Der ukrainische Einzelhandel durchläuft eine fundamentale Transformation. Unter den Bedingungen militärischer Operationen haben sich die Prioritäten von riesigen Hypermärkten hin zu kompakten Formaten und energieautarker Versorgung verschoben. Das Konzept des «Laden um die Ecke» hat seine Lebensfähigkeit bewiesen: Es erfordert geringere Kapitalinvestitionen und gewährleistet einen operativen Lieferdienst, was diesen Segment zum am schnellsten wachsenden auf dem Markt macht.

Führende Akteure dieses Trends sind regionale Convenience-Spieler. Ein leuchtendes Beispiel ist die Kette «Simi» (Betreiber LLC «Clover Stores», Eigentümer Dmitri Merchenko und Sergei Kikinev). Im Jahr 2025 zeigte das Unternehmen ein explosionsartiges Wachstum und eröffnete rekordverdächtige 133 neue Filialen – ein Anstieg von 41 %.

Stand Juni 2026 umfasst das Portfolio des Unternehmens, einschließlich des klassischen Formats «Sim23», mehr als 500 Geschäfte. Das geografische Präsenzgebiet umfasst sieben Gebiete der Westukraine: Wolhynien, Lwiw, Tscherniwzi, Iwano-Frankiwsk, Riwne, Chmelnyzkyj und Ternopil.

Finanzen und Risiken: Der Preis aggressiven Wachstums

Die Expansion von «Simi» wird durch solide Finanzkennzahlen untermauert. Laut Daten von Opendatabot und Clarity Project stieg der Umsatz von «Clover Stores» um 54 % auf 7,94 Milliarden Hrywnja. Die aggressive Wachstumsstrategie erfordert jedoch enorme Investitionen: Der Nettogewinn des Unternehmens belief sich auf rund 38,8 Millionen Hrywnja. Eine Rentabilität von 0,5 % ist ein typischer Indikator für dynamisch wachsenden Convenience-Einzelhandel.

Man darf auch die Risiken nicht vergessen, mit denen Unternehmen in Grenz- und Westregionen konfrontiert sind. Das eigene Logistikzentrum der Kette in Lutsk wurde wiederholt Ziel von Angriffen seitens Russlands, einschließlich Schlägen im Jahr 2026.

«Blyzhenko» und das Phänomen des Umsatzwachstums

Ein weiterer Schlüsselakteur im Westen ist die Kette «Blyzhenko», die zur Berta Group unter der Leitung des Lwiwer Geschäftsmanns Alexander Berezhansky gehört. Der Einzelhändler kontrolliert das Gebiet Lwiw und fünf benachbarte Gebiete: Iwano-Frankiwsk, Ternopil, Transkarpatien, Tscherniwzi und Wolhynien.

Stand Juni 2026 zählt die Kette 302 Geschäfte. Die Finanzkennzahlen des Unternehmens sind beeindruckend: Der Umsatz der LLC «Servis Lviv» erreichte 2025 8,4 Milliarden Hrywnja. Dies ist ein phänomenales Wachstum von 396,4 % im Vergleich zum Vorjahr, was es dem Unternehmen ermöglichte, in die Rangliste der größten Lebensmitteleinzelhändler der Ukraine einzusteigen.

Strategie von «Arteil» und Wettbewerb in der Hauptstadt

Im Gegensatz zu den westlichen Führern ist die Kette KOLO, die von der Firma «Arteil» betrieben wird, auf andere Regionen ausgerichtet. Über die BGV Group gehört sie zum Business-Pool von Hennadii Butkevych – Miteigentümer von ATB. Die Kette konzentriert sich auf Kiew, das Kiewer Gebiet und Odessa.

Stand 2026 zählt KOLO zwischen 251 und 259 Geschäften. Der Umsatz stieg 2025 um 23,3 % auf 3,28 Milliarden Hrywnja. Experten merken an, dass «Simi» aufgrund der enormen Anzahl von Filialen im Westen beim Gesamtumsatz gewinnt, während KOLO effektiv im «teuren» Hauptstadtgebiet konkurriert. Hoher durchschnittlicher Warenkorb und Bevölkerungsdichte ermöglichen eine bessere Marge selbst bei einer geringeren Anzahl von Geschäften. Für ATB fungiert die Kette KOLO als strategische Ergänzung im Format «Läden um die Ecke».

Neue Architektur von Einkaufszentren

Der Trend zur Kompaktheit erfasst nicht nur den Einzelhandel, sondern auch den Bau von Handelsimmobilien. Laut dem Ukrainischen Rat der Einkaufszentren (URTC) wurden im Land von 2022 bis 2027 69 neue Einkaufszentren eröffnet oder geplant, hauptsächlich im Westen. 80 % davon sind Objekte mit kleiner Fläche.

Der Vorsitzende des URTC, Maksym Havryushyn, erklärt dies mit der Logik militärischer Risiken: Kleinere Objekte sind weniger verwundbar und erfordern geringere Investitionen. «Jedes Einkaufszentrum kann zum Ziel eines Drohnen- oder Raketenangriffs werden. Es ist besser, zwei kleine Einkaufszentren zu bauen als eines mittleren», betont er.

Die regionalen Führer «Simi» und «Blyzhenko» halten ihre Positionen vorerst und gelten als potenzielle Käufer auf dem Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A). Ihr langfristiges Zukunft hängt jedoch davon ab, wie tief nationale Ketten in den westukrainischen Markt eindringen werden, betont die Geschäftsdirektorin von GDS, Anna Anisimova.