In dem Dorf Kalinowka in der Oblast Kiew entbrennt ein Skandal im Zusammenhang mit der grausamen Ermordung zweier Einheimischer. Im Mittelpunkt steht Stanislav Lutschanow – ehemaliger Kommandeur der 155. separaten mechanisierten Brigade –, der offiziell zusammen mit neun seiner Untergebenen des Entführungs- und vorsätzlichen Mordes an den Brüdern Mosetschuk verdächtigt wird. Laut Ermittlungsbehörden war die Ursache der Tragödie ein banaler häuslicher Streit, der durch Lärm provoziert wurde.

Die Situation im Dorf erlangte große Resonanz, nachdem bekannt wurde, dass die Drohungen gegen die Einheimischen nicht nur vom Militärangehörigen selbst, sondern auch von seiner Familie ausgingen. In Kalinowka, wo die Brüder entführt wurden, wurde bekannt, dass die Opfer der grausamen Hinrichtung nicht nur sie sein konnten, sondern dass Lutschanow sogar minderjährige Kinder bedrohte.

„Die Liste von Lutschanow“ und Drohungen gegen Kinder

Die erste, die auf bewaffnete Unbekannte traf, war die lokale Verkäuferin Ljudmila Petrowa. Am 26. Juni, nach dem Mittagessen, betraten zwei Männer in schwarzer Kleidung mit Waffen den Laden. Sie gaben sich als Militärpolizei aus und begannen, beharrlich nach den lokalen jungen Männern zu fragen, wobei sie ein Blatt Papier in der Hand hielten.

Laut Petrowa waren auf der Liste fünf Personen aufgeführt. Bemerkenswert ist, dass die Namen der später getöteten Maxim und Roman Mosetschuk in diesem Dokument nicht vorkamen. Dort waren nur die Initialen ihres jüngeren Bruders Sergej verzeichnet, der zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr im Dorf lebte. Als die Verkäuferin fragte, aus welchen Gründen die Leute gesucht würden, insbesondere angesichts des Vorhandenseins eines Minderjährigen auf der Liste, bekam sie eine harte Antwort: „Mit einem minderjährigen Kind werden wir ganz anders sprechen“.

Später nannten die erschrockenen Dorfbewohner dieses Dokument „die Liste von Lutschanow“. Stanislav Lutschanow, der ehemalige Brigadekommandeur, war der Ehemann einer der Dorfbewohnerinnen. Laut der Mutter eines der Teenager hatte Lutschanow noch einen Tag vor dem Erscheinen der bewaffneten Männer persönlich ihren Sohn bedroht.

„Er rief meinem Sohn zu: ‚Hey, kleiner, komm mal her!‘. Er kennt hier die Einheimischen nicht, nicht einmal, wie sie heißen. Und er sagt zu ihm: ‚Ihr seid schon so oft hier gefahren, ich habe kleine Kinder, ihr weckt sie ständig. Wer fährt hier noch? Ich kenne euch alle gut. Komm, versammle deine Bande, wir werden ernsthaft reden. Wenn ich noch einmal ein Geräusch höre – ich werde euch alle umbringen!‘“, erinnert sich die Dorfbewohnerin Tatjana Sumar.

Häuslicher Konflikt wegen Lärms

Das private Haus der Familie des Brigadekommandeurs befindet sich direkt gegenüber dem Dorfkulturhaus und dem Stadion, wo sich abends traditionell die Jugend versammelt. Das belebte Dorfleben, Lärm und laute Teenagermusik wurden zur Ursache eines wilden häuslichen Konflikts. Die 23-jährige Ehefrau des 45-jährigen Brigadekommandeurs forderte von den Kindern absolute Stille, da der Straßenlärm angeblich den Kindern der Lutschanows das Schlafen störte.

Unter den Jugendlichen und jungen Männern, mit denen die Frau zuvor oft und laut auf dem Stadion gestritten hatte, waren auch die Brüder Mosetschuk. Es gibt jedoch einen wichtigen Aspekt: Die Familie des Brigadekommandeurs lebte nicht ständig in Kalinowka. Sie kamen nur zu Besuch zu den Eltern der Frau.

Die Dorfbewohner merken an, dass sich die Verwandten der Frau seit der Ankunft des Schwiegersohns-Militärs vor drei Jahren vollständig vom Dorfleben abgewandt haben. „Sie hielten sich immer abseits. Vollständig vom Gesellschaftsleben abgeschottete Menschen. Hier störten sie ständig Fahrräder, Motorräder und sogar kleine Kinder, wenn sie auf dem Spielplatz spielten“, erzählt Ljudmila Petrowa.

Motorräder als Lebensnorm

Laut offiziellen Ermittlungsdaten wurden zwei lokale Männer entführt und gefoltert, weil die Familie des Militärs über laute Musik und schnelles Fahren auf Motorrädern unzufrieden war. Das Filmteam von TSN stellte jedoch fest, dass sich in Kalinowka absolut alle – von ganz jungen Teenagern bis zu älteren Rentnern – hauptsächlich auf Mopeds und Motorrädern fortbewegen. Sogar die amtierende Dorfvorsteherin Jewgenija Wutschan nutzt ein Motorrad.

„Das ist keine Art von Luxus. Sondern ausschließlich für eine bequeme Fortbewegung“, erklärt die Vorsteherin. Diese Tatsache bestätigt auch der lokale Verkäufer: „Das ist ein Dorf, hier sind alle genau daran gewöhnt, sich so fortzubewegen“.

Gegenwärtig ist Stanislav Lutschanow in Kiew festgenommen worden. Die Ermittlungen laufen weiter, und die Dorfbewohner müssen erkennen, wie schnell ein häuslicher Konflikt zu einer Tragödie mit hochrangigen Militärs eskalieren kann.