Epic Games setzt die umfassende technische Überarbeitung seines Launchers und seines Shops fort, die das Unternehmen als kompletten Neustart der Anwendung positioniert. Laut Angaben der Entwickler soll die neue Version eine deutlich gesteigerte Geschwindigkeit bieten – im Durchschnitt um ein Vielfaches schneller als zuvor – sowie personalisierte Empfehlungen, schnelle Kategorien und integrierte Patchnotes. Tatsächlich handelt es sich nicht um ein kosmetisches Update, sondern um einen Neuaufbau der Client-Software von Grund auf, was auch durch unabhängige technische Reviews bestätigt wird, die ein tiefgreifendes Redesign der Shop-Oberfläche feststellen.

Was den Nutzern versprochen wird

Das zentrale Argument von Epic Games für den neuen Launcher ist die Leistungsfähigkeit. Das Unternehmen spricht von einer mehrfachen Beschleunigung des Ladens und der Arbeit der Anwendung und ergänzt diese um Funktionen, die Konkurrenten zuvor fehlten: einem personalisierten Empfehlungs-Feed, einer vereinfachten Navigation durch Kategorien und integrierten Patchnotes, die es ermöglichen, Spiel-Updates zu verfolgen, ohne auf externe Ressourcen wechseln zu müssen. Zusammen bilden diese Elemente das Bild eines „intelligenten“ und schnellen Clients, der darauf ausgerichtet ist, den Nutzer innerhalb der Shop-Ökosystem zu halten.

Skepsis der Experten: Die Dominanz von Steam

Dennoch gehen Experten mit diesen Versprechen vorsichtig um. Emmanuel Ruzié, Director of Market Intelligence des Analysehauses Newzoo, betont, dass die Dominanz von Steam auf der PC-Plattform bereits nahezu unausweichlich geworden ist. Seiner Einschätzung nach führt die Strategie von Epic Games, das Publikum über wöchentliche Gratis-Spiele zu gewinnen, vor allem dazu, dass Nutzer Titel auf ihren Konten „sammeln“, aber selten darin spielen. Die Gratis-Mechanik wandelt sich somit nicht in eine stabile aktive Nutzerbasis um, die in der Lage wäre, Spieler aus der Valve-Ökosystem abzuziehen.

Krieg auf allen Fronten und Streuung der Kräfte

Ein weiterer Faktor, auf den Analysten hinweisen, ist der Versuch von Epic Games, gleichzeitig auf mehreren Märkten zu kämpfen: gegen Steam auf dem PC sowie gegen Apple und Google im mobilen Segment. Dieser Mehrfronten-Ansatz führt aus Sicht der Experten zu einer Streuung der Ressourcen und der Aufmerksamkeit des Unternehmens. Gleichzeitig bewerten Analysten die aktuellen Erfolge von Epic Games gerade als Entwickler hoch: Fortnite ist zu einer vollwertigen Cross-Media-Spielplattform geworden, die zu Kollaborationen mit den unterschiedlichsten Franchises in der Lage ist und damit das Interesse des Publikums und den Umsatz des Unternehmens unabhängig von den Erfolgen des Shops stützt.

Widersprüchliche Daten

In Veröffentlichungen zur Überarbeitung des Launchers taucht eine Unstimmigkeit in den Zahlen der behaupteten Beschleunigung auf. In einer Beschreibung der Neuerungen findet sich die Formulierung einer „um das Doppelte gestiegenen Arbeitsgeschwindigkeit“ mit gleichzeitiger Präzisierung „im Durchschnitt fünfmal schneller“, während die Schlagzeilen spezialisierter Medien gerade die fünffache Beschleunigung als Kennzahl verankern. Der Unterschied zwischen „doppelter“ und „fünffacher“ Beschleunigung ist erheblich: Die erste Zahl beschreibt ein minimales oder Spitzen-Szenario, die zweite – den Durchschnitt über die Szenarien. Solange das Unternehmen keinen einheitlichen verifizierten Benchmark veröffentlicht hat, koexistieren beide Formulierungen im Medienraum, und der Leser sollte berücksichtigen, dass die endgültige Leistungsfähigkeit vom konkreten Nutzungsszenario und der Hardware des Nutzers abhängt.

Fazit: Der technische Neustart von Launcher und Shop ist ein realer und weitreichender Schritt von Epic Games, der darauf abzielt, langjährige Kritik an Geschwindigkeit und Navigation auszuräumen. Allerdings reicht nach Einschätzung der Analysten von Newzoo eine bloße Beschleunigung des Clients nicht aus, um die Kräfteverteilung auf dem PC-Markt zu verschieben, wo Steam die dominierenden Positionen hält und das Modell der Gratis-Verteilungen kein nachhaltiges Wachstum der aktiven Nutzerbasis bringt. Die starke Seite des Unternehmens bleibt die Entwicklung, insbesondere Fortnite, die weiterhin als Cross-Media-Plattform und Aufmerksamkeitsquelle funktioniert.