In der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) breitet sich eine der schnellsten Ebola-Ausbrüche der letzten Jahre aus. Laut Angaben der internationalen humanitären Organisation «Ärzte ohne Grenzen» (MSF) überstieg die Zahl der Verdachtsfälle innerhalb von nur zwei Wochen nach der offiziellen Erklärung der Epidemie die Marke von tausend Fällen. Die Zahl der Todesopfer hat bereits mindestens 246 Menschen erreicht.

Unprecedented Ausbreitungsgeschwindigkeit

Alan Gonzalez, stellvertretender Direktor von «Ärzte ohne Grenzen», erklärte, dass noch kein Ebola-Ausbruch eine derart aggressive Ausbreitung unmittelbar nach der Bestätigung gezeigt habe. Ärzte verzeichnen täglich neue Verdachtsfälle, doch das genaue Ausmaß der Katastrophe bleibt aufgrund der enormen Anzahl unbehandelter Laborproben unklar.

Die Lage vor Ort wird durch logistische Probleme verschärft: Grenzschließungen, Einschränkungen des Verkehrs und Schwierigkeiten bei der Lieferung humanitärer Hilfe behindern die Arbeit der Rettungskräfte.

Besuch des WHO-Generaldirektors und Gefahr traditioneller Bräuche

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, reiste persönlich in die Provinz Ituri, die zum Epizentrum des Ausbruchs wurde. Während seines Besuchs rief er die lokale Bevölkerung auf, sich aktiver in den Kampf gegen die Krankheit einzubringen, und warnte vor der Gefahr traditioneller Bestattungsrituale.

Laut dem WHO-Chef bleibt der Kontakt mit den Leichen von Ebola-Verstorbenen einer der gefährlichsten Übertragungsweg des Virus. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit biologischen Flüssigkeiten infizierter Personen – Blut, Speichel, Schweiß, Urin oder anderen Sekreten – sowie durch kontaminierte Haushaltsgegenstände übertragen.

Seltener Stamm ohne Impfstoff

Besondere Besorgnis erregt die Tatsache, dass der aktuelle Ausbruch durch den seltenen Stamm Bundibugyo verursacht wird. Für diese Virusvariante gibt es derzeit keinen nachweislich wirksamen Impfstoff. Experten schätzen die Sterblichkeitsrate bei dieser Ebola-Variante auf etwa ein Drittel aller Infektionen.

Die Reaktionsdienste können der Epidemie nicht folgen: Den Ärzten gelingt es, nur jeden fünften Kontaktpatienten zu erreichen. Zudem wird die Situation durch Angriffe auf medizinische Einrichtungen verschärft, nach denen Menschen mit Verdachtsfällen und bestätigten Diagnosen die Krankenhäuser massenhaft verlassen.

Internationale Ausbreitung und Einschränkungen

Die Gefahr hat die Grenzen des Kongo überschritten. Das Nachbarland Uganda meldete bereits neun bestätigte Fälle und einen Todesfall. In Brasilien untersuchen Ärzte bei einem 37-jährigen Mann, der kürzlich aus dem Kongo zurückkehrte, einen Verdacht auf Infektion; der Patient ist in einer Infektionsklinik im Bundesstaat São Paulo isoliert.

Die kanadischen Behörden haben vorübergehende Einreisebeschränkungen für Ausländer eingeführt, die aus Ländern mit hohem Risiko der Virusausbreitung kommen, insbesondere aus der DR Kongo, Südsudan und Uganda.