In Russland hat am 18. September der dreitägige Wahlzyklus für die Abgeordneten der Staatsduma begonnen, der bis einschließlich 20. September andauert. Das belegen Wahlkampfmaterialien an den Wahllokalen, auf denen die Daten „18., 19., 20. September 2026“ sowie der Slogan „Deine Stimme – die Stärke Russlands!“ angegeben sind. Laut RBC-Ukraine unter Verweis auf russische Medien und die Telegram-Kanäle „Wschtschisnysje Istории“, ASTRA und „Werstka“ wurden bereits zu Beginn der Kampagne Fälle von Druck auf Wahlbeobachter, Zwang gegen Beschäftigte des öffentlichen Sektors und massive Verstöße dokumentiert. Die Vorsitzende des Zentralen Wahlkommissariats Russlands, Ella Pamfilowa, hatte am Vortag vor möglichen „unbeabsichtigten Unterbrechungen der Mobilfunk- und Datenübertragung“ gewarnt und erklärt, dass dies für den Wahlprozess „kein Grund zur Absage der Abstimmung“ sei.

Start des dreitägigen Wahlverfahrens und Warnung vor Kommunikationsausfällen

Die offizielle Position des Zentralen Wahlkommissariats lautet, dass technische Störungen in den Telekommunikationsnetzen die Legitimität des Verfahrens nicht beeinträchtigen dürfen. Pamfilowa habe, Berichten russischer Medien zufolge, den Verlauf der Kampagne in Moskau mit dem Bürgermeister Sobjanin besprochen und die Zusammensetzung der Parteien auf dem Stimmzettel geklärt. Unabhängige Beobachter weisen jedoch darauf hin, dass mögliche Ausfälle von Internet und Mobilfunk zeitlich mit Beginn der Auszählung und Datenübermittlung von den Wahllokalen zusammenfielen, was ihrer Ansicht nach die Echtzeit-Verifizierung der Ergebnisse erschwert.

Druck auf Beobachter und Oppositionsvertreter

Laut Berichten russischer Medien begannen die Verstöße noch vor dem offiziellen Start. In Kasan habe, so die Kandidatin der Partei „Jabloko“, Sofia Fjodorowa, versucht, Mitglieder der Partei aus ihrem eigenen Büro zu vertreiben: Am 16. September wurde nach einer Begegnung mit Anhängern im Raum das Licht abgeschaltet, und der Eigentümer forderte die Kündigung der Verträge; schließlich hätten die Oppositionellen, wie behauptet wird, das Licht wiederhergestellt und das Büro behalten. In der Region Swerdlowsk seien, nach denselben Angaben, gleich fünf Kandidaten von „Jabloko“ von den Wahlen ausgeschlossen worden, und in der Region Tambow hätten, so Beobachter, Sicherheitskräfte Vertreter der Partei angerufen und Treffen erzwungen, wobei sie einräumten, „eine große Liste von Beobachtern“ in der Hand zu haben. In der Region Woronesch seien, Berichten zufolge, rund 400 Beobachter der KPRF mit der Begründung „Mängel in den Dokumenten“ nicht an den Wahllokalen zugelassen worden.

Fälschungen und Zwang gegen Beschäftigte des öffentlichen Sektors

In der Region Altai hätten, so Aktivisten, die Wahlkommissionen Bürger angeblich ohne deren Zustimmung in die Listen für die Hauswahl eingetragen: Bei Anrufen an den in den Listen genannten Adressen bestätigten die Bewohner, dass sie keine Anträge gestellt hätten. Zudem wird über die erzwungene Registrierung zur Online-Abstimmung berichtet – nach den damals letzten Angaben wurden mehr als 250.000 Anträge eingereicht, was fast 15 % der Gesamtzahl der Wähler der Region entspricht. Parallel dazu verpflichten die Behörden, so denselben Berichten zufolge, Beschäftigte des öffentlichen Sektors, namentlich über ihre Stimme für „Einiges Russland“ Bericht zu erstatten; eine solche Anordnung gelte, wie behauptet wird, mindestens in den Regionen Altai, Nowosibirsk, Swerdlowsk, Bogorodsk und Samara.

Grenzregionen und vorzeitiges Wählen

Die angespannteste Lage habe sich, Berichten der Medien zufolge, in den an die Ukraine grenzenden Gebieten ergeben, wo das Zentrale Wahlkommissariat eine vorzeitige Abstimmung 12 Tage vor dem zentralen Wahltag erlaubt hat. In der Region Rostow seien, so Augenzeugen, der „Jabloko“-Beobachter Boris Mikljukow von maskierten Männern in einem Dienstwagen in das Polizeirevier Nr. 8 in Rostow gebracht worden; zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bestand zu ihm kein Kontakt. In Belgorod wurden am ersten Tag der vorzeitigen Abstimmung, nach denselben Angaben, Stimmzettel-Einwürfe an den Wahllokalen festgestellt, und bei der Hauswahl hätten angeblich Mitglieder der Wahlkommissionen für andere Personen gestimmt. Ein Telegram-Kanal wies zudem darauf hin, dass auf Fotos aus den Wahllokalen in den tragbaren Urnen für die Hauswahl mehr Stimmzettel zu sehen seien als in den stationären.

Widersprüchliche Daten

Die offizielle Version des Zentralen Wahlkommissariats und die Aussagen Pamfilowas widersprechen dem Bild, das unabhängige Beobachter zeichnen. Einerseits behauptet das Zentrale Wahlkommissariat, dass mögliche Kommunikationsausfälle die Abstimmung nicht beeinflussen und das Verfahren planmäßig verlaufe. Andererseits berichten russische unabhängige Medien und Telegram-Kanäle über systematische Fälschungen, Zwang und Verfolgung von Beobachtern, was von staatlichen Medien nicht bestätigt wird. Konkrete Zahlen – etwa die 250.000 Anträge zur Online-Abstimmung in der Region Altai oder die 400 nicht zugelassenen Beobachter der KPRF in der Region Woronesch – werden ausschließlich in Materialien oppositioneller Quellen genannt und von unabhängigen internationalen Beobachtern nicht verifiziert. Ein Teil der Fakten bleibt somit auf der Ebene von Angaben der Beteiligten, nicht aber bestätigter Daten.

Position der Ukraine zu den Wahlen auf den besetzten Gebieten

Am Vortag erklärte der Menschenrechtsbeauftragte der Werchowna Rada, Dmytro Lubynez, dass Russland auf den vorübergehend besetzten Gebieten der Ukraine illegale „Wahlen“ in die Staatsduma vorbereite, um den Anschein eines normalen Lebens zu erwecken, und rief die Ukrainer auf, nicht zu wählen. Zuvor hatte der Sicherheitsdienst der Ukraine die Bewohner der besetzten Regionen ebenfalls aufgefordert, nicht an diesen Wahlen teilzunehmen. Diese Aussagen stützen die These, dass der Wahlprozess von ukrainischer Seite als Element der Legitimierung der Besatzung betrachtet wird.