Ungarn tritt nach historischen Parlamentswahlen in eine neue Ära ein. Der neue Ministerpräsident des Landes, Péter Magyar, der die Regierung am 9. Mai übernahm, hat bereits mit der Umsetzung der wichtigsten Wahlversprechen begonnen. Einer der ersten und resonantesten Schritte war die Unterzeichnung einer Verordnung, die den Zustrom von Arbeitsmigranten aus Nicht-EU-Ländern über ein vereinfachtes Verfahren faktisch stoppt.

Abschaffung des Programms der Orbán-Regierung

Magyars Entscheidung zielt darauf ab, die vom vorherigen Ministerpräsidenten Viktor Orbán eingeführte Praxis zu beenden. Die neue Regierung wird keine Aufenthaltserlaubnisse mehr nach einem Schema ausstellen, das es ermöglichte, Arbeitskräfte außerhalb der EU über Agenturen zu werben, die dem ehemaligen Ministerpräsidenten unterstanden.

Wichtig ist, dass es sich nicht um ein totales Einreiseverbot für Bürger dritter Länder handelt, sondern um die Einstellung eines spezifischen Mechanismus, der während der 16-jährigen Amtszeit Orbáns galt. Bestehende Aufenthaltserlaubnisse bleiben bis zum Ablauf ihrer Gültigkeit bestehen, wobei die Frage einer möglichen Verlängerung in der neuen Verordnung nicht geklärt wird.

Wirtschaftliche Logik und Wahlversprechen

Péter Magyar kritisierte während seiner Wahlkampagne wiederholt die Praxis der Masseneinfuhr von Arbeitskräften. Laut dem neuen Ministerpräsidenten soll die Abschaffung dieses Systems zwei Hauptziele erreichen: mehr Arbeitsplätze für ungarische Bürger freimachen und eine Lohnsenkung verhindern, die Unternehmen durch die Einstellung billigerer ausländischer Arbeitskräfte hätten anregen können.

Die Einschränkung des Zustroms von Migranten war einer der zentralen Punkte des Programms der Partei „Tisza“, die bei den Wahlen am 12. April 2026 einen deutlichen Sieg errang und 138 von 199 Sitzen im Parlament erhielt. Diese Niederlage markierte das Ende der 16-jährigen Herrschaft von Viktor Orbán, der seine Niederlage offiziell anerkannte.

Reaktion des Arbeitsmarktes und Fachkräftemangel

Trotz des politischen Willens der neuen Führung löst die Entscheidung in den Wirtschaftskreisen Besorgnis aus. Branchenverbände und Arbeitgeberverbände warnen, dass in vielen Sektoren der ungarischen Wirtschaft bereits ein akuter Mangel an Arbeitskräften herrscht.

Laut aktuellen Schätzungen arbeiten in dem Land etwa 90.000 Bürger aus Nicht-EU-Ländern. Dies entspricht etwa 2 % der gesamten ungarischen Arbeitskraft. Die wichtigsten Beschäftigungsbereiche sind:

  • Batterieproduktion und Automobilindustrie;
  • Bausektor;
  • Landwirtschaft (saisonale Arbeiten);
  • Lieferdienste.

Die größten Gruppen von Arbeitsmigranten in Ungarn sind Bürger der Philippinen, der Ukraine, Chinas, Vietnams und Indiens. Nun muss sich das Geschäft an neue Bedingungen anpassen, wenn der Zugang zur vereinfachten Anwerbung von Ausländern unterbunden wird.

Historischer Kontext der Veränderungen

Der Machtwechsel in Ungarn war von einem beispiellosen Interesse der Bürger an der Politik begleitet. Die Wahlbeteiligung lag bei fast 80 %, was einen Rekordwert für das Land seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Blocks darstellt. Der Sieg der Partei „Tisza“ unter der Führung von Péter Magyar war ein Signal für weitreichende Änderungen in der Staatspolitik, wobei die Migrationsreform der erste Schritt in eine neue Ära war.