Am Himmel über der Ukraine, wie auf Nachtaufnahmen zu sehen, flackern weiterhin die Lichter von Raketenangriffen. Die Statistik der letzten Tage zeigt jedoch einen unerwarteten Trend: Die Intensität der russischen Angriffe könnte sich erheblich verringert haben. Experten zufolge ist dies kein Zeichen der Erschöpfung des Gegners, sondern ein strategischer Manöver, das den Boden für neue großangelegte Operationen bereiten soll.

Beunruhigende Statistik: Ein drastischer Rückgang der Aktivität

Gert Kaju, Leiter der Abteilung für Verteidigungsbereitschaft des estnischen Verteidigungsministeriums, hat die Daten zur Luftaggression Russlands in der letzten Woche analysiert. Die Zahlen sprechen für sich: Russland hat etwa 900 Drohnen und 12 Raketen gegen das Gebiet der Ukraine gestartet.

Der Vergleich mit früheren Perioden zeigt einen dramatischen Rückgang der Angriffstempo:

  • Die Anzahl der Drohnen ist um 35 % gesunken.
  • Die Zahl der Raketenangriffe hat sich um 84 % verringert.

Für Gert Kaju sind diese Daten kein Grund zur Beruhigung, sondern ein „wirklich beunruhigendes Zeichen“. In der militärischen Logik geht einem plötzlichen Rückgang der Angriffsintensität oft eine Serie massiver Angriffe voraus.

Strategie der Ressourcenakkumulation

Laut dem estnischen Experten spart Moskau de facto Ressourcen. Das Ziel ist einfach und gefährlich: Mittel für Luftangriffe anzusammeln, um sie später in großer Zahl gleichzeitig einzusetzen. Ein solches Szenario erzeugt eine enorme Belastung für die ukrainischen Luftabwehrsysteme und zwingt sie, an ihrer Leistungsgrenze zu arbeiten.

Laut Analyse hat Wladimir Putin seiner Armee den Befehl erteilt, den aktuellen Verbrauch von Munition zu reduzieren, um das Potenzial für neue, stärkere Angriffswellen zu bewahren.

Effektivität der ukrainischen Gegenangriffe

Gert Kaju kommentierte separat den Einfluss der ukrainischen Kampagne mit Langstreckenwaffen auf die Strategie des Kremls. Nach seinen Worten treiben erfolgreiche Schläge auf russischem Territorium Putin in eine strategische Sackgasse. Der russische Führer muss schwierige Entscheidungen darüber treffen, welche Opfer gebracht werden müssen, um andere zu erhalten.

„Da die Luftabwehrmittel für alles nicht ausreichen, müssen Prioritäten gesetzt werden. Dies ist unvermeidlich mit Risiken verbunden, das heißt, einige Objekte bleiben ungeschützt, und man muss damit rechnen, dass sie zerstört oder außer Gefecht gesetzt werden“, erklärte der Vertreter des estnischen Verteidigungsministeriums.

Diese erzwungene Einsparung von Luftabwehrmitteln in Russland selbst kann sich indirekt auch auf das Tempo der Angriffe gegen die Ukraine auswirken, da Ressourcen für den Schutz des eigenen Territoriums umverteilt werden.

Lage an der Front und in der Krim

Während im Himmel der Luftkrieg weitergeht, bleibt die Situation am Boden ebenfalls angespannt. Zuvor wurde bekannt, dass die Besatzungsbehörden auf der Krim den Ausnahmezustand ausgerufen haben, der am 26. Juni in Kraft trat. Diese Entscheidung war eine Reaktion auf die gestiegene Bedrohung durch ukrainische Streitkräfte.

Außerdem gibt es Berichte über Versuche russischer Besatzer, ihre Kontrollezone östlich von Sumy auszuweiten. Gleichzeitig erleidet die russische Armee enorme Verluste in der Region Charkiw. Der Feind verliert hunderte Soldaten pro Tag an diesem Frontabschnitt, gibt aber trotz schwerer Verluste die Versuche nicht auf, vorzudringen.