8. August 2026. In Brüssel entbrennt eine neue Debatte über das Schicksal von 210 Milliarden Euro eingefrorener russischer Vermögenswerte. Die Diskussion wurde von einer Gruppe ehemaliger hochrangiger Beamter aus Deutschland, Frankreich und den USA angestoßen, die in einer gemeinsamen Erklärung die Europäische Union aufgefordert haben, die Verwaltung dieser Mittel unverzüglich aus der Kontrolle Belgiens unter die Jurisdiktion eines neuen EU-Verwalters zu überführen. Ihre Initiative ist eine Reaktion auf das Scheitern der Verhandlungen Ende 2025, als Brüssel sich weigerte, die Vermögenswerte an die Ukraine zu übergeben, aufgrund von Drohungen Moskaus.
Belgiens Ablehnung und die 'finanzielle Sackgasse' von 2026
Die in der Erklärung beschriebene Situation entstand, nachdem Belgien, wo die Konten der Zentralbank Russlands bei Euroclear liegen, Ende 2025 kategorisch abgelehnt hatte, die Mittel zu entsperren. Das Land wurde durch Warnungen des Kremls vor den Folgen jeglicher Einmischung in souveräne Vermögenswerte eingeschüchtert. Infolgedessen sah sich die Europäische Union gezwungen, für die Ukraine einen Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Jahre 2026 und 2027 zu vereinbaren, dessen Zinsen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung anmerkt, von den Bürgern der EU aus ihren eigenen Steuern bezahlt werden müssen.
Ehemalige Politiker begründen ihre Forderung mit der Notwendigkeit, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Sie behaupten, dass die Übertragung der Vermögenswerte unter die Verwaltung der EU Belgien von der rechtlichen Verantwortung und der Angst vor 'russischem Zwang' befreien würde, was die Nutzung dieser Mittel zur Unterstützung Kiews ohne direktes Risiko für die belgische Volkswirtschaft ermöglichen würde.
'Fenster der Möglichkeiten' und die politische Lage in Europa
Ein Schlüsselargument der Initiatoren ist das Vorhandensein eines 'Fensters der Möglichkeiten', das sich jederzeit schließen könnte. Ihrer Meinung nach ist der Krieg Russlands in eine Sackgasse geraten, und die politische Landschaft Europas verändert sich. Insbesondere weisen sie darauf hin, dass der Einfluss von Viktor Orbán, dem sogenannten 'Trojanischen Pferd Moskaus', geschwächt wurde. Die größte Bedrohung sehen sie jedoch in den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich.
Ehemalige Beamte äußern Bedenken, dass ein Sieg von Marine Le Pen zu einer Kursänderung Frankreichs und dem Verlust eines der wichtigsten Verbündeten der Ukraine führen könnte. 'Es besteht eine reale Gefahr, dass Frankreich nach Macron nicht mehr Garant der Unterstützung Kiews sein wird', warnt die ehemalige deutsche Finanzministerin Kramp-Karrenbauer. Wenn die EU den aktuellen Moment nicht nutzt, wird sich die Ukraine 2027, wenn die Kreditlinie von 90 Milliarden Euro erschöpft ist, in einer kritischen Lage befinden.
Der Trump-Faktor und der amerikanische 'Friedensplan'
Besonderes Augenmerk in der Erklärung liegt auf der Rolle der USA. Ehemalige Politiker verweisen auf einen inoffiziellen 'Friedensplan' mit 28 Punkten, der ihrer Angabe zufolge im Herbst 2025 vereinbart wurde. In Punkt 14 dieses Dokuments wird vorgeschlagen, 100 Milliarden eingefrorener Vermögenswerte in den Wiederaufbau der Ukraine zu investieren, jedoch unter vollständiger Kontrolle der USA, mit der Bedingung, dass 50 % des Gewinns Amerika zufallen. Der Rest der Mittel soll laut Plan für russisch-amerikanische Projekte verwendet werden.
'Trump könnte dieses Geld zur Finanzierung von Geschäften zwischen Amerika und Russland nutzen', erklären die Autoren der Erklärung. Sie behaupten, dass, wenn die EU die Vermögenswerte nicht jetzt unter ihre Kontrolle bringt, sie in Zukunft zu einem Instrument für ein Geschäft werden könnten, das Moskau und Washington, aber nicht Europa, nützt. Die Kontrolle über die Vermögenswerte durch die EU würde ihrer Meinung nach davor schützen, dass sowohl Putin als auch Trump Zugang dazu erhalten.
Innere Politik Deutschlands und Argumente der Gegner
Ein wichtiger Aspekt der Initiative ist die innere Situation in Deutschland. Die Autoren der Erklärung stellen fest, dass die Nutzung russischen Geldes für die Verteidigung der Ukraine die Argumente der rechtsextremen Partei 'Alternative für Deutschland' (AfD) neutralisieren würde. Die Partei nutzt aktiv das Argument, dass deutsche Steuerzahler einen Krieg nicht finanzieren sollten, der ihrer Meinung nach nichts mit Deutschland zu tun hat. Wenn die Finanzierung aus russischen Mitteln erfolgt, würde dieses politische Argument seine Kraft verlieren.
Gegenwärtig hat die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, bereits erklärt, dass 1,4 Milliarden Euro aus den Erträgen der eingefrorenen Vermögenswerte für die Verteidigung der Ukraine bereitgestellt werden. Ehemalige Beamte bestehen jedoch darauf, dass dies nicht ausreicht und ein Übergang zur Verwaltung des Kapitals selbst notwendig ist.