Rückgabe des Ordens: Ein hartes Signal aus Warschau

Es ist ein schwerwiegender diplomatischer Zwischenfall in den polnisch-ukrainischen Beziehungen aufgetreten. Der ehemalige polnische Botschafter in der Ukraine, Bartosz Cichocki, hat die ukrainische Staatsauszeichnung „Für Verdienste', die ihm 2022 von Präsident Wolodymyr Selenskyj verliehen wurde, zurückgegeben. Diese Entscheidung ist eine direkte Reaktion auf jüngste Schritte der Kiewer Behörden im Zusammenhang mit der Ehrung der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) und hat eine heftige Debatte in beiden Ländern ausgelöst.

Historischer Anlass: UPA und das Kriegsgedächtnis

Die Situation hat sich vor dem Hintergrund einer Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj, die letzte Woche getroffen wurde, verschärft. Der Staatsoberhaupt befahl, einer der militärischen Einheiten der Streitkräfte der Ukraine die Bezeichnung „Helden der UPA' zu verleihen. In seiner Begründung erklärte Selenskyj, dass das Ziel die „Wiederherstellung der historischen Traditionen der nationalen Armee' und die Anerkennung des vorbildlichen Verhaltens der Soldaten bei der Verteidigung der Unabhängigkeit des Landes sei.

Für Polen ist die UPA jedoch ein äußerst schmerzhaftes Thema. Die Aktivitäten dieser Organisation während des Zweiten Weltkriegs lösen in Warschau enorme Kontroversen aus, insbesondere wegen der Verantwortung für Kriegsverbrechen an der polnischen Bevölkerung, vor allem im Rahmen der Tragödien in Wolhynien und in Ostgalizien.

Reaktion des Diplomaten und Position der Behörden

Bartosz Cichocki, der von 2019 bis 2023 als polnischer Botschafter in der Ukraine diente, erhielt zweimal Auszeichnungen von der ukrainischen Seite. Im Juni 2022 wurde er persönlich von Präsident Selenskyj mit dem Orden „Für Verdienste' II. Klasse ausgezeichnet, und im Dezember desselben Jahres erhielt er das Verdienstkreuz vom damaligen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, General Waleri Saluschnyj.

In einer offiziellen Erklärung, die den Medien zugespielt wurde, kündigte Cichocki die Rückgabe seiner Auszeichnungen an. Er verband diese Entscheidung direkt mit den Handlungen des ukrainischen Präsidenten, die die „Ehrung der UPA und der Kollaborateure der deutschen Nationalsozialisten' beinhalten. Gleichzeitig betonte der Diplomat, dass jeder Ukrainer, der gegen den russischen Aggressor, historische falsche Narrative und Korruption kämpft, auf seine Unterstützung zählen kann.

Scharfe Kritik aus Warschau

Die Entscheidung von Selenskyj, die UPA zu ehren, löste eine scharfe Reaktion seitens der polnischen Führung aus. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnete diesen Schritt als „besorgniserregend für unsere Beziehungen' und wies darauf hin, dass er unsere „historische Sensibilität' verletze.

Eine noch härtere Position nahm der polnische Präsident Karol Nawrocki ein. Er erklärte, dass die Ukraine, indem sie die UPA verherrlicht, „mental nicht bereit ist, Teil der europäischen Gemeinschaft zu werden'. Der Staatsoberhaupt äußerte zudem die Meinung, dass Wolodymyr Selenskyj des Ordens des Weißen Adlers, den er 2022 erhalten hatte, enthoben werden sollte.