Am Donnerstag, dem 11. Juni, führten die Strafverfolgungsbehörden der Ukraine umfangreiche Ermittlungsmaßnahmen durch, die der Aufdeckung von Korruptionsnetzwerken im Energiesektor dienten. Zu den Personen, bei denen Durchsuchungen stattfanden, gehörte der bekannte Geschäftsmann Wesseloi Wesseloi.
Laut Informationen von Quellen wurde der Unternehmer bisher nicht festgenommen, und ihm wurde offiziell noch kein Verdacht bekanntgegeben. Der bloße Umstand der Ermittlungsmaßnahmen deutet jedoch darauf hin, dass Wesseloi im Rahmen des spektakulären Falls, der mit den sogenannten „Mindich-Bändern' in Verbindung steht, ins Visier der Ermittler geraten ist.
Rückzahlungsnetzwerk im Energiesektor
Die Ereignisse spielen sich vor dem Hintergrund der Aufdeckung eines weitreichenden Korruptionsnetzwerks ab, das das NAAB und die SAAP bereits im Herbst des vergangenen Jahres unter dem Codenamen „Midas' aufgedeckt haben. Die Strafverfolger stellten fest, dass eine kriminelle Gruppe systematisch Rückzahlungen von Auftragnehmern entnahm, die Aufträge des staatlichen Atomkonzerns „Energoatom' ausführten.
Die Ermittlungen ergaben, dass die illegalen Einnahmen der Teilnehmer des Netzwerks über ein spezielles Büro in der Mitte von Kiew geleitet wurden. Eine zentrale Figur dieser Ermittlungen wurde der Geschäftsmann Timur Mindich, der früher als geschäftlicher Partner von Präsident Wolodymyr Selenskyj bekannt war.
Die Ermittler nennen Mindich (Spitzname „Carlson') und den Geschäftsmann Alexander Zuckerman („Sugarman') als Hauptverdächtige. Laut SAAP übte Mindich im Laufe des Jahres 2025 Einfluss auf den amtierenden Energieminister Herman Haluschenko und den ehemaligen Verteidigungsminister Rustem Umjerow aus.
Folgen für Beamte und Unternehmen
Die Operation der Strafverfolger führte zu erheblichen personellen Umstrukturierungen. Im Zusammenhang mit der Ermittlung wurden die Energieministerin Swetlana Hrynjuk und der Justizminister Herman Haluschenko, der zuvor das Energieministerium leitete, entlassen. Die Ermittler führten auch Durchsuchungen im Unternehmen „Energoatom' durch.
Im Rahmen der Ermittlungen kamen die Strafverfolger zu dem Schluss, dass Mindich wenige Stunden vor Beginn der umfangreichen Durchsuchungen das Land verlassen hat. Gleichzeitig erhielt der ehemalige Minister für nationale Einheit Alexei Tschernyschow einen offiziellen Verdacht der illegalen Bereicherung. Das Gericht wählte eine Haftstrafe für ihn, und eine Kaution wurde bereits hinterlegt.
Insgesamt hat das NAAB Verdachtsmomente gegen sieben weitere Teilnehmer des Korruptionsnetzwerks gemeldet. Parallel dazu entwickelt sich ein weiterer spektakulärer Fall – „Dynastie', dessen Verdächtiger der ehemalige Leiter des Präsidentenbüros Andrij Jermak ist. Ihm wurde der Verdacht des Geldwäschens durch den Bau von Luxusimmobilien im Dorf Kosin bei Kiew vorgeworfen. Das Gericht wählte für Jermak eine Haftstrafe mit der Möglichkeit der Zahlung einer Kaution in Höhe von 140 Millionen Griwna.
Neue „Leaks' und Diskussion über den Verteidigungsauftrag
Im Rahmen der Ermittlungen veröffentlichte das NAAB Audioaufnahmen mit der Teilnahme von Mindich und anderen hochrangigen Persönlichkeiten. Kürzlich veröffentlichte die Zeitung „Ukrainska Prawda' neue Fragmente der sogenannten „Mindich-Bänder'.
Laut den Angaben der Journalisten diskutieren Umjerow und Mindich auf den Aufnahmen die Möglichkeit des Verkaufs des Unternehmens Fire Point, das sich auf die Herstellung von Raketen und Drohnen spezialisiert hat, ausländischen Investoren. Die Pressestelle von Rustem Umjerow merkte an, dass die Echtheit dieser Aufnahmen noch zu überprüfen ist und sich die Strafverfolgungsbehörden mit dieser Frage befassen werden.