für die Instandsetzung. Die Arbeit der Spezialisten wird durch regelmäßige Luftalarme und das Risiko erneuter Schläge auf gerade erst reparierte Objekte zusätzlich erschwert. Dennoch, so das Unternehmen, arbeiten die Energietechniker rund um die Uhr, um die Stromversorgung der Verbraucher wiederherzustellen.

Drei DTEK-Kraftwerke komplett abgeschaltet

Ein wesentliches Ergebnis des jüngsten massiven Luftangriffs war die großflächige Zerstörung von drei Wärmekraftwerken des Unternehmens DTEK, die die Stromerzeugung vollständig eingestellt haben. Der Ausfall gleich mehrerer großer Erzeugungsanlagen in Verbindung mit Angriffen auf die Übertragungsnetze belastet das verbleibende System und erhöht das Risiko kaskadierender Stromausfälle.

Winter bringt Gefahr von Blackouts näher

Nach Einschätzung von Experten wird der Stromverbrauch in der Ukraine mit Einsetzen des strengen Frosts deutlich ansteigen. Angesichts der anhaltenden Angriffe riskieren einige kleinere Städte, für mehrere Tage ohne Strom dazustehen. Dies macht den Schutz des Energiesystems zu einer Aufgabe, die nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Lebensgrundlage der Bevölkerung im Winter entscheidend ist.

Diplomatischer Kontext: „Energiewaffenruhe“ und Erklärungen der Parteien

Vor dem Hintergrund der Angriffe werden auch diplomatische Signale laut. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, dass Russland seit der Ankündigung einer „Energiewaffenruhe“ durch Donald Trump am 11. Oktober gezielt 76 Mal die ukrainische Energie- sowie Öl- und Gasindustrie angegriffen habe. Er betonte, die Ukraine sei bereit, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Moskau aufhöre, die Energieinfrastruktur zu bombardieren. Somit bleibt die Frage des Schutzes des Energiesystems ein zentraler Punkt sowohl auf operativer als auch auf diplomatischer Ebene des Konflikts.